15.11.2011

Mit Arroganz und Männer-Code stürmen Frauen den Chefsessel

Vortragsreihe „Frauen in Führungspositionen“ geht in die erste Runde.

Bielefeld (fhb). Will Frau auf den Chefsessel, dann muss sie den „Jungscode“ anwenden. Von dieser Strategie ist Hildegard Schumacher-Grub, Gleichstellungsbeauftragte und Fachlehrerin an der Fachhochschule (FH) Bielefeld, überzeugt. Deshalb weihte sie am Freitag, 11. November, im Rahmen der Vortragsreihe „Frauen in Führungspositionen“ über 30 Frauen in die Spielregeln der Männer ein.

Laut Schumacher-Grub sollen Frauen vor allem Sprache und Körperausdruck gezielt einsetzen, da diese Schlüssel zum beruflichen Erfolg seien. Anhand wissenschaftlicher Studien zeigte sie auf, dass sich Frauen und Männer unterschiedlich ausdrücken und präsentieren. Demnach verwenden Frauen häufig Einschränkungen. Vorschläge werden zudem oft als Fragen formuliert. Ein „Könnte man nicht vielleicht …“ werde von Männern als Unsicherheit interpretiert, da diese einen direkten und absoluten Sprachstil gebrauchen. Auf klare Ansagen setzen Männer auch beim Satzbau. Lange, komplizierte Sätze mit vielen Füllwörtern, wie Frauen sie formulieren, sind bei ihnen unüblich.

Diese unterschiedlichen Kommunikationsstile kann man schon bei Kindern beobachten. Während Jungen ständig kleine Rangkämpfe austragen, sind Mädchen in einer Gruppe gleichberechtigt. Sie sind um Konsens bemüht“, erklärt Schumacher-Grub. Zwei Sprachen, die im Erwachsenenalter beibehalten werden. So seien Frauen emotionale Gesprächspartner, die Probleme ausdiskutieren wollen und Verständnis für ihr Gegenüber haben. Männer hingegen sprechen auf einer sachlichen Ebene miteinander und weichen Konflikten aus.

Typisch für den Umgang untereinander sei, dass Männer das Wort an sich reißen, indem sie Frauen gezielt unterbrechen. Zudem gelte für Männer der Grundsatz „Wissen ist Macht“. Wichtige Informationen geben sie deshalb bewusst nicht weiter.

„Um in Führungspositionen aufzusteigen oder sich als Chefin Anerkennung zu verschaffen, brauchen Frauen einen Arroganz-Werkzeugkoffer. Arroganz nicht als Lebenshaltung, sondern als Werkzeug, das zum Einsatz kommt, wenn sie mit sachlichen Argumenten nicht mehr durchdringen“, sagt Schumacher-Grub. Unsichere Gesten, hohe Fistelstimme und verlegenes Kichern seien Gift für den Chefsessel. All das ließe sich durch eine bewusste Kontrolle des eigenen Verhaltens leicht abstellen. Zudem fordert sie Frauen dazu auf, sich beim Reden nicht unterbrechen zu lassen. Frauen sollen laut und deutlich sprechen und Relativierungen weglassen.

Laut Schumacher-Grub sollen Führungskräfte zweisprachig agieren, also beide Sprachstile einsetzen. „Karriereorientierte Frauen müssen das männliche Kommunikationsverhalten lernen und im Umgang mit Männern anwenden.“ Das heißt in der Praxis: kurze Sätze, klare Ansagen („Bis Montag hab ich das!") und knappes Lob („Gut gemacht!"). „Männer wollen das so. Das gibt ihnen Sicherheit.“ Anders müssen sie jedoch mit Frauen umgehen, da diese sich bei solch einer emotionslosen Kommunikation beleidigt fühlen.

Doch warum sollen nur Frauen ihr Verhalten ändern, Männer aber nicht? Dieser Punkt wird unter den Zuhörerinnen stark diskutiert. Einigkeit herrscht letztendlich darüber, dass Frauen sich nicht verrenken müssen. Das heißt, Frauen sollen nicht agieren wie Männer. Sie sollten aber die Spielregeln kennen und sich einige hilfreiche Strategien aneignen. Die Zweisprachigkeit empfiehlt Schumacher-Grub auch Männern in Führungspositionen. „Die Männer verspüren noch nicht so sehr den Druck, sich anpassen zu müssen. Die Medaille kann sich erst wenden, wenn mehr Unternehmen mit Frauen besetzt sind.“

Laut Aussagen einer Verlagschefin im Publikum wirken übrigens auch Statussymbole wie Auto und Geschäftsführer-Parkplatz noch Wunder in der Männerwelt.