07.07.2011

„Es war wie ein Flirt, bei dem man mehr will“

Wirtschaftspsychologie-Studentin Tanja Danelski entdeckt die USA und plant nach dem Studium international.

Bielefeld / Michigan (fhb). „Mit dem Hintergedanken an einen Auslandsaufenthalt habe ich das Studium an der Fachhochschule Bielefeld aufgenommen. Zu meinem Glück hatte der Fachbereich Wirtschaft Kontakt zu mehreren Universitäten in den Staaten.“ Die Northern Michigan University sollte es dann werden, wo Tanja Danelski beste Studienbedingungen vorfand und fernab der Heimat „deutsche Tugenden“ kennenlernen sollte.   

Danelski war eine der ersten, die sich zum Wintersemester 2008 in den neuen Studiengang Wirtschaftspsychologie einschrieb. Im kommenden September wird sie zum Kreis der Erst-Absolventen zählen. Vier Semester in Bielefeld und zwei in Michigan hat sie bislang im Studien-Gepäck. „Eine Wunschkombination“, so Danelski, die ergänzt: „Als angehende Wirtschaftspsychologin wurde ich in der Fachhochschule sehr gut ausgebildet. Der Grundstein, der hier gelegt wurde, hat mir in den Staaten nur Vorteile gebracht.“

Vor zehn Jahren war sie zum ersten Mal in den USA. Damals lediglich für drei Monate, doch Zeit genug, um Fernweh zu schnuppern und anschließend testen zu wollen, ob sie und die Staaten wirklich  „harmonieren“. Tanja Danelski: „Es war wie ein Flirt, bei dem man mehr will, aber nicht weiß, wie es sich entwickelt - ob daraus mehr wird oder ob sich der Flirt nicht doch als Flop entlarvt.“ Um im Bild zu bleiben: Es wurde eine feste Beziehung. 

Den Anfang machte der Fachbereich. Danelski lernte eine Professorin der Northern Michigan University kennen, die in Bielefeld gerade als Gastdozentin unterrichtete. Sie begeisterte die Studentin für Module ihrer Heimat-Hochschule, wie zum Beispiel Event Planning und Event Managing. Module mit hohen Praxisanteilen. Danelski: „Meine Recherchen zeigten eine gute Kompatibilität von Wirtschaftspsychologie und dem Programm des Business Colleges, und so bewarb ich mich.“

Ihr Psychologiewissen sei ihr jenseits des Atlantiks „sehr zugute gekommen“. Das „systemische Denken“ habe so häufig Anwendung gefunden, „dass ich mir kaum vorstellen konnte, jemals anders gedacht zu haben“. Die Staaten, so ihr Befund,  seien ein sehr kompliziertes System, ähnlich kompakt wie das deutsche: „Alles ist eng verbunden, und daher kann man einzelne Elemente nur dann miteinander vergleichen, wenn man stets den Gesamtzusammenhang  berücksichtigt.“

Ein weiterer Befund: „Bleibt man länger in einem Land, relativieren sich die Unterschiede.“ Es seien nicht die Kulturen allgemein oder eine bestimmte Kultur, die man mag, sondern: „Es sind die Menschen mit bestimmten Eigenschaften, die ich mag. Und diese interessanten Menschen habe ich in Deutschland, Indien, Russland und den USA gefunden.“

Umgeben von Amerikanern habe sie sich selbst besser kennengelernt und feststellen müssen, dass einige Eigenschaften, die sie für typisch deutsch hielt, „bloß typisch für mich waren“. Andere wiederum, die sie sich selbst zugeschrieben habe, „waren deutsche Tugenden, die mit der Sozialisation durch den Staat erreicht wurden“. Ob damit generell auch ein eigentümliches deutsches „Understatement“ verbunden ist, bleibt für Danelski im Ungewissen.   

Wieder zurück in Deutschland beobachtet sie jedenfalls, „wie Deutsche ihr Licht unter den Scheffel stellen, wenn es um internationale Vergleiche geht, besonders den Amerikanern gegenüber“. Ihre Aufmunterung: „Das haben wir doch gar nicht nötig.“ Die FH Bielefeld, zum Beispiel, stehe der Michigan-Uni „in nichts nach“.  Als Wirtschaftspsychologin sei sie „am Fachbereich sehr gut ausgebildet worden“. Der Grundstein, der hier gelegt wurde, „hat mir in den Staaten nur Vorteile beschert“, so Danelski. Die Noten, die sie mitgebracht hat, sind deutlicher Beleg dafür.

Der einjährige Studienaufenthalt in Michigan hat, das steht jetzt schon fest, Lust auf mehr gemacht. „Internationalität ist für mich so attraktiv geworden, dass bei meiner Karriereplanung auch Arbeitgeber außerhalb Deutschlands in Betracht kommen“, sagt die angehende Wirtschaftspsychologin.  Unterwegs in die Welt: Startplatz FH Bielefeld.