Bielefeld (fhb). 107.200 Euro aus dem NRW-Strukturfonds zur Gleichstellung und damit landesweit unter den Fachhochschulen mit weitem Abstand die Nummer 1. Zudem in der jüngsten Veröffentlichung des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften unter dem Titel „Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten 2011“ als einzige NRW-Fachhochschule in der Spitzengruppe: die Fachhochschule Bielefeld hat sich zu einem Ort gelebter und erfolgreicher Gleichstellung entwickelt. FH-Präsidentin Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff heute in einem Pressegespräch: „Wir meinen es ernst mit der Gleichstellung, und das gilt für alle Bereiche der Hochschule.“
Ob bei den Studierenden, den wissenschaftlichen oder nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitenden oder in der Professorenschaft: die Zahl der Frauen wächst. Das wird belohnt, deshalb die Zuweisungen aus dem Strukturfonds. Und dieses Geld wird selbstverständlich zur Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses verwendet.
Das Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften hat mit Zahlen aus dem Jahr 2009 errechnet, dass der Frauenanteil in der Professorenschaft bei 28,8 % von 170 besetzten Stellen liegt (Vergleichszahl 1989: 6 %). 36,2 % der 309 wissenschaftlichen Mitarbeitenden sind Frauen (Vergleichszahl 1995: 10 %) und in der Studierendenschaft liegt der entsprechende Wert bei 39,5 % (Vergleichszahl 1989: 29 %). Hildegard Schumacher-Grub, Gleichstellungsbeauftragte für die FH Bielefeld: „Die Umsetzung des Gleichstellungsgedankens ist für unsere Hochschule seit Jahren integraler Bestandteil der Politik.“
Noch allerdings fallen deutliche Unterschiede in den einzelnen Disziplinen auf. So liegt der Frauenanteil unter den Lehrenden im Sozialwesen bei 63 %, am Fachbereich Gestaltung bei 45 % und am Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit bei knapp über 46 %. In den Ingenieurwissenschaften, einschließlich der Mathematik, und im Bereich Architektur und Bauingenieurwesen sind die Männer weiterhin mit fast 85 % unter sich. Doch auch hier tut sich etwas. Präsidentin Rennen-Allhoff. „Im Ingenieurbereich haben wir in jüngster Vergangenheit deutlich mehr Frauen für uns gewinnen können.“
In ihrem Hochschulentwicklungsplan 2010 bis 2012 zum Thema Gleichstellung hält die FH unter anderem diese Bausteine fest: Kooperation mit dem An-Institut Technik – Diversity – Chancengleichheit, regelmäßige Beteiligung am Girls‘ Day, Unternehmenspatenschaften für Studentinnen ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge, jährlicher Energietag für Schülerinnen und Schüler mit geschlechtsdifferenziertem Programm, Fortführung des ausgelaufenen Lehrbeauftragtenprogramms des Landes zur Förderung der Teilhabe von Frauen an Fachhochschul-Professuren in eigener Regie und Förderung von zwei Doktorandinnen in MINT-Fächern. Ein umfangreicher Katalog, der kontinuierlich abgearbeitet wird.
Gleichstellungspolitik mache sich auch da bemerkbar, wo es um die Zusammensetzung der Gremien geht, so Prof. Rennen-Allhoff: „Unser Hochschulrat ist je zur Hälfte mit Männern und Frauen besetzt.“ Auch dies führt die Präsidentin an: „Gleichstellung lebt von der direkten Ansprache.“ Frauen sollten wissen, dass sie bei gleicher Qualifikation die gleichen Chancen haben wie ihre männlichen Mitbewerber. Das muss kommuniziert werden, meint auch die Gleichstellungsbeauftragte. Schumacher-Grub: „Wir können mit gutem Gewissen auffordern, an unsere Hochschule zu kommen, denn wir achten sehr auf Familienfreundlichkeit.“
Die Kindertagesstätte der FH ist hierfür ein Beleg, und auch der Hinweis an junge Mütter, die etwa im Verbundstudium aktiv werden wollen, gilt als Aufforderung: der Nachwuchs wird am Wochenende betreut, wenn die Mutter studiert. Ein anderer Beleg ist die gleitende Arbeitszeit, die Familien- und Berufsleben freundlicher koppelt. Prof. Rennen-Allhoff: „Wir haben die Chance, uns flexibel zu zeigen und mehr zu machen, als dies in der freien Wirtschaft möglich und gängig ist.“
Mit Erfolg, wie das Ranking und die Mittelzuweisung aus Düsseldorf dokumentieren.