Wirtschaftsinformatik, Informatik, Ausbildung, Studium, Anforderungen, Unternehmensanforderungen, Stellenanzeigen, Kompetenzen, Kompetenzdefizite Fertigkeiten, Fähigkeiten, Wissen, Recruiting, Employability
Fachhochschule Bielefeld
Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit
Universitätsstr. 25
33615 Bielefeld
Projektleitung
Prof. Dr. Volker Wiemann, Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit,
+49 (0) 521/106-3899, volker.wiemann@fh-bielefeld.de
Prof. Dr. Ulrich Schäfermeier, Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit,
+49 (0) 521/106-5088, ulrich.schaefermeier@fh-bielefeld.de
Projektbeteiligung
Interviews mit IT- und Personalleitern von 10 Unternehmen, empirische Umfrage bei 1000 Unternehmen sowie Kooperation mit zwei Jobbörsen (Cesar, Jobscout)
Laufzeit
August 2011 - April 2013
Projektförderung
Fachhochschule Bielefeld - Hochschulinterner Forschungsfond
Kurzbeschreibung
Die Wirtschaftsinformatik, als eine der bedeutendsten interdisziplinären Domänen, hat in der Hochschulausbildung Deutschlands eine lange Tradition. Sie ist aber geprägt durch das Spannungsfeld aus schnellem technologischen Wandel einerseits und tradierter Basismethoden andererseits. In der vergangenen Dekade hat sich dieses Spannungsfeld durch zwei Paradigmenwechsel verschärft: Aktuelle betriebliche Anforderungen an das Management und die Ausgestaltung der betrieblichen IT-Prozesse werden durch internationale Normen weitgehend standardisiert und Informationstechnologie hat die Rolle als strategischen Wettbewerbsfaktor für Unternehmen weitgehend verloren. Diese Situation hat umfangreiche Auswirkungen auf nahezu alle Arbeitsgebiete der Wirtschaftsinformatik.
Für die Hochschulausbildung in der Wirtschaftsinformatik resultiert aus dieser Dynamik und Schwerpunktverschiebung die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Infragestellung und Anpassung der zu vermittelnden Kompetenzen, also nicht nur der kontinuierlichen Adaption neuer Erkenntnisse der Forschung wie in anderen Domänen. Allerdings ist die Geschwindigkeit des Wandels und der Trends so hoch, dass diese Anpassungen nicht trendgetrieben erfolgen dürfen. Die Zeitdifferenz zwischen Ausbildung von Studierenden und Anwendung der vermittelten Kompetenzen erfordert also eine sehr vorausschauende Abstimmung. Da die wesentlichen Anforderungen an die erwarteten Kompetenzen aber von Unternehmen als zukünftige Beschäftiger von Studierenden definiert werden, müssen eben deren Erwartungen in den kontinuierlichen Gestaltungsprozess einfließen.
Daher umfasst das Forschungsprojekt eine empirische Untersuchung eben dieser Anforderungen der Wirtschaft an die Inhalte der Hochschulausbildung von Wirtschaftsinformatikern zur nachhaltigen Förderung der Employability bzw. Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden. Die Analyse umfasste dabei inhaltlich sowohl eine ex-post Untersuchung über die Verwendung der vermittelten Kompetenzen (im Sinne einer Infragestellung) als auch die perspektivische Abfrage in der Hochschulausbildung zukünftig zu vermittelnder Kompetenzen und Inhalte.
Die empirische Analyse hat sich in vier Phasen gegliedert Zunächst erfolgte eine Exploration des Forschungsfeldes mittels zweier Sekundär- und einer Literaturanalyse. Aufbauend wurden dann in der Phase 2 Experteninterviews geführt sowie ca. 10.000 für Wirtschaftsinformatiker in Frage kommende Stellenanzeigen analysiert. Die Ergebnisse flossen in die Entwicklung eines geschlossenen Fragebogens ein, der in der Phase 3 zunächst in einem Pretest validiert wurde, um dann mit einer breiten Stichprobe von 1000 Unternehmen zur eigentlichen Analyse versendet wurde. Aus der statistischen Auswertung werden dann die Gestaltungsempfehlungen an die Wirtschaftsinformatikausbildung an Hochschulen abgeleitet. Die Massenumfrage läuft noch bis Mitte Februar, da die Rückmeldequoten bisher nicht ausreichend sind.
Als vorläufige Ergebnisse aus den Phasen ein bis drei lässt sich dennoch festhalten:
Während die Stellenanzeigen den Fokus auf fachliche Qualifikationen und Fertigkeiten legen, beschreiben die Entscheider in den Unternehmen in erster Linie überfachliche Anforderungen als wesentliche Einstellungskriterien. Hier wurden auch die größten Defizite in der Hochschulausbildung genannt: Kommunikationskompetenzen (Kunden, Kollegen, Vorgesetzte), ergebnisorientiertes und zielgerichtetes Arbeiten und Demut; fachliche Kompetenzen, wie die Beherrschung bestimmter Programmiersprachen, sind dagegen nach Meinung der Industrievertreter während der Berufslaufbahn im Unternehmen auszubauen. Allerdings hat sich bei nahezu allen Befragten gezeigt, dass die Absolventen der Wirtschaftsinformatik auch eine betriebswirtschaftliche Vertiefungsausrichtung mitbringen sollten. Die Differenzen zwischen der Schwerpunktsetzung fachlicher Qualifikationen in Stellenausschreibungen und geforderter überfachlicher Qualifikationen in Interviews entstanden nach Meinung der Befragten im Wesentlichen durch den Recruiting-Prozess der Personalabteilungen in Unternehmen: Für die Definition der Anforderungen bzgl. überfachlicher Kompetenzen wird häufig durch die Personalabteilung undifferenziert auf ein Standard-Vokabular zurückgegriffen, während fachliche Kompetenzen dezidiert und einfach durch die anfordernden Fachabteilungen in den Unternehmen beschreibbar sind.
Eine Präsentation der Ergebnisse erfolgt beim Wirtschaftsinformatik Transferforum 2013.