21.02.2007

Ein allerletztes Foto

Barbara Schneider, Diplomandin am Fachbereich Gestaltung, arbeitete für ihre Abschlussarbeit "Mitten im Leben ... – Die Rolle des Bildes im Umgang mit dem Tod" mit den Bielefelder Bestatterinnen Lindy Ziebell und Monika Noller zusammen.

Die Absolventin des Studienganges Fotografie und Medien im Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule (FH) Bielefeld, Barbara Schneider, stellte sich für ihre Abschlussarbeit das Thema "Mitten im Leben ... - Die Rolle des Bildes im Umgang mit dem Tod". Zur Vorbereitung ihrer Arbeit führte die Diplomandin Interviews mit verschiedenen Bestattungsinstituten durch. Das Gespräch mit den Bielefelder Bestatterinnen Lindy Ziebell und Monika Noller faszinierte sie in besonderer Weise, da Schneider der warme und respektvolle Umgang mit den Verstorbenen anrührte. Auf den Vorschlag von Lindy Ziebell, die Toten zu fotografieren, begann sich Barbara Schneider intensiv mit dem fotografischen Totenportrait auseinander zu setzen. Erklärten sich die Anverwandten einverstanden, lichtete die Diplomandin den Verstorbenen mit ihrer Kamera ab. Schneider berichtet von einer großen Präsenz des Toten während des Fotografierens, sie habe immer gespürt, welche Distanz sie einhalten müsse und wann genug Bilder entstanden seien. Mit ihrer Diplomarbeit möchte auch Barbara Schneider dazu beitragen, den Wert des letzten Bildes öffentlich aufzuzeigen.

Die Reaktion der Angehörigen auf das "letzte Bild" sei recht unterschiedlich gewesen, oft aber spontan positiv, andere hätten Zeit gebraucht. In ihrer Arbeit, die sie bei Professor Dr. Andreas Beaugrand und Professor Karl Martin Holzhäuser schrieb, untersuchte Holzhäuser die Rolle des Bildes in der Kulturgeschichte des Todes. Die ersten Vorläufer der Totenfotografie sind aus dem 16. Jahrhundert bekannt, damals wurden die Portaits noch gemalt. Mit der Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert erhielt diese Form der bildlichen Erinnerung einen enormen Auftrieb. Sogar in Werbeanzeigen boten Fotografen an, in das Haus des Verstorbenen zu kommen und dort zu fotografieren. Zu einem fast völligen Rückzug der Fotografie aus dem Bestattungswesen kam es nach den beiden Weltkriegen. Das Ablichten gefallener Soldaten war untersagt. Allein in ländlichen Gegenden hielt sich der Brauch, den Toten fotografisch festzuhalten, bis in die 70er Jahre. Engagierte Bestatter wie Noller - Ziebell bieten die Totenfotografie wieder an.

Veröffentlichung des Textes mit freundlicher Genehmigung der Handwerkskammer OWL.