Bielefeld (fhb). Welcher Hochschultyp passt besser zu mir? Die jährlich wiederkehrende Frage, die sich Mitglieder jedes Abiturjahrgangs neu stellen und mehrheitlich nur theoretisch beantworten können. "Eigentlich lieber Uni", meint der ambitionierte Wissenschaftler in spe. "Besser Fachhochschule", denkt sich die Karriere-Planerin, die im Beruf schnell Fuß fassen will.
Ob diese Faustregeln tatsächlich taugen, ist zweifelhaft. Zuverlässiger sind da schon Informationsveranstaltungen, die seriös über den Hochschulalltag und die Erwartungshaltung an der Hochschule informieren. Von 16. bis zum 20. Januar hatte die Zentrale Studienberatung (ZSB) der Fachhochschule Bielefeld genau diese Veranstaltung unter dem Titel "Duales Orientierungspraktikum" in Kooperation mit den Fachbereichen angeboten. Die dritte Veranstaltung dieser Reihe, die vom Schulministerium mitfinanziert wird. 123 Schülerinnen und Schüler aus sieben Gymnasien machten mit. Karin Laube, die für die Studienorientierungsberatung der ZSB zuständig ist: "Wir hatten viele positive Rückmeldung von Schülern, die jetzt besser einschätzen können, welche Fächer für sie infrage kommen und von welchen sie Abstand nehmen sollten."
Duales Orientierungspraktikum meint, dass sich nach dem Besuch an der Hochschule ein kurzes Praktikum in einem Betrieb anschließt. Im Idealfall ergänzen sich Ausbildungsbetrieb und Hochschulaufenthalt: Wer bei den Ingenieurwissenschaftlern zu Gast war in Vorlesungen und Seminaren, findet sich wenig später in einem produzierenden Betrieb in der Werkstatt und beim Konstruieren am Computerarbeitsplatz wieder. Prof. Dr. Jörg-Michael Keuntje, Fachhochschulbeauftragter für die 'Schnittstelle Schule und Hochschule' und einer der Initiatoren und Organisatoren der Reihe: "Wir achten darauf, dass die Schüler-Gruppen nicht zu groß werden und jeder aktiv mitmachen kann bei den Übungen in den Laboren." Die Nachfrage in Sachen "duales Orientierungspraktikum" sei groß, "wir müssen aber schauen, was seriös machbar ist", so Keuntje.
Werbung für dieses Praktikum wird so gut wie gar nicht betrieben. Die mittlerweile zahlreichen Kooperations-Schulen der FH sind direkte Ansprechpartner und melden zügig den interessierten Nachwuchs. Seitens der Fachbereiche sind die Mitmach-Rückmeldungen selbstverständlich. Gestaltung, Architektur, Bauingenieurwesen, Mathematik, Apparative Biotechnologie, Mechatronik, Automatisierungstechnik, Sozialwesen und Wirtschaft: alle waren mit dabei, zum Teil mit eigens für die Zielgruppe gesondert konzipierten Veranstaltungen.
Erstmals hatte die ZSB in diesem Jahr einen zusätzlichen Termin für eine gemeinsame Abschlussveranstaltung anberaumt, um in Kleingruppen konkrete Rückmeldungen über das Erlebte und Erfahrene zu bekommen. "Durchweg positiv, das Gesamtpaket hat Gefallen gefunden", so Karin Laube, die damit auch die Meinungen ihrer an der Veranstaltung beteiligten Kolleginnen Marion Abend und Tanja Hage und der Studentinnen Julia Kortsmeier und Catja Friedrich wiedergibt.
Die Fortsetzung des Orientierungspraktikums folgt noch in diesem Jahr, und zwar im November. Der Spätherbst-Termin passt den Fachbereichen besser: keine Prüfungszeiten, bessere Planungsbedingungen. Und das Ziel bleibt, nämlich den Hochschultyp "Fachhochschule" zu präsentieren, um die richtigen "Typen" für die akademische Ausbildung zu gewinnen.