08.05.2015

Faszinierend, ungewöhnlich, erfolgreich

Zehn Jahre Leonardo-Projekt am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik.

Bielefeld (fhb). Seit dem Wintersemester 2004/2005 beschäftigen sich Studierende der Fachhochschule Bielefeld unter der Anleitung von Professor Dr. Horst Langer mit den Ideen und Werken des "Künstleringenieurs" Leonardo da Vinci. Aus der Idee einiger Studenten, sich mit den Zeichnungen da Vincis nicht nur theoretisch auseinanderzusetzen, sondern diese auch nachzubauen, wurde eine international erfolgreich e Technik-Ausstellung zum Mitmachen und Anfassen.

"Ich war damals auf der Suche nach einem Thema für unsere Projektarbeiten, als ich auf ein Buch von Leonardo stieß. Ich dachte mir, das ist doch ein gutes Thema. Die Studierenden sollten sich mit seiner Ingenieurskunst beschäftigen und Referate halten", erinnert sich Langer, der im Studiengang Produktentwicklung (heute Mechatronik) lehrte. Fasziniert von den Werken Leonardos erstellten die Studierenden erste Poster, die das Recherchierte wiedergaben. Bis ein Student, Dirk Brockbalz, ein gelernter Tischler, sagte: "Das ist mir viel zu theoretisch." Gesagt, getan: Er baute das erste Modell aus den Zeichnungen, einen Flaschenzug. Langer: "Der Flaschenzug hängt heute noch ehrenhalber in der FH und wird auch nicht verliehen!" Es folgten zahlreiche weitere Modelle, bei deren Konzeption und Umsetzung die Studierenden "spielen und spinnen durften", so Langer, und ergänzt: "Man muss spielen dürfen, um kreativ zu sein."

2006 gab es die erste Pressekonferenz, um auch der Öffentlichkeit die Arbeiten der Studierenden zu zeigen. Kurz darauf kam die erste Anfrage vom Schloss- und Beschlägemuseum Velbert.  Damit standen Langer, seine Studierenden und die beteiligten Mitarbeiter vor ganz neuen Anforderungen an die Modelle. Alle Exponate wurden und werden in den Werkstätten der Fachhochschule gefertigt, dabei arbeitet Langer auch mit dem Fachbereich Gestaltung zusammen. So entstanden auch die ersten großen Ausstellungsobjekte.

Doch der Ausstellung fehlte noch das gewisse Etwas - ein professionelles Konzept. Das dachte sich auch Grafikstudentin Jana Mielke und schlug vor, ein solches Ausstellungskonzept als Diplomarbeit zu entwickeln, das sie dann auch so umsetzen konnte. So bekamen die Erklärungen und begleitenden Materialien zu den Exponaten ein eigenes, unverwechselbares Design, in dem sich die blauen Dreiecke immer wiederfinden.

Bisher haben etwa 350 Studierende an den Modellen gearbeitet, heute zählt die Sammlung 105 Modelle, vom Musikinstrument über Getriebe oder Flugobjekte bis hin zu Kriegsausrüstung und mehr. Zigtausende Besucher in ganz Deutschland, in London und Utrecht haben die Ausstellung besucht, die quasi von Beginn an ausgebucht war. Auch aktuell ist sie bis Ende 2016 verplant und für 2017 liegen bereits Anfragen vor. "Inzwischen trennen wir das ganze strikt in Projektarbeit einerseits und Ausstellungsobjekt andererseits", sagt Professor Langer. "Die Exponate haben eine Besucherfrequenz von bis zu 10.000 pro Monat und da das Anfassen und Mitmachen ja erwünscht ist, müssen sie robust und sicher sein." So gebe es für die Ausstellungsobjekte inzwischen ein Pflichtenheft, damit die Modelle für den Besucherandrang gerüstet sind. "Man hat mir mal gesagt, dass wir die erfolgreichste Technikausstellung der Leonardo da Vinci Objekte Europas aufgebaut haben", so Langer. Die Ausstellung sei ein Besuchermagnet. Sogar Museumspädagogen haben sich bei dem Leonardo-Team erkundigt, wie sie das schaffen.

"Das A und O ist das Mitmachen. Das bestätigen auch unsere Studentinnen und Studenten, die wahnsinnig motiviert werden und Spaß am Studium haben", sagt Langer und verweist auf die niedrige Abbruchquote der Erstsemester in dem Studiengang.

Inzwischen sei die Ausstellung eine kleine Firma, für deren Zukunft das Team, zu dem neben Langer und Mielke auch ein Labormitarbeiter und zurzeit sieben Studentische Hilfskräfte gehören, konkrete Pläne und Visionen entwickelt hat. Künftig kooperiert Leonardo mit dem Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit, dem An-Institut der FH Bielefeld, das unter anderem den bundesweiten Girls´ Day koordiniert. Zudem ist die Gründung eines gemeinnützigen Vereins angedacht. Auch mit Unternehmen möchte das Team künftig zusammenarbeiten, "zum Beispiel um Auszubildende zu rekrutieren", erklärte Jana Mielke. Dekan Professor Dr. Lothar Budde unterstrich in seinem Grußwort, "dass der Fachbereich Leonardo künftig noch weiter in die Gesellschaft tragen wolle".

Inhaltlich hat Langer die Vision, in der Ausstellung eine noch intensivere Beschäftigung mit Leonardo zu erreichen und denkt daran, Themenkomplexe einzurichten, wie zum Beispiel Energie- und Kraftsysteme, Fluggeräte oder Messgeräte,  die jeweils von einer Audioführung begleitet werden.

Musikalisch begleitet wurde die Jubiläumsfeier von Professorin Anne Weber-Krüger (Fagott) vom Fachbereich Sozialwesen, die auch einen Bezug zu Leonardo herstellte: "Ein Fagott ist zwar kein Instrument der Renaissance, aber es ist ein Tüftelinstrument. Und Leonardo hat ja auch Instrumente gebaut, wie die berühmte Pferdekopf-Lyra."

Zum Abschluss dankte Professor Langer seinem Team und den Unterstützern des Projekts, unter anderem der Präsidentin der FH Bielefeld, Professorin Dr. Beate Rennen-Allhoff und Vizepräsident Professor Dr. Andreas Beaugrand, sowie den ehemaligen und aktuellen Studierenden, die stellvertretend für die 350 Kommilitonen zur Jubiläumsfeier gekommen waren, die in den letzten zehn Jahren an den Projekten mitgearbeitet haben.

Die aktuellen Ausstellungstermine findet man unter
www.leonardo-bewegende-erfindungen.de