20.02.2013

Aus der internationalen Praxis in die Lehre

Natalie Bartholomäus wird im Rahmen des NRW-Landesprogramms für geschlechtergerechte Hochschulen gefördert.

Bielefeld (fhb). Aus den Metropolen Rom und Zürich zurück nach Ostwestfalen, zurück ins kleine Werther und in die engen Flure des Fachbereichs Wirtschaft und Gesundheit.
So könnte die Geschichte von jemandem anfangen, der sich als Erasmus-Student an die Universitäten des europäischen Auslands aufgemacht hat. Tatsächlich ist es aber die Geschichte einer jungen Frau, die nach einigen erfolgreichen Jahren im Ausland in die Heimat zurückkehrt, um den Studierenden an der Fachhochschule Bielefeld das internationale Marketing beizubringen. Selbst noch gar nicht so lange den Hörsälen entwachsen, kümmert sich Natalie Bartholomäus, von der hier die Rede ist, seit Anfang Januar unter anderem um die Studierenden am Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit und sammelt dabei weitere Lehr- und Forschungserfahrungen.

Als Lehrkraft für besondere Aufgaben ist sie eingestellt. Gefördert wird sie aus dem Landesprogramm für geschlechtergerechte Hochschulen des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW (MIWF). Mit diesem Programm sind in NRW 25 Stellen geschaffen worden, durch die qualifizierte Wissenschaftlerinnen in der Post-doc-Phase, zum Beispiel als Juniorprofessorin oder als wissenschaftliche Mitarbeiterin, auf dem Weg zur möglichen Hochschulprofessur gefördert werden. An Fachhochschulen ist das Programm als "Ergänzungsmodell" zur Komplettierung von Qualifikationsvoraussetzungen für die Laufbahn als Professorin gedacht. Insgesamt 5,4 Millionen Euro gibt das Land für dieses Programm bis 2014 aus.

Ab dem Sommersemester wird Bartholomäus zusätzlich zum "International Marketing" im Modul "Grundlagen der BWL" und im Bereich Personalmanagement lehren. Jung, sportlich, dynamisch und erfolgsmotiviert: Wo andere mit 32 Jahren gerade anfangen, die Karriereleiter heraufzuklettern, hat sie schon eine der oberen Sprossen erklommen.

Wie bei vielen anderen hat es auch bei ihr eher klassisch mit einem BWL-Studium angefangen. Dafür ging es aus dem mittelständischen Familienunternehmen in Werther an die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt. Dort machte sie das Internationale Management zu einem ihrer Schwerpunkte im Studium. Dass sie sich so für die weltweiten betriebswirtschaftlichen Geschehnisse interessiert, hat sie ihrer Meinung nach aus Werther mitgebracht. "Vielleicht liegt es daran, dass ich durch das Unternehmen meiner Eltern schon früh internationale Bekanntschaften gemacht habe", erinnert sie sich.

In Bayern also gut ausgebildet ging es für sie erst einmal weiter weg von zu Hause, ins europäische Ausland. Die schönsten Stationen seien dabei Rom und Zürich gewesen, erzählt sie. In Rom arbeitete sie als Unternehmensberaterin bei einer Bank, in Zürich bei einem Pharmakonzern. So kamen schnell acht Jahre Praxiserfahrung im internationalen Projektgeschäft zusammen, wovon sie die letzten beiden als Trainerin und Coach für Führungskräfte arbeitete.

Um die Karriereleiter noch ein wenig weiter nach oben zu klettern, entschied sie sich für ein Promotionsstudium. Weil sie gerne ihren unternehmensberatenden und managenden Schwerpunkt beibehalten wollte, ging es an die Privatuni Witten/Herdecke ans Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung. Dort konnte sie zum Thema nachhaltiger Kompetenzprofile für Führungskräfte mit empirischem Fokus auf die Ernährungswirtschaft forschen.

