"Titanic Times - kein Ende des Endes" - Rückblick 11.07.2003 - 16.08.2003 Vernissage: 11. Juli 2003, 19:00 Uhr Durch Rauminstallationen, Videos, Dia-Shows und Textcollagen unter dem Motto "Titanic Times" wird der Zeitgeist gesellschaftlicher Dramatik in "Szene" gesetzt. Die Ausstellung soll eine Momentaufnahme der heutigen Situation sein, ein Spiegel des "Untergangs im Kopf", des Schwindens des Realen durch die Medienbeherrschung aber auch des "ich will nicht untergehen, ich atme"....... Ausstellungsort: Culture § Economics, Galerie Frau Dr. Ulrike Rathert Bremerstr. 28, 32425 Minden Fon 0571 9424-488 Fax 0571 9424-189 |
Öffnungszeiten: Mi, Do und Fr 9:30 Uhr - 12:00 Uhr und 14:00 Uhr - 16:00 Uhr Sa 14:00 Uhr - 16:00 Uhr und nach Vereinbarung Im Rahmen meines Seminars über Ausstellungs- und Bühnenbildarchitektur an der Hochschule Bielefeld wurde mit Architekturstudenten dieses Ausstellungsprojekt entwickelt, nach dem Gedicht der "Untergang der Titanic" von Hans Magnus Enzensberger. Das poetische Werk, welches zu den Klassikern der Postmoderne gehört, gewinnt heute an Aktualität durch die "Faszination des Mythos" und vor allem durch das Verschwimmen der Grenzen zwischen Gesellschafts- und Naturprozessen im Zeichen menschengemachter Katastrophen. Bei der Ausstellung geht es um die "Mythen des Alltags", die sich um Zeichen und Ikonen - Mode, Werbung, Konsum und Medien - einer von der Wirtschaftskrise eingeschüchterten "Spaßgesellschaft" rankern. Die "Rauminszenierung" wird zum Ausdrucksmittel komplexer gesellschaftlicher Prozesse. Es wird über Wahrnehmung und Kommunikation reflektiert. Objekte in elementarer, abstrahierter Form, nahezu archaisch, stehen im Mittelpunkt, als Zeichen und Fragmente eines Seins, welches von Medien "umspült" wird. Sie sind Teile eines unsichtbaren Ganzen. Eher Bilder als Realität; Fiktion und Realität gehen ineinander über. Der Abschied vom Prinzipiellen und das Plädoyer für das Vorläufige ist in den 80er Jahren vollzogen. Heute nach der digitalen Revolution verschwimmen immer mehr die Unterschiede zwischen dem Realen und Virtuellen. Das "Ertrinken in Bildern" wird z.B durch die Installation "Titanic" vorgeführt. Runde Ausschnitte, Bullaugen, weit oberhalb der Freibordmarkierung: Wasser dringt ein. Schwerelos fliegen Gegenstände durch das Bild: ein Kinderschuh, ein Handy, Kreditkarten, eine Barbie Puppe, Wortfetzen, ein Designobjekt, kurz aufflackernde Bilder aus der Tagesschau, ein Stück Unterwäsche.... Bequem schaue ich mir das Spektakel an. Ein Monitorauge ins Leben. Und jedes Mal die gleiche Erkenntnis: es sind ja nur Bilder: ein Tatort ohne Tat. Von Außen sieht man das Schiff "Innen" versinken . Bis man begreift : Außen und Innen ist Eins. Der Untergang findet im Kopf statt. Der Untergang ist im Kopf.... Im gleichen Raum der "Frischluftspender gegen Ertrinken" soll den Eintritt in die erste Klasse, für die Traumkarriere, die Traumfigur, das Traumauto, im Zeitalter der "unbegrenzten Möglichkeiten" erleichtern. Figuren aus Drahtgeflecht: Mann, Frau, Kind und Dackel, abgeleitet nach den Grafikzeichen "Mensch" vom CAD-Programm, teilweise gefüllt mit Verpackungsmüll, stehen für den wehrlosen Konsumenten. Ihm wird das Produkt "Rückrad 2003 " aus dem Baukasten "für Beruf und Freizeit" zum Erwerb angeboten, zur Stärkung seines Durchsetzungsvermögens. Ein zwei Meter großes Bild in den kriegsfreundlichen und modischen Tarnfragen grün-, grau- und braungefleckt, verbirgt das Wort "Geborgenheit" in unmittelbarer Nähe von Sandsäcken placiert vor Fenstern und Außenwänden. Durch die Installation "Innere Sicherheit", soll sich der Besucher mit einem Text auseinandersetzen. Dieser ist durch einen Sehschlitz zu entdecken, geschrieben mit weißer Kreide auf schwarzer Wandfläche. Der "Dinner- Room": --ein Tisch, diverse Leuchten, bunte Stoffbahnen, ein Monitor, ein gigantisches Schwarzweiß Foto. Doch beim näheren Betrachten wirkt die designte Wohnlandschaft eher befremdlich. Die Tischform scheint wie aus einer zerknitterten Plastikfolie in Beton gegossen zu sein. Dabei handelt es sich tatsächlich um Betonplatten, die mit einem textilen Motiv als "Fotobeton"verarbeitet sind. Das Objekt soll durch seine "Künstlichkeit" an die fotorealistische Ästhetik der Computerdarstellung und ihre Auswirkung auf das reale Bauen aufmerksam machen. Dekorativ hängen digital bedruckte Stofftafeln von der Decke. Hier sind Szenen aus der Arbeit am Kunstwerk "Mensch OP", sprich Schönheits- operation, die zu dekorativen Motiven entfremdet worden: Eine Hommage an den immer lauter werdenden globalen Schönheitswahn, der "das Aussterben der Hässlichkeit zur puren Ideologie" erhebt. Im Hintergrund läuft "Werbung ganz natürlich" eine Dia-Show zusammengeschnitten aus originalem Bildmaterial aus der "Reality TV"- der Tagesschau. Der Besucher bewegt sich in Bilder-Welten, die neu zusammengestellt, gemischt und aufeinander abgestimmt auf ihn einwirken sollen. Eher mit "weniger Angst von der eigenen Angst" drückt sich "Titanic Times" in den Versen von Hans Magnus Enzensberger aus: ....." Der Anfang vom Ende ist immer diskret. Das war der Anfang. Hören wir endlich auf, mit dem Ende zu rechnen! Wer glaubt schon daran, dass er daran glauben muss! "..... Professorin Rouli Lecatsa, Dipl. Ing. Architektin am 21.06.03 |