Der regionale Netzbetreiber Westfalen Weser Energie hat gestern in Paderborn herausragende Abschluss- und Projektarbeiten im Bereich Energieeffizienz und Erneuerbare Energie mit dem Energy Award ausgezeichnet. In diesem Jahr wurden vier Nachwuchswissenschaftler und eine Projektgruppe für ihre Leistungen mit Preisgeldern belohnt. Gleich drei Preisträger kommen von der Fachhochschule Bielefeld. Ausgezeichnet mit dem Energy Award wurden Christina Deters, Jens Kilian und Cornelius Armbruster. Alle drei studieren am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) im Studiengang Regenerative Energien. Sie erhielten jeweils ein Preisgeld von 1.000 Euro.
Jens Kilian (26) befasste sich in seiner Studienarbeit - betreut von Prof. Dr. Anant Patel - mit der so genannten Grätzel-Zelle, einer alternativen Solarzelle. Es handelt sich dabei um eine Zelle, die nach dem Prinzip der Photosynthese mit Hilfe von Farbstoffen, wie sie beispielsweise in Himbeeren enthalten sind, Sonnenlicht in elektrische Energie umwandelt.
Christina Deters (25) hat ihre Bachelorarbeit - betreut von Prof. Dr. Jürgen Schlabbach - über die "Blindleistungs- und Spannungshaltung einer Photovoltaik-Freiflächenanlage" geschrieben. Zum Hintergrund: Die Netzintegration der regenerativen Energien ist gerade im Mittel- und Niederspannungsbereich von besonderer Bedeutung. Die Herausforderung besteht darin, die schwankende Erzeugung, beispielweise der Photovoltaik, ins Netz zu integrieren ohne große Spannungsschwankungen. Nur so kann die Stabilität des gesamten Netzes gewährleistet werden. Einen wichtigen Einfluss auf den Spannungshub hat die Blindleistung. Deters Aufgabe der Abschlussarbeit bestand darin, Möglichkeiten zu finden, die auftretende Blindleistung in den von ihr untersuchten Solarparks zu reduzieren. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse seien auch auf andere Anlagen übertragbar, stellte die 25-jährige heraus.
Zu den größten Herausforderungen der Energieversorgung gehört der Umgang mit der zeitlichen Divergenz zwischen Energieverfügbarkeit und Energiebedarf. Dies ist gerade auch bei den regenerativen Energien mit meist wechselhafter (fluktuierender) Verfügbarkeit gegeben. Der Speichertechnologie und den Phasenwechselmaterialien mit einer hohen Speicherdichte kommt von daher eine große Bedeutung zu. Cornelius Armbruster (26) hat sich in seiner Bachelorarbeit - betreut von Prof. Dr. Sonja Schöning - mit physikalischen Eigenschaften und Anwendungspotenzial von Phasenwechselmaterialien befasst. Armbruster hat jetzt an seinem Fachbereich ein Masterstudium begonnen.
Prof. Dr. Lothar Budde, der Dekan des Fachbereichs IuM, nannte die Preisträger "vortreffliche Botschafter des Fachbereichs", die allesamt während ihrer Studienzeit nicht nur durch fachliche Leistungen, sondern zudem durch vielfältige Aktivitäten, zum Beispiel die Organisation studentischer Großveranstaltungen oder auch gezielte Auslandsaufenthalte, positiv aufgefallen seien. Budde: "Sie haben sich bewegt, und das war gut so."
Für Westfalen Weser Energie war es die erste Preisverleihung, nachdem das Vorgängerunternehmen E.ON Westfalen Weser den Förderpreis bereits zwölfmal vergeben hatte. Im Sommer dieses Jahres war Westfalen Weser Energie im Rahmen der Kommunalisierung des Netzbetreibers gegründet worden. Heute sind 48 Kommunen aus der Region an dem Unternehmen beteiligt.
Michael Heidkamp, Geschäftsführer von Westfalen Weser Energie, stellte während der Veranstaltung die Bedeutung des wissenschaftlichen Nachwuchs heraus: "Die Herausforderungen an die Ingenieure der Zukunft gerade auf dem Feld der Energie sind gewaltig - und enorm spannend. Nach wie vor sind rationelle Energienutzung, Energieeffizienz und die Nutzung regenerativer Energien zentrale Themen, die nach Strategien und Lösungen verlangen." Und hierzu, so Heidkamp, "bedarf es vieler gut motivierter und mutiger junger Menschen - und in ganz besonderem Maße brauchen wir Ingenieure."