12.12.2013

Alles unter einem Dach mit Erasmus+

Neues EU-Bildungsprogramm verabschiedet. Erasmus-Koordinatorinnen aus NRW tauschen sich an FH Bielefeld aus.

Bielefeld (fhb). Am 1. Januar 2014 geht "Erasmus+" an den Start. Wer als Student oder Absolvent eine Zeit im Ausland verbringen möchte, kann sich zukünftig von dem neuen EU-Bildungsprogramm fördern lassen. Anfang Dezember hat der Rat der Europäischen Union seine Zustimmung zu Erasmus+ gegeben. Es löst die bestehenden Lifelong-Learning Programme Grundvig, Erasmus, Leonardo, Comenius und Jugend in Aktion ab und vereinigt sie alle unter einem Dach. Bis 2020 können so mehr als vier Millionen Menschen mit Auslandsstipendien unterstützt werden - fast doppelt so viele wie bisher. Dafür stehen 14,8 Milliarden Euro bereit. Um sich über die bevorstehenden Veränderungen auszutauschen, haben sich am vergangenen Montag 18 Erasmus-Koordinatorinnen von elf Hochschulen aus NRW an der Fachhochschule Bielefeld getroffen. Barbara Lawatzki vom Akademischen Auslandsamt der FH und Erasmus-Expertin für den Deutschen Akademischen Austauschdienst hatte zu diesem Treffen eingeladen.

Erasmus+ ist das neue EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport. Es deckt alle Bereiche der Bildung ab und stellt zum ersten Mal auch EU-Mittel für den Sport bereit. Wie bei den Vorgängern ist es das Ziel, dass junge Menschen und Erwachsene an europäischen Hochschulen und Unternehmen Erfahrungen machen können. Sich beruflich zu qualifizieren und Kompetenzen auf internationaler Ebene aufzubauen, steht dabei im Vordergrund. Allerdings ist Erasmus+ ehrgeiziger und stärker strategisch ausgerichtet. "Dadurch, dass es nur ein einziges Programm gibt, werden die Verfahren einfacher, trotzdem ist es recht kompliziert, die ganzen Veränderungen auf einen Blick zu überschauen", erklärt Barbara Lawatzki. Ähnlich ging es den 17 Erasmus-Koordinatorinnen. Vor allem die Änderungen in den Abkommen zwischen den teilnehmenden Einrichtungen (Inter-Institutional Agreements), in den Studienplänen und in der Finanzverwaltung hätten für einige Diskussionen unter den Koordinatorinnen gesorgt.

Neu an Erasmus+ ist, dass sich Masterstudierende leichter einen kompletten Abschluss im Ausland finanzieren können. Dafür erhalten sie in EU-Staaten ein Bankdarlehen. Das kommt vor allem Studierenden aus finanziell schwächeren Verhältnissen zugute, in deren Ländern bisher keine Stipendien oder Darlehen zur Verfügung standen. Außerdem werden sogenannte Wissensallianzen gefördert. Hochschulen und Unternehmen sollen Partnerschaften eingehen und zusammen branchenspezifische Lehrpläne und innovative Formen der beruflichen Lehre erarbeiten.

Wer als Studierender schon vor dem Auslandsaufenthalt seine Sprachkenntnisse verbessert, hat mit Erasmus+ Chancen auf mehr Unterstützung. Außerdem wird die Höhe der Stipendien stärker auf die Bedürfnisse im Zielland zugeschnitten. Je nach Lebenshaltungskosten, Art des Aufenthalts (Studium oder Praktikum) und privatem finanziellem Hintergrund, wird die Förderung dementsprechend aufgestockt. Weiterer Pluspunkt: Studierende können jetzt mehr als ein Mal bei Erasmus+ mitmachen. Bis zu zwölf Monate stehen jedem Studierenden zu, sowohl im Bachelor als auch im Master. Dabei spielt es keine Rolle, ob studiert wird oder ein Praktikum gemacht wird und wie lange sie jeweils im Ausland bleiben.

Die Europäische Union hat sich zu Erasmus+ entschieden, um das Bildungsprogramm dem Wandel im Arbeitsmarkt anzupassen.  "Eines der Kernziele der Strategie 2020 ist es, den Anteil junger Menschen mit Hochschulabschluss auf 40 Prozent anzuheben", heißt es in einer Pressemitteilung der Europäischen Kommission zu Erasmus+.