19.12.2011

1.200 Gebäude gelangen übersichtlich ins Internet

Zwei Erasmus-Studentinnen des Izmir Institutes of Technology zu Gast auf dem Campus Minden

Minden (fhb). Entstanden sind eine 3-D-Animation, Computergrafiken und Videoclips über die Stadt Gussev: virtuelle Realität fürs Internet, Abbilder eines realen Modells von rund 6,3 Quadratmeter Grundfläche und mit 1.200 Gebäuden. Die Rekonstruktion war zeitaufwändig und technisch höchst anspruchsvoll. Suna Büyükkilic (25) und Funda Uygun (25) zeichnen als Autorinnen verantwortlich. Beide sind als Erasmus-Austauschstudierende im Wintersemester an der Fachhochschule Bielefeld auf dem Campus Minden eingeschrieben. Als Vorbereitung auf ihre Master-Arbeiten absolvieren beide den Master-Kurs ‚Applied Architectural Photogrammetry‘, den Prof. Dr.-Ing. Günter Pomaska vom Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen anbietet. Jetzt wurden auf dem Campus Minden die Ergebnisse präsentiert. „Eindrucksvoll“, so Professor Pomaska, „stimmig und informativ“.   

Die beiden jungen Frauen sind Erasmus-Studentinnen, sie schlossen den Studiengang Architektur mit dem Bachelor-Diplom an der türkischen Dokuz Eylül University ab und wechselten dann ans Izmir Institute für Technology in den Masterstudiengang Architectural Restoration. Mit diesem Institut besteht schon seit einigen Jahren zwischen den Hochschullehrern Ass. Prof. Dr. Mine Hamamciouglu-Turan und Pomaska, der das Labor für visuelle und virtuelle Realität leitet, eine intensive Partnerschaft in Wissenschaft und Lehre.

Die jetzt entstandenen Internet-Animationen sind jüngster Beleg dafür, dass das Erasmus-Programm als Teil des EU-Programms für ‚Lebenslanges Lernen‘ tatsächlich gut funktioniert. An dem Programm nehmen die 27 EU-Mitgliedsstaaten und sechs weitere europäische Länder teil. Pomaska: „Zu den zentralen Bestandteilen des Programms gehören die finanzielle Unterstützung von Austauschstudierenden und die Anerkennung der auswärtigen Studienleistungen.“ Zu den zentralen Bestandteilen seines Master-Kurses zählt er im Wesentlichen Bildmessverfahren zur Dokumentation von Kulturgütern (Photogrammetrie und Computer Vision) sowie CAD-Technologien der Modellierung von Bauwerksdaten und Internetpublikation. Die Leistungen der beiden Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen mit ihrem ‚Stadtprojekt‘ haben den Hochschullehrer  begeistert: „Ihre Masterarbeit werden sie zum Thema 3D-Objektrekonstruktion von Kulturdenkmalen vorlegen. Ich bin sicher, es wird eine hervorragende Arbeit werden.“ 

Gussev, in Russland gelegen, hieß früher Gumbinnen, als es zu Ostpreußen gehörte, 28.000 Einwohner leben in der Stadt, zum Grenzübergang nach Litauen sind es 37 Kilometer, außerdem führt eine direkte Straßenverbindung über 38 Kilometer zu einem Grenzübergang nach Polen. Die Stadt Bielefeld unterhält eine Patenschaft mit Gussev, entstanden nach dem II. Weltkrieg, als viele Vertriebene aus Ostpreußen am Teuto eine neue Heimat fanden. Im Mai 1954 verpflichtete sich die Stadt Bielefeld in einer Patenschaftsurkunde, den Heimatvertriebenen des Kreises Gumbinnen eine Stätte zu bieten, „an der sie das Andenken an ihre verlorene Heimat lebendig erhalten” können.

Im Stadtarchiv in der Bielefelder Rohrteichstraße befindet sich das Stadtmodell, das im Jahre 1967 auf Beschluss der Vertretung der Gumbinnener Vertriebenen nach Vorgabe eines amtlichen Stadtplanes, Maßstab 1:5000, angefertigt wurde und das jetzt Ausgangspunkt für die „Dreharbeiten“ der Studentinnen war. „Die Kreisgemeinschaft Gumbinnen möchte das Modell und weitere Exponate nach Gussev zum dortigen Aufbau eines Museums übergeben“, so Pomaska. Deshalb jetzt die Dokumentation fürs Internet, insgesamt ein Kooperations-Projekt der Partner Kreisgemeinschaft Gumbinnen, Fachhochschule Bielefeld, Izmir Institute of Technology und der russischen State University Vologda. Pomaska: „Unsere viersprachige Webseite wird zunächst die Internetpräsenz sein.“

„Ohne die engagierte Mitarbeit von Suna Büyükkilic und Funda Uygun wäre das digitale Modell nicht kurzfristig in der vorgelegten Vollständigkeit entstanden“, fasste Professor Pomaska zusammen. Trotz der vielen Stunden am Rechnerarbeitsplatz sei aber noch Zeit übrig geblieben für eine aktive Teilnahme mit eigenen Vorträgen am International CIPA-Symposium in Prag, der Beteiligung am Worldwide-Photo-Walk in Braunschweig und kulturellen Aktivitäten, wie dem Besuch der Pergamon Ausstellung und dem Panorama der antiken Metropole in Berlin.

Vom Auslandssemester haben beide profitiert. Suna Büyükkilics Perspektive: „Nach erfolgreichem Abschluss des Masterstudiums habe ich die Möglichkeit zu promovieren, und dann könnte ich eine eigene Lehrtätigkeit aufnehmen.“

Der Campus Minden als Zwischenstation einer internationalen Hochschulkarriere. Das klingt gut.

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