Zwei Tage vor der großen Modenschau bekommen Models und Outfits den letzten Schliff.
Bielefeld (fhb). Carambolage lautet das Arbeitsmotto der diesjährigen Modenschau des Fachbereichs Gestaltung. Ein wenig nach Carambolage sieht es auch aus, wenn die vielen Models zur letzten Anprobe kommen: dem Fitting-Tag. Für jedes der knapp 190 Outfits muss das richtige weibliche oder männliche Model ausgesucht werden. Schlank oder muskulös, lange Haare oder kurze, mit oder ohne Bart…alles muss zusammenpassen, denn morgen geht es bereits los: Die erste von vier Modeschauen im Kultur- und Kommunikationszentrum Sieker (KuKS) läuft über die Bühne. Insgesamt 107 Modestudierende, davon 15 Bachelor- und fünf Master-Absolventen zeigen, was sie selber designed und geschneidert haben.
Einer der zukünftigen Bachelor ist Julien Kurtin. Der 24-Jährige hat sich für seine Outfits mit den 50er-Jahren beschäftigt und das Hahnentrittmuster genauer unter die Lupe genommen. "Im Grunde besteht ein Hahnentrittmuster aus einem Quadrat, aus einem negativen und einem positivem Element, die aufeinander aufbauen", so Kurtin. Diese Elemente hat er auseinandergepflückt und als Quadrate und Pfeile neu zusammengesetzt. So ist ein völlig anderes Muster entstanden und doch ein Hahnentritt geblieben. Ganze Stoffbahnen mit diesem Muster hat er speziell in Holland drucken lassen und daraus ein Sakko mit T-Shirt-Ärmeln und ein Doppelreiher-Sakko, das man wie ein Sweat-Shirt anzieht, geschneidert. Dazu gibt es jeweils die passende Hose. Als letztes im Bunde hat er einen Mantel designed, ganz im Stil der Trench-Coats der 50er-Jahre. Auch hier gibt es eine Besonderheit, die aber vor der Modenschau nicht verraten werden soll.
Überhaupt können modebegeisterte Zuschauer gespannt sein, was die Modenschau bereithält. "Wie die Kunst zählt Mode zu einem ernstzunehmenden Seismographen gegenwärtiger Zustände und Entwicklungen. Die Studieren reagieren auf das, was Menschen bewegt. Carambolistisch und flexibiligorisch", heißt es im offiziellen Pressetext.
So ist es auch bei Kerstin Schletz. Ihre Kollektion zum Masterabschluss trägt den Titel "HinSicht" und dreht sich um das Jetzt und Hier. "Das Leben wird immer schneller, und das wirkt sich auch auf die Mode aus. Meine Kollektion soll ein Beitrag zur Entschleunigung sein", so Schletz. Sie ist der Auffassung, dass die Leute mehr aus der eigenen Kindheit übertragen müssen, um in der schnellen Welt Zeit und Raum für sich selber zu finden. Deshalb hat sie einige Outfits aus einem Stoff mit einem Papier-Drachen darauf geschneidert, der sie selbst an ihre Zeit als Kind erinnert. "Ich habe versucht, mit den Augen eines Kindes zu sehen und mit den Händen eines Kreativen zu arbeiten", sagt die Studentin. Neben dem Drachen-Stoff hat sie kupfernes Leder, immer kleiner werdende Karos und aufklappbare Elemente in ihren Kleidungsstücken verarbeitet. Finanziell habe sie den Preis für einen drei bis vier Jahre alten Kleinwagen in ihre Kollektion gesteckt, die genaue Summe möchte sie aber nicht verraten. Was sie hingegen gerne verrät ist, dass ihre Kollektion als letzte bei der Modenschau laufen wird - für sie eine Ehre. "Bei großen Designern kommt das Hochzeitskleid immer zum Schluss. Ich habe zwar kein Hochzeitskleid, aber das ist trotzdem toll", freut sie sich.
Es gibt noch wenige Karten für zwei Termine der FH-Modenschau. Es handelt sich die Veranstaltungen am Donnerstag, 26. Juni, um 18.30 Uhr und 21 Uhr. Der Ticketverkauf läuft in den Geschäftsstellen der Neuen Westfälischen und des Westfalen-Blatts sowie bei der Tourist Information Bielefeld. Die Karten kosten 15 Euro, ermäßigt 13 Euro.