Ein doppeltes Ja zur deutsch-polnischen Freundschaft
Unter dem Titel "TAK! TAK!" stellen die Kunsthalle und die FH Bielefeld fotografische und filmische Arbeiten von Studierenden aus Bielefeld und Rzeszów aus.
Bielefeld (fhb). Bielefeld - ein Ort der Farben mit orientalischem Flair. So sehen es zumindest die polnischen Studentinnen Katarzyna Lach und Katarzyna Bobiec. Ihre Eindrücke zeigen sie in Fotografien, die Teil eines deutsch-polnischen Kunstprojekts sind. Studierende des Fachbereichs Gestaltung der Fachhochschule (FH) Bielefeld und der Kunstfakultät der Universität Rzeszów besuchten dafür jeweils für zwei Wochen die Heimat der ausländischen Kommilitonen. Resultat der Stadterkundungen sind fotografische und filmische Arbeiten. Sie sind unter dem Titel "TAK! TAK!" ("Ja! Ja!") in der Kunsthalle Bielefeld und am Fachbereich Gestaltung in der Lampingstraße 3 zu sehen. Gestern wurde die Ausstellung mit einer Vernissage in der Kunsthalle eröffnet.
"Der Blick von außen auf das vermeintlich Vertraute ist sehr spannend und stellt eine echte Bereicherung dar", sagte Dr. Anna Zika, Professorin für Gestaltung an der FH Bielefeld. Überrascht war sie davon, dass sich an beiden Orten ähnliche Themen herauskristallisierten. "Das könnte eine Folge der Globalisierung sein. Junge Menschen beschäftigen, egal wo sie leben, die gleichen Fragen, eben weil sie jung sind."
Die deutschen Arbeiten zeigen Porträts und spiegeln die räumliche Situation in Rzeszów wider. So fotografierte Stefan Brückner die für ehemals sozialistische Staaten typische Platten-Architektur, und Stefan Törmer erkundete das Innere dieser Bauten, indem er die einzelnen Zimmer eines Studentenwohnheims ablichtete. Beeindruckt von Stadtbild und Menschen war beim Besuch der deutschen Gruppe im Oktober 2011 auch Fotografie-Student Heinrich Holtgreve. Seine Bilder zeigen Kirchen-Neubauten in futuristischem Stil, die im Kontrast zu traditionellen Formen religiösen Alltags stehen. "In Polen sind 90 Prozent der Bevölkerung katholisch. Ich wollte sehen, wie sich das im Stadtbild niederschlägt."
Als Stresstest entpuppte sich das Projekt für die polnischen Studierenden. Sie kamen vor zwei Wochen nach Bielefeld und mussten ihre Arbeiten für die Ausstellung in dieser kurzen Zeit fertigstellen. 14 Tage, um Themen zu planen, Fotos zu machen, eine Auswahl zusammenzustellen und Bilder zu bearbeiten. Keine leichte Situation, wie Krzysztof Pisarek, Dozent für Fotografie an der Universität Rzeszów, zu berichten wusste: "Viele waren das erste Mal für längere Zeit im Ausland, um in einem internationalen Rahmen zu arbeiten. Die neue Umgebung und der Zeitdruck waren eine Herausforderung." Um alles noch pünktlich fertigzustellen und an der Ausstellungseröffnung teilnehmen zu können, verlängerte die Gruppe kurzerhand ihren Deutschlandbesuch. Genauso spontan nahmen die Bielefelder ihre polnischen Kommilitonen bei sich zu Hause auf. "Der Zusammenhalt in der Gruppe war wirklich toll", sagte Krzysztof Pisarek.
Die Kunstausstellung ist Teil des Kulturaustausch-Jahres zwischen NRW und Polen, das mit dem zwanzigjährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Bielefeld und Rzeszów zusammenfällt. Die Kunsthalle zeigt bis zum 13. Mai die Titelbilder der studentischen Arbeiten. Die kompletten Serien sind bis zum 15. Mai in der Lampingstraße zu sehen. Dort findet am letzten Ausstellungstag um 18 Uhr eine Finissage statt. Ab Herbst 2012 werden die Werke dann im Kunstgymnasium in Rzeszów ausgestellt.