Bielefeld (fhb). Straßenbahn, Computerladen, Bahnhof, Hotel. Die Orte sind ganz unterschiedlich, die Begegnungen auch. Intensiv, unerwartet, nah und doch anders. Budapest im Mai 2012: 20 Fotografie-Studierende der Fachhochschule Bielefeld sind mit ihrem Dozenten Professor Roman Bezjak zehn Tage lang auf der Suche nach Motiven, nach Geschichten: Reportage-Fotografie, fotografische Positionen. Ab heute sind die Ergebnisse zu sehen im Rahmen einer Ausstellung in der Galerie des Fachbereichs Gestaltung der FH Bielefeld an der Lampingstraße. Titel: "Budapest".
Roman Bezjak hatte zur Studienreise eingeladen, gut vorbereitet, viel angelesenes Wissen und doch vor Ort überrascht: "Budapest erwies sich allen Teilnehmern als eine freundliche Stadt. Sie lockt mit ihrem in der Habsburger Monarchie entstandenen Stadtbild ebenso wie mit den noch deutlich sichtbaren Spuren des Kommunismus, mit den Verwerfungen des Transformationsprozesses genauso wie mit den erreichten Zielen des Wandels: k.u.k., KP und Kommerz." Anders formuliert: "Für uns alle ein kleines Abenteuer."
Eine Stadt in Bewegung, im Umbruch. Gutes Terrain für die Studierenden, fündig zu werden, um eine Geschichte mit der Kamera zu erzählen. Aber auch gewöhnungsbedürftig. Student Hendrik Lüders: "Diese Stadt kann einen fertig machen." Es gilt, Orientierung zu finden zu einer Zeit, "in der sehr viel Kritik aus Europa an das neu aufgenommene EU‐Mitglied adressiert wurde", so Bezjak. Die Demokratie, so lautete der Vorwurf, drohe sich durch ihre eigenen demokratischen Regeln abzuschaffen.
Studentin Elisabeth Moch entdeckt in einem Computerladen einen Gitarrenspieler, der Mittelpunkt ihrer Bildergeschichte wird. Jörn Strojny erkundet den zentralen Bahnhof und inszeniert - mehr noch als die vorbeieilenden Menschen - den großartigen Raum. Mario Brand findet letztendlich in der Straßenbahn den richtigen Ort für seine "Visualisierung eines Gefühls". Momentaufnahmen, Stimmungen. 28 Fahrgäste spricht er an, nur zwei von ihnen wollen sich nicht ablichten lassen. Ansonsten: große Aufgeschlossenheit gegenüber den Fotografen, nicht nur hier. Und so gelingt es, Bilder einzufangen, "die eine Atmosphäre wiedergeben", so der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfotograf Roman Bezjak.
Die Studierenden hatten die Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen. Und sie haben sie genutzt. Bezjak: "Sie entdeckten die kleinen und großen Sensationen des Alltags, wälzten kleine und große Fragen der Politik und des Gemeinwesens. Und zum Schluss bliebt die Erkenntnis, dass der Blick auf "former east" aus "former west" kompliziert ist."
Die Ausstellung ist bis zum 16. November geöffnet.