Vereinfacht ausgedrückt lautet mein Thema: "Was macht den Manager der Zukunft aus", erklärt die Promovendin. Sie untersuchte, wie das global-politische Zukunftskonzept der Nachhaltigen Entwicklung eine Wirkung auf die Unternehmensführung, und hier im Besonderen auf die Kompetenzprofile von Führungskräften, hat. Unternehmen zeichneten sich heutzutage nicht mehr allein durch wirtschaftliche Kenngrößen aus, sondern es müssten auch Faktoren wie soziale Verantwortung und Umweltschutz in eine Unternehmensführung mit einfließen, um nachhaltig erfolgreich zu sein.

Neben der Promotion war aber trotzdem auch ein wenig Zeit für Spaß. Als einzige Frau spielte sie in einer Herren-Fußballmannschaft in Witten/Herdecke. An der FH hat sie sich bereits der Laufgruppe "Die galoppierenden Amtsschimmel" angeschlossen, die gerade voll im Training für das nächste Finnbahnrennen ist.

Zurück zur Promotion: Die Dissertation ist abgeschlossen, die Gutachten liegen seit letzter Woche, ein Jahr nach der Abgabe, vor. In Zeiten von Plagiatsaffären nimmt man sich anscheinend deutlich mehr Zeit für eine genaue Prüfung der Arbeiten. "Ich habe den Eindruck, dass derzeitig besonders streng vorgegangen wird", merkt Bartholomäus an.

In der Zeit des Wartens ist viel passiert. Über einen Geschäftspartner kam der Kontakt über Professor Dr. Joachim Bahndorf mit der Fachhochschule Bielefeld zu Stande. Wenig später wurde der Kontakt zum Dekan des Fachbereichs Wirtschaft und Gesundheit Professor Dr. Uwe Rössler geknüpft, der von den Qualifikationen der jungen Frau überzeugt war und sie ins FH-Boot holen wollte. Also musste eine geeignete Stelle geschaffen werden. "Wir haben uns dann um das NRW-Förderprogramm für den weiblichen Nachwuchs beworben", sagt sie. Mit diesem Programm soll gezielt der Anteil von Professorinnen gesteigert und die Gleichstellung an Hochschulen im Bundesland thematisiert werden.

Mit den acht Jahren Praxiserfahrung erfüllt sie mehr als genug das geforderte Maß für Fachhochschulprofessoren. Was ihr fehlt, ist die nötige Erfahrung in der Lehre und in der angewandten Forschung. Diese holt sie jetzt erst einmal als Lehrkraft für besondere Aufgaben nach. So entfallen 14 Semesterwochenstunden auf die Lehre und vier auf Forschungsprojekte. Zusätzlich zu ihrem Lehrauftrag nimmt sie an der Forschungsarbeit von Professorin Dr. Swetlana Franken im Kontext der Gender- und Diversity-Forschung teil. Ob sich in drei Jahren - nach Ablauf des Landesprogramms - tatsächlich eine richtige Professur anschließt, ist noch offen.

Fakt ist, dass sie erst einmal zurück im heimischen Ostwestfalen ist. Das macht Natalie Bartholomäus aber nichts aus, im Gegenteil. "Bielefeld hat sich in den letzten Jahren doch sehr gemacht", findet sie und freut sich, dass sie sich jetzt wieder verstärkt um ihr soziales Projekt kümmern kann. Als Mitbegründerin des" Wertheraner Kinderfonds" setzt sie sich mit anderen engagierten Bürgerinnen und Bürgern für die Förderung bedürftiger Kinder in Werther ein. Mit Aktionen und Spenden unterstützt der Verein die Entwicklung der Kinder in den Bereichen Sport, Kreativität und - natürlich - Bildung.

Beruflich und privat steht die Bildung für Natalie Bartholomäus also  weit oben. Deshalb dürften sich die Studierenden freuen, von der "Neuen" am Fachbereich ab März unterrichtet zu werden.