Nutzung

Die Nutzungsphase von Produkten sollte so gestaltet werden, dass diese möglichst lange und intensiv genutzt werden. Ebenso sollte der Ressourcenverbrauch gering sein und die Nutzung dem Stand der Technik entsprechen sowie an Innovationen adaptierbar sein. Im Folgenden werden zunächst die R-Prinzipien in der Nutzung basierend auf Kirchherr et al. [1] dargestellt und anschließend durch ein zusätzliches Konzept ergänzt:

Eigene Darstellung der R-Prinzipien in der Nutzungsphase inklusive des Prinzips Renew.
Eigene Darstellung der R-Prinzipien in der Nutzungsphase inklusive des Prinzips Renew.
Reuse

Reuse bedeutet, dass ein:e neue:r Nutzer:in ein Produkt bzw. ein Teil gemäß der Originalfunktion wieder nutzt. Als Ansatz für ein Geschäftsmodell bedeutet dies konkret, dass gebrauchte Produkte bzw. Teile unverändert an Dritte verkauft werden. Mit diesem Schritt sind maximal eine Reinigung und Tests der Funktion verbunden, nicht jedoch eine Reparatur oder Ähnliches. Es gibt bereits zahlreiche Beispiele für Reuse: Flohmärkte oder Onlineplattformen, auf denen Menschen nicht mehr genutzte Artikel verkaufen.

Repair
Etikett eines Kleidungsstückes, auf dem Repair, Recuse und Recycle steht
Einige Kleidungshersteller verfolgen bereits seit etlichen Jahren das Ziel der Circular Economy.

Repair beschreibt die Reparatur und Wartung von Produkten, die weiterhin von derselben Person im Originalzustand genutzt werden. Angewendet wird das Prinzip bei defekten Produkten, die ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Nach dem Reparieren sollte die Funktion des Produkts mindestens wieder dem Ursprungszustand entsprechen. Zusätzlich kann auch eine Optimierung stattfinden. Ein einfaches Beispiel aus dem Alltag ist die Reparatur eines Fahrrads durch den Austausch des Fahrradschlauchs oder die regelmäßige Wartung der Verschleißteile von Maschinen. Anstelle eines einfachen Schlauchwechsels kann auch eine optimierte Variante mit Pannenschutz eingesetzt werden (Upgrade). Das Prinzip Repair ist mit einem Service oder der für den / die Nutzer:in optimierten Reparierbarkeit bzw. Upgradebarkeit eines Produktes verbunden.

Refurbish

Das Prinzip Refurbish geht einen Schritt weiter als Repair und ist mit einem Nutzerwechsel verknüpft. Das zentrale Ziel ist es, nicht nur den ursprünglichen Zustand des Produktes wieder herzustellen, sondern zusätzlich Updates durchzuführen und das Produkt aufzuarbeiten. Hinsichtlich eines Geschäftsmodells bedeutet dies zusätzlichen Aufwand, sodass wieder beim gezielten Vertrieb angesetzt werden sollte. Ein Refurbish-Prozess bei technischen Produkten aus dem Alltag (Handys, Laptops, E-Bikes etc.), die ihr erstes Leben hinter sich haben, kann z.B. folgende Schritte beinhalten: Rückkauf, Säubern, Testen, ggf. Reparatur, Austausch von Teilen durch energieeffizientere, Softwareupdates und Wiederverkauf. Beispiele für die Vermarktung eines solchen Services sind die Plattformen Refurbed und Rebuy.

Remanufacture

Beim Prinzip Remanufacture werden Teile alter Produkte bei der Produktion eines neuwertigen Produkts mit derselben Funktion eingesetzt. Das neuwertige Produkt setzt sich somit aus aufgearbeiteten Teilen gebrauchter Produkte und Neuteilen zusammen. Durchgeführt wird dieser Prozess auf der Herstellerebene. Ein Beispiel aus der Industrie ist das Unternehmen ZF Friedrichshafen, das auch im Projekt CirQuality OWL involviert ist. Als Automobilzulieferer werden bei ZF beispielsweise alte Kupplungen und Getriebe aufgearbeitet, die anschließend wieder in neuen Fahrzeugen eingesetzt werden können.

Alte Solarzellen, wie sie vor (links) und nach dem Remanufacturing (rechts) aussehen.
Auf der linken Seite sind alte Farbstoffsolarzellen zu sehen. Nach dem Remanufacturing (rechts) sind die Zellen wieder leistungsfähig.
Repurpose

Bei Repurpose werden die Teile alter Produkte in ein neues Produkt mit anderer Funktion eingesetzt oder Produkte selbst in einem anderen Funktionskontext wiederverwendet. Beispiele sind die Verwendung von alten Autoairbags und -gurten für die Produktion von Taschen, wie es das Startup Airpaq umgesetzt hat, oder leere Lebensmittelgläser, die als Trinkgläser oder Vasen weiterverwendet werden.

Reuse und Renew

Bei der Betrachtung des konventionellen 9R-Frameworks nach Kirchherr et al. [1] in der Nutzungsphase wird die Unterteilung durch unterschiedliche Geschäftsmodelle geprägt. Aus der Betrachtungsperspektive des Produkts bzw. der Produktentwicklung werden jedoch mehrere Überschneidungen deutlich. Daher wird im Folgenden eine alternative Einteilung der Prinzipien in der Nutzungsphase dargestellt.

Die neue Einteilung gliedert sich in die Prinzipien Reuse und Renew. Die klassische Definition von Reuse wird hierbei übernommen. Renew fasst die weiteren nach Kirchher et al. [1] fein ausdifferenzierten R‘s zusammen und berücksichtigt die Aspekte des Ressourcenverbrauchs und der Innovation in der Nutzungszeit. Konkret beschreibt Renew, dass Produkte bzw. Teile oder Produktgruppen während der Nutzungszeit immer funktionsfähig und auf dem Stand der Technik gehalten werden. Dies bedeutet, dass insbesondere langlebige Produkte mit einem hohen Impact durch Innovationen weiterentwickelt werden. Diese Prozesse werden durch die Produktattribute Funktionsbeständigkeit bzw. Zuverlässigkeit, Reparierbarkeit und Upgradebarkeit ermöglicht. Innerhalb der Nutzungszeit können unterschiedliche Nutzungszyklen definiert werden, welche sich beispielsweise in Funktion oder Nutzer:in unterscheiden können.

Quellen

[1] Kirchherr, J.; Reike, D.; Hekkert, M. Conceptualizing the circular economy: An analysis of 114 definitions. Resources, Conservation and Recycling 2017, 127, 221–232. DOI: 10.1016/j.resconrec.2017.09.005.

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