08.12.2015

Der Glaube an sich selbst ist entscheidend

Akademiker berichten, wie sie es trotz ihrer Herkunft als Arbeiterkinder geschafft haben, alle Hochschul-Hürden zu meistern.

Bielefeld (fhb). Am Montag, 7. Dezember 2015, berichteten vor rund 50 Zuhörern die drei Professoren der Fachhochschule (FH) Bielefeld, Dr. Irene Müller, Dr. Andrea Ehrmann und Dr. Riza Öztürk, sowie Cara Coenen von der Stiftung "ArbeiterKind" von ihren Lebenswegen. Alle vier kommen aus einfachen Verhältnissen und haben den Bildungsaufstieg geschafft. Rund 15 Prozent aller Studierenden sind Arbeiterkinder oder studieren als erste in der Familie, an Fachhochschulen sind es sogar 20 Prozent. "Eine relativ kleine Gruppe, besonders, da die Noten genauso gut sind wie die von Akademikerkinder", sagte Dr. Marita Ripke, Leiterin der Zentralen Studienberatung der FH Bielefeld und Moderatorin der Veranstaltung.

Eins haben alle Geschichten gemeinsam: Es gab jemanden, der an die Arbeiterkinder geglaubt hat - seien es Eltern, Nachbarn, Lehrende oder Kommilitonen. Aber auch an sich selbst zu glauben und Ängste zu überwinden, sei wichtig für den Bildungsaufstieg. "In der ersten Woche an der Universität habe ich ein Referat gehört und kein Wort verstanden. Bis zum Ende des Semesters dachte ich: Bald schicken sie mich wieder nach Hause", sagte Müller schmunzelnd.  

Prof. Dr. Riza Öztürk, geboren in der Türkei, kam mit acht Monaten nach Deutschland. Da er nicht im Kindergarten gewesen war, sprach er bei der Einschulung nur ein paar Sätze Deutsch. "Deutsch allein in der Schule zu lernen war fast nicht möglich", berichtete der heutige Professor für Betriebswirtschaftslehre. Er habe Deutsch schließlich beim Fußballspielen im Verein gelernt und unterstrich, wie wichtig Sprache für die Bildung ist. "Sprache ist der Schlüssel zum Bildungsbereich - auch für Deutsche", fasste Dr. Marita Ripke zusammen.

Ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz bräuchten Arbeiterkinder allerdings auch für den Bildungserfolg, fand Prof. Irene Müller. Dabei war ihr aber eins wichtig: "Ich habe 15 Jahre auf dem zweiten Bildungsweg mit einer Vollzeitstelle durchgehalten und es geschafft, aber meinen Weg empfehle ich niemandem. Beschaffen Sie sich Unterstützung, wo immer es geht", so Müller. Unterstützung kiefern die Zentrale Studienberatung der FH Bielefeld, aber auch die Stiftung "ArbeiterKind". Diese gemeinnützige Initiative ermutigt junge Menschen aus Familien, in denen noch niemand studiert hat, zum Studium und unterstützt sie vom Studieneinstieg bis zum erfolgreichen Studienabschluss.