„An Herausforderungen fehlt es nicht, es bleibt interessant“
Jubiläum: 20 Jahre Pflege und Gesundheit an der Fachhochschule Bielefeld.
Bielefeld (fhb). Ein rundes Jubiläum und genug Gründe, dieses auch im Rahmen einer Festveranstaltung am 11. November im Audimax auf dem Campus Nord zu feiern: 20 Jahre Pflege und Gesundheit an der Fachhochschule (FH) Bielefeld. Was in Lehre und Forschung entstanden ist, kann sich sehen lassen, national wie international. Aber auch dies gilt: „An Herausforderungen fehlt es nicht, es bleibt interessant“, so Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff in ihrem Rückblick vor rund zweihundert geladenen Gästen.
Sie war 1995 auf die neue Professur für Pflegepädagogik berufen worden. Im September 1996 startet mit dem Diplomstudiengang Pflegepädagogik die Lehreinheit Pflege und Gesundheit. 27 Studierende schrieben sich ein, im laufenden Wintersemester sind es 562 in der gesamten Lehreinheit.
Mit der Pflegepädagogik begann an der FH die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern an beruflichen Schulen. Im Jahr 2000 wurde das Studienprogramm um den Diplomstudiengang „Lehrerin/Lehrer für Gesundheitsberufe“ ergänzt, inhaltlich ging es hier um die Qualifizierung für pädagogische Aufgaben in der Aus-, Fort- und Weiterbildung in diagnostischen und therapeutischen Gesundheitsberufen, eine entsprechende Berufsausbildung wurde bei der Einschreibung vorausgesetzt. 2003 wurden die beiden Studiengänge, „die große Gemeinsamkeiten aufwiesen“ (Rennen-Allhoff), zusammengeführt.
Mit der Umstellung der Studiengänge vom Diplom zu Bachelor- und Masterabschlüssen gab es im Lehrgebiet weitere Neuerungen: Die Bachelorstudiengänge „Berufliche Bildung Pflege“ und „Berufliche Bildung Therapie“ sprachen nun gezielt den Nachwuchs an, der sich entweder für die Pflege oder die Therapie entschieden hat. „Die Qualifikationsziele waren ähnlich wie im vorhergehenden Diplomstudiengang, allerdings sollte der Bachelor nicht unmittelbar für eine Tätigkeit als Lehrerin oder Lehrer qualifizieren, sondern hier auf den entsprechenden Masterstudiengang vorbereiten“, so Rennen-Allhoff. Und der heißt seit 2013 „Berufspädagogik Pflege und Therapie“.
Abgerundet wird das Studienangebot der Lehreinheit mit dem dualen Bachelorstudiengang „Gesundheits- und Krankenpflege“, der in Bielefeld und in Minden in Kooperation mit Ausbildungspartnern des Gesundheitsbereichs angeboten wird und mit einer beruflichen und einer akademischen Qualifizierung abschließt. Rennen-Allhoff: „Bevor der Studiengang eingerichtet wurde, haben wir unseren Kooperationspartnern das Versprechen abgenommen, adäquate Stellen für die künftigen Absolventen zu schaffen. Hier sind die Dinge noch in Bewegung.“
Alles in allem waren die ersten 20 Jahre geprägt von Innovationen, vom Wandel und von der Bereitschaft, das eigene Tun zu überprüfen, zu evaluieren und zu verbessern. Professorin Rennen-Allhoff: „Die Bereitschaft zu lernen musste von allen Mitgliedern des Bereichs Pflege und Gesundheit mitgebracht werden. Immer wieder wurde Neuland betreten.“ Sie zitierte eine Studentin: „Die Studierenden der ersten Jahre fühlten sich einerseits als Versuchskaninchen, sahen es aber auch als Chance, an der Entwicklung mitwirken zu können.“
Erfolgreich geforscht wird in der Lehreinheit, seitdem es die Studienprogramme gibt. Es gehört zum Selbstverständnis, dass Lehre und Forschung eine Einheit bilden. Thematisch dominieren Forschungsprojekte, in denen es um Qualifizierungsprogramme und deren Evaluation geht. Breiten Raum nehmen die Entwicklung von Konzepten, Qualifikationsrahmen, Curricula, Modulen, Verfahren der Kompetenzmessung und von Anrechnungsmethoden ein. Unter anderem wurden mehrere EU-Projekte mit internationalen Partnern zur Modularisierung der Pflege, zum E-Learning, zu lebenslangem Lernen und zu Interprofessionalität in den Gesundheitsfachberufen durchgeführt. Hauptakteurinnen waren hier die Professorinnen Dr. Barbara Knigge-Demal und Dr. Annette Nauerth. Aktuell wird von den Professorinnen Dr. Beate Klemme, Dr. Ulrike Weyland und Dr. Marisa Kaufhold gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas Kordisch vom Fachberiech Ingenieurwissenschaftem und Mathematik der FH Bielefeld im Projekt Humantec an der Entwicklung und Etablierung von innovativen Studiengangskonzepten an der Schnittstelle Mensch und Technik gearbeitet. Rennen-Allhoff im Rückblick: „Der Bereich Pflege und Gesundheit entwickelte sich zu einem der drittmittelstärksten Bereiche der Fachhochschule.“
Weitere „Leuchttürme“ im Forschungssektor: die Einwerbung der Kompetenzplattform „Kompetenzentwicklung im Gesundheits- und Sozialbereich“. Aus ihr ging 2012 – nach erfolgreicher Evaluation – das „Institut für Bildungs- und Versorgungsforschung im Gesundheitsbereich - InBVG“ hervor, das erste auf Forschung ausgerichtete Institut der FH Bielefeld. Letztendlich war das anerkannt wissenschaftliche Schaffen des Instituts ein gewichtiges Argument, um bei der landesweiten Ausschreibung von kooperativen Forschungskollegs erfolgreich sein zu können: Gemeinsam mit der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld wurde Anfang 2013 ein Graduiertenkolleg gegründet, der „Forschungsverbund NuV –Nutzerorientierte Versorgung bei chronischer Krankheit und Pflegebedürftigkeit“. Es dient der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, hier können FH-Absolventinnen promovieren.
Prof. Dr. Uwe Rössler, der Dekan des Fachbereichs Wirtschaft und Gesundheit, hob anlässlich des Jubiläums im Audimax hervor: „Die Akademisierung der Pflege bedeutet für uns auch die Vernetzung mit Praxispartnern und anderen Hochschulen, die sich neu gründen oder neue Pflegestudiengänge ins Programm aufnehmen.“ Der Aufbau dieses Netzwerkes vollziehe sich eher im Hintergrund, sei aber für eine lebendige Scientific Community und damit für ein zukunftsträchtiges Lehr- und Forschungsfeld unerlässlich.
Prof. Dr. Ulrich Schäfermeier, Vizepräsident für Lehre und Studium, gratulierte namens des Präsidiums: „Sie waren in den 20 Jahren immer einer der Leuchttürme in Lehre und Forschung. Alle Kolleginnen und Kollegen können stolz auf das Erreichte sein.“