16.01.2014

„Entscheidend war für mich, dass die Hochschule eine Kita hat“

5. Workshop der Reihe "Wissenschaft hat viele Gesichter" mit dem Thema "Geschlecht - Vereinbarkeit" / Ministerin Schulze lobt FH Bielefeld für ihr Gleichstellungskonzept.

Bielefeld (fhb). Zum Workshop "Geschlecht - Vereinbarkeit" hatte das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium am vergangenen Montag an die Universität Bielefeld eingeladen. Wissenschaftsministerin Svenja Schulze eröffnete die Veranstaltung vor rund 100 Gästen und verwies auf die "vorbildlichen Konzepte der Fachhochschule und der Universität Bielefeld" bei der Umsetzung der Gleichberechtigung am Arbeitsplatz und der Vereinbarkeit von Studium und Beruf sowie familiengerechter Studien- und Arbeitsbedingungen. Die FH Bielefeld sei für diesen Workshop vom Ministerium als Hochschulpartnerin unter anderem auch deshalb ausgewählt worden, so Schulze, weil sie mit ihrem Konzept für Geschlechtergerechtigkeit im Jahre 2009 mit dem Gender-Preis ausgezeichnet wurde.

Der Workshop "Geschlecht - Vereinbarkeit" war der fünfte in der Reihe "Wissenschaft hat viele Gesichter" des NRW-Wissenschaftsministeriums, eine Reihe, die bereits 2012 gestartet wurde. Ministerin Schulze in Bielefeld: "Wir brauchen einen Mentalitätswandel an unseren Hochschulen, der Begriff Familie muss positiv besetzt werden." Es sollten Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Frauen und Männer gleichberechtigt ihre Karrieren im Wissenschaftsbetrieb angehen können.

Der Gender-Preis war der FH Bielefeld 2009 zuerkannt worden wegen bereits erzielter Fortschritte im Bereich der Gleichstellung und für Konzepte zur Verbesserung der Karrierechancen für Frauen. Dazu gehören beispielsweise Modelle zur Vereinbarung von Familie und Beruf, Mentoren-Angebote oder spezielle Stipendienprogramme für Studentinnen und Doktorandinnen. Das Konzept der FH Bielefeld zeichne sich, so die damalige Begründung der Auszeichnung, durch seine Geschlossenheit aus und fördere Frauen insbesondere in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Hinzu komme die gezielte Werbung von Frauen für Professuren. Dass die FH Bielefeld seit geraumer Zeit das Label "Familiengerechte Hochschule" tragen darf, ist gleichfalls Ausdruck konkreter Gender-Aktivitäten, zu denen unter anderem eine zentrale Dienstvereinbarung zur Gleitzeit, die erweiterten Möglichkeiten zum Teilzeit- und Verbundstudium, die Schulferienbetreuung und der Ausbau der Kitaplätze an den Standorten in Bielefeld und Minden zählen. Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff, die Präsidentin der FH Bielefeld, schränkte allerdings bei ihrer Begrüßung der Workshop-Teilnehmer ein: "Es gibt Lücken bei uns. Wir haben zum Beispiel keine Dekaninnen, und im Senat sind die Frauen deutlich unterrepräsentiert. Wir haben zwar viel erreicht, aber das kann nur der Ausgangspunkt sein, um weiter zu gehen."

Eigentlich, so die Präsidentin als Teilnehmerin einer längeren Podiumsdiskussion, sei der Professoren-Beruf "ideal, um Beruf und Familie zu verbinden". Mit dem Berufsbild der Professorin könne die Hochschule werbewirksam, beispielsweise auf Messen, punkten: Sich eigene Ziele setzen und umsetzen, mit jungen Leuten arbeiten, familienfreundliche Gleitzeit nutzen, all das seien Argumente für den Wissenschaftsbetrieb und gegen ein zeitaufreibendes Engagement in der Industrie.

Prof. Dr. Eva Schwenzfeier-Hellkamp vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik hat diesen Schritt ganz bewusst getan und sich für eine Professur an der FH Bielefeld entschieden. "Entscheidend war für mich, dass die Hochschule eine Kita hat und dass die Vorlesungs- und Seminarzeiten relativ flexibel sind", so die Elektrotechnikerin, die dem Auditorium Einblicke in eine Frauen-Karriere an der Hochschule gab.     

Doch solche beruflichen Karrieren sind nach wie vor selten im Vergleich mit den männlichen Kollegen. Zwar steigt die Zahl der Studentinnen und die der Doktorandinnen stetig. Die Zahl festangestellter Frauen in der Wissenschaft kann damit aber nicht mithalten. "Viele Frauen verlassen die Hochschullaufbahn, Männer hingegen verfolgen unbeirrt den wissenschaftlichen Karriereweg", kritisiert das Ministerium in einer Ankündigung zum Workshop. Hier Lösungen zu finden, die die Geschlechter gleichermaßen und gleichberechtigt mit Perspektive voranbringen, scheint übrigens ein speziell deutsches Problem zu sein. Prof. Dr. Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld, jedenfalls hielt fest: "Wir stehen im internationalen Vergleich ziemlich miserabel da, wenn es um Familienfreundlichkeit und berufliche Karrieren von Frauen geht." In Frankreich oder in Großbritannien sei man da schon viel weiter. Sagerer: "Wir müssen dafür sorgen, dass das Thema Frauen im Wissenschaftssystem auf der Tagesordnung steht und mit Nachdruck angegangen wird."              

Der Workshop "Geschlecht - Vereinbarkeit" lud nachmittags zu drei  Arbeitsgruppen ein, in denen es um Rollenbilder, familiäre Verantwortung und Karrieren an der Hochschule ging. Die Ergebnisse dieses wie auch der anderen Diversity-Workshops werden auf der Abschlussveranstaltung im Juni in Düsseldorf präsentiert.    

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