29.11.2011

“Freude an Lehrveranstaltungen durch E-Learning“

‚Preis für netzbasierte Lehre‘ auf der Lernplattform ILIAS erstmals verliehen / Wirtschaftsinformatiker vorne

Bielefeld (fhb). An der FH Bielefeld wurde der ‚Preis für netzbasierte Lehre‘ gestern im Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) an der Morgenbreede erstmals verliehen. Drei Medienprojekte wurden mit jeweils 2.000 Euro ausgezeichnet: Prof. Dr. Wasmuth (geteilter 2. Platz) mit seinem Lehrkonzept für die Studiengänge am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik, Christiane Freese und Holger Lewe (geteilter 2. Platz) von der Lehreinheit Pflege und Gesundheit für ihren Entwurf  „E-Learning im Dualen Bachelor-Studiengang ‚Gesundheits- und Krankenpflege‘ und, auf Platz 1, die ‚Netzbasierte Lehre im Modul Grundlagen der Wirtschaftsinformatik‘, vertreten durch die Professoren Dr. Hans Brandt-Pook, Dr. Detlef Deßaules, Dr. Peter Hartel und Dr. Jörg-Michael Keuntje. Rund 50 Gäste hatten sich im IBZ zusammengefunden, um an einer kurzweiligen und informativen Preisverleihung teilzunehmen, deren musikalischer Rahmen von Reinhold Westerheide an der Gitarre und an der Marimba exzellent gespannt wurde.

Neue didaktische Konzepte, die Präsenzlehre und mediengestützte Lehrformen unter dem Einsatz der neuen hochschulweiten Lernplattform ILIAS miteinander kombinieren, darum ging es. Das Präsidium der FH Bielefeld hatte sich in diesem Jahr entschlossen, einen besonderen Preis zu stiften, um ein diesbezügliches Engagement in der Lehre zu honorieren. Prof. Dr. Andreas Beaugrand, Vizepräsident für Lehre und Studium, gestern im IBZ: „Uns geht es um die Förderung von aktivem, problemlösendem Lernen, von interaktiven Übungen und natürlich auch um die Freude an Lehrveranstaltungen durch E-Learning.“

Die Studierenden waren im Frühjahr per Internet und E-Mail aufgefordert worden, Lehrende zu benennen, deren Lehrveranstaltungen unter ILIAS-Einsatz „als besonders gelungen und motivierend“ empfunden werden, so der Ausschreibungstext. Knapp 30 studentische Vorschläge wurden eingereicht, zehn derart Empfohlene reichten ein Konzeptpapier ein. Dr. Karin Ilg, die Leiterin der Hochschulbibliothek: „Eine ausgesprochen gute Resonanz in einer doch relativ kurzen Zeitspanne.“

Didaktik, netzbasierte Lernpraktiken in Gruppen, selbstbestimmtes Lernen sowie Aktivierung, Vielfalt und Innovation sollten die zentralen Kriterien werden, nach denen die neue Jury die ILIAS-Projekte zu beurteilen hatte. Dem Gremium gehörten neben Dr. Ilg fünf Mitglieder an: Prof. Dr. Tobina Brinker, die Leiterin des Netzwerks Hochschuldidaktische Weiterbildung Nordrhein-Westfalen an der FH Bielefeld, Studentin Katrin Voß, Joachim Martensmeier, Dezernent für Bildung, Jugend, Familie und Soziales der Stadt Gütersloh, Prof. Dr. Matthias Upmann, Hochschule Ostwestfalen-Lippe, und Vizepräsident Prof. Dr. Andreas Beaugrand. Intensiv wurde diskutiert, die Entscheidungen fielen einmütig.

Mit Preisträger Professor Wasmuth wurde ein Lehraktiver ausgemacht, der ILIAS nutzt um Lehrmittel verfügbar zu stellen: PDF-Varianten der in der Vorlesung gezeigten Präsentation, Übungsaufgaben, Praktikumsanleitungen, Hilfestellungen und Selbstlernanregungen. Ein großer Vorteil sei, so Wasmuth, „der Zugriff nur durch Kursmitglieder, aber jederzeit und von überall“. ILIAS dient ihm als „Kommunikationsplattform, um eine Mail an alle Mitglieder zu versenden, um Ergebnisse, etwa von Referaten und Praktikums-Testaten, zeitnah verfügbar zu machen“. Seine Erfahrungen bislang: „Die Nutzung von netzbasierten Lehrmethoden ist sinnvoll und hilfreich, ein grundsätzliches Interesse und eine Zustimmung der Studierenden ist vorhanden.“ Aber: „Solche Zusatzangebote werden teilweise nur von guten Studierenden genutzt.“

Christiane Freese, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt zik2ak, und Student Holger Lewe, studentische Hilfskraft in der EDV und im Projekt ‚Modell einer gestuften und modularisierten Altenpflegequalifizierung‘, stellten ihre Einbindung von ILIAS im Modulverlauf ‚Pflege zur Aufrechterhaltung von Aktivität und Bewegung 1‘ vor. Sie haben unter anderem Tests zu den drei Hauptthemengebieten ihres Moduls eingerichtet, Wikis und Glossars sowie Film- und Bildmaterial gemeinsam mit den Studierenden zusammen- und bereitgestellt. Für die Zukunft wünschen sie sich eine verstärkte gemeinsame Nutzung des Fragenpools für Tests und Lernmodule, die Erhöhung der Anwenderfreundlichkeit des Editors für ILIAS-Lernmodule, die Einstellung von mehr Film- und Bildmaterial, insbesondere zu praktischen Fertig- und Fähigkeiten, und eine komfortablere Möglichkeit, Videos innerhalb von ILIAS zu nutzen. Ein Kritikpunkt, so Freese: „Die Erstellung von Inhalten benötigt teilweise viel Zeit, zum Beispiel das Anlegen von Tests.“

Prof. Dr. Peter Hartel, der insbesondere die Lehrgebiete Datenbanken und Algorithmen innerhalb der Wirtschaftsinformatik vertritt, sprach sich für den „Ausbau der ILIAS-Inhalte zur Unterstützung des Lernprozesses“ aus: Gemeinsames Glossar für alle Teilgebiete, Ergänzung des Angebotes der online bereitgestellten Literatur „als Link oder PDF-Dokument“. Mehr Videoaufzeichnungen von Lösungen zu Fallstudien, Ausbau der Unterstützung der Praktika und Ausbau der Lernkontrolle und Evaluation der Veranstaltung, so sein Plädoyer. Hartel empfiehlt für den Umgang mit der ILIAS-Plattform ausdrücklich „die Schulung von wissenschaftlichen Mitarbeitern im Bereich der technischen Umsetzung der unterschiedlichen Vorhaben“.

Die netzbasierte Lehre auf ILIAS ist also kein Selbstläufer. Technisch und auch didaktisch muss die Plattform kontinuierlich weiterentwickelt werden. Gut, dass es jetzt den Lehrpreis gibt, der alle Jahre wieder dokumentieren wird, was sich getan hat auf ILIAS, wer sich dabei auszeichnet und wo der Schuh noch drückt.