05.01.2012

Herzblut und Beharrlichkeit für die Wirtschaftsinformatik

Auch nach 25 Jahren Dienstzeit hat Professor Dr. Detlef Deßaules noch viel Spaß an der Lehre.

Bielefeld (fhb). Begeisterung wecken für Zahlen, Geschäftsprozesse und die digitale Welt. Dieses Ziel verfolgt Professor Dr. Detlef Deßaules tagtäglich in seinen Lehrveranstaltun­gen an der Fachhochschule (FH) Bielefeld ebenso wie zuvor an der Universität Mannheim – und das mittlerweile seit insgesamt 25 Jahren. Zum Silbernen Dienstjubiläum überreichte ihm am Dienstag Professorin Dr. Beate Rennen-Allhoff, Präsidentin der FH Bielefeld, eine Ehrenurkunde.

„Hinsichtlich meiner wissenschaftlichen Fokussierung bin ich Spätzünder“, sagt Professor Deßaules von sich selbst. Denn nach dem Mathematikstudium an den Technischen Universitäten Clausthal und Braunschweig folgten nicht Promotion und Habilitation sondern insgesamt knapp zehn Jahre bei der Siemens AG. Dort war er als Software-Entwickler, Systemberater und Produktplaner tätig.

Erst mit 31 Jahren entdeckte er seine wahre Berufung. „Ich wollte mich weiterentwickeln und fasste den Plan, meine fachlichen Qualifikationen voranzutreiben und zu verbreitern und dies mit dem Erwerb des Doktortitels zu verbinden.“ Es folgte ein Wechsel an die Universität Mannheim, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre zum ersten Mal auch unterrichten durfte. „Ich hatte so viel Spaß am Lehren, dass ich gar nichts anderes mehr machen wollte. Da begriff ich, dass der Ausflug in die Wissenschaft mehr als nur eine kleine Episode meines Lebens sein würde“, erinnert sich Professor Deßaules.

Nachdem er zunächst noch einmal für die Siemens AG arbeitete, konnte Professor Deßaules 1992 mit Doktortitel und viel Praxiserfahrung die FH Bielefeld von sich überzeugen und erhielt eine Professur am damaligen Fachbereich Wirtschaft. Dass er diesem Arbeitsplatz bis heute die Treue gehalten hat, liege vor allem daran, dass er sich am Fachbereich wohl fühle und dass er die Freude an der Lehre nie verloren habe. „Ich versuche meine Begeisterung für die Themen auf die Studierenden zu übertragen. Ich möchte ihnen zeigen, welche Bedeutung der zu erlernende Stoff für die Wirtschaftspraxis besitzt. Denn letztendlich werden nicht Leute gesucht, die bloß auswendig lernen können, sondern Leute, die Probleme in einem Unternehmen lösen“, sagt Professor Deßaules und fügt mit einem Zwinkern hinzu: „Und im Gegenzug halten mich die Studierenden jung.“

Das berufliche Erfolgsgeheimnis des Professors ist eine Mischung aus Neugierde und Beharrlichkeit. Erstere ist geradezu lebensnotwendig, um mit den rasanten Entwicklungen in der Wirtschaftsinformatik Schritt zu halten. Beharrlichkeit war vor allem auch in der Zeit als Dekan seines Fachbereichs von 1999 bis 2003 vonnöten, wenn es um die Umsetzung der Reformvorhaben des Fachbereichs ging. Als erste Nagelprobe erwies sich hier die Einführung des Studiengangs Wirtschaftsrecht, des ersten interdisziplinären Studiengangs des Fachbereichs Wirtschaft. „Es galt,  divergierende Interessen auszugleichen und zahlreiche Anlaufschwierigkeiten zu überwinden. Ich bekam dabei von fast allen Seiten Kritik zu hören, aber im Endeffekt war es wohl der richtige Schritt.“

Die erfolgreiche Einführung des interdisziplinären Studiengangs veränderte das Profil des Fachbereichs grundlegend, sie schuf aber auch den Grundstein für ein weiteres Projekt, an dem Professor Deßaules seit Jahren mit Herzblut arbeitete: die Wirtschaftsinformatik. Enttäuschungen musste er hinnehmen, als die Einführung des Studiengangs zu Diplomzeiten an Ressourcenknappheit scheiterte. Doch als dann im Zuge der Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem die ersten Wirtschaftsinformatik-Studierenden an der FH Bielefeld begrüßt werden konnten, war die Freude umso größer. Beharrlichkeit zeigt er auch heute noch. Das nächste große Ziel: die dauerhafte Absicherung der Wirtschaftsinformatik-Stellen, im Bereich der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ebenso wie auf der Ebene der Professorinnen und Professoren.