Mit insgesamt rund zehn Millionen Euro fördern die Stiftung Mercator und die VolkswagenStiftung neun Vorhaben an deutschen Hochschulen, die mit ihren Ideen für eine qualitätvolle Lehre im Rahmen der Bologna-Reform überzeugen konnten: In einer Finalrunde präsentierten 25 Hochschulen vom 9. bis 11. Februar 2010 im Copthorne Hotel Hannover (Laatzen) einer interdisziplinär und international zusammengesetzten Expertenkommission ihre Ideen einer modernen Hochschullehre. Anschließend stellten sich die Bewerber, die ihre Anträge im Rahmen der Initiative "Bologna - Zukunft der Lehre" eingereicht hatten, den Fragen der Gutachter. Die zwei Förderlinien zugeordneten Vorhaben entsprechen dem Ziel der beiden Stiftungen, die Lehre an deutschen Hochschulen zu stärken, Verbesserungen praktisch umzusetzen und Verantwortung für die Weiterentwicklung von Studium und Lehre zu übernehmen.
Die Fachhochschule (FH) Bielefeld gehört in der Förderlinie I zu den Wettbewerbssiegern der Finalrunde. Gegen eine starke Konkurrenz deutscher Hochschulen mit insgesamt 180 eingereichten Antragskizzen setzte sich das von den Projektleiterinnen Professorin Dr. Barbara Knigge-Demal und Professorin Dr. Annette Nauerth vom Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit eingereichte Projekt "Entwicklung, Implementierung und Evaluation eines dualen Pflegestudiengangs an der FH Bielefeld" durch. Projektpartner ist die Zentrale Akademie für Berufe im Gesundheitswesen GmbH (Gütersloh) mit ihren Trägereinrichtungen. Fünf weitere Projekte der Hochschulen Cottbus, Göttingen, Lüneburg, München und Ulm wurden in dieser Förderlinie ausgezeichnet.
www.stiftung-mercator.de
www.volkswagenstiftung.de
www.klinikumbielefeld.de
www.zab-gesundheitsberufe.de
Zum Projekt
Die FH Bielefeld setzt die Forderungen des Bologna-Prozesses um, die eine konsequente Ausrichtung der Studiengänge auf Berufsbefähigung, auf lebenslanges Lernen in flexiblen und international anschlussfähigen Lernumgebungen beinhalten. Der Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit plant in Kooperation mit Berufsfachschulen und den Gesundheitseinrichtungen der Region einen dualen Studiengang Pflege, in dem hochschulische Bildung und berufliche Ausbildung integrativ verlaufen werden. Theoretische und praktische Ausbildungsaktivitäten werden inhaltlich und konzeptionell eng aufeinander abgestimmt und mit innovativen didaktischen Elementen an den Schnittstellen gestaltet. Die berufliche Ausbildung wird nach dreieinhalb Jahren mit der staatlichen Prüfung, die Hochschulausbildung nach vier Jahren mit der Bachelor-Prüfung abschließen. Damit wird auf die Anforderungen des Berufsfeldes reagiert, in dem mehr hoch spezialisierte Fachkräfte benötigt werden. Andererseits führt eine Akademisierung im Bereich Pflege zu einer internationalen Anschlussfähigkeit, da akademisch ausgebildete Pflegekräfte in den anderen Ländern Europas schon lange zum Alltag gehören. Ein maßgebliches Merkmal dieses Studiengangkonzepts wird eine horizontale und vertikale Durchlässigkeit sein. Darüber hinaus wird die internationale Mobilität durch gegenseitige Anrechnung von Modulen an europäischen Partnerhochschulen gefördert. Die Erprobung dieses Studienmodells und der hochschuldidaktischen Methoden wird begleitend evaluiert, um die Qualität während der Implementierung zu sichern. Darüber hinaus tragen die Ergebnisse zu einer Evidenz gestützten Gestaltung der Lehre bei. Der Arbeitsplan sieht deshalb sowohl Entwicklungs- als auch Forschungsaufgaben vor. Zu den Entwicklungsaufgaben gehört die gesamte Projektgestaltung und curriculare Gestaltung des Studiengangs einschließlich des Aufbaus der Kooperationsbeziehungen, zu den Forschungsaufgaben die Begleitevaluation der Lehre sowie struktureller und organisatorischer Aspekte. Insbesondere das anspruchsvolle Konzept der Integration von drei Lernorten, Berufsfachschule (ZAB Gütersloh), Hochschule und berufliche Praxis, soll durch die Projektförderung unterstützt werden. Dazu gehört die Schulung von Praxisanleiter/-innen und Mentoren ebenso wie die Begleitung die Praxisbegleitung durch die FH Bielefeld.
Das Klinikum Bielefeld hat stellvertretend durch den Pflegedirektor Arne Holthuis für die an der Zentralen Akademie für Berufe im Gesundheitswesen (ZAB) beteiligten Kliniken an der Präsentation des Antrages teilgenommen. Hierzu Pflegedirektor Arne Holthuis: "Von besonderem Interesse war bei der Bewertung der Förderwürdigkeit des neuen Studiengangs Pflege der Fachhochschule Bielefeld die besondere Verzahnung mit der Ausbildungsstätte und der praktischen Ausbildung in der Klinik. Die Zukunftsfähigkeit des Studiengangs liegt einerseits in dem integrativen, dualen Konzept der grundständigen Ausbildung an der ZAB und dem parallelen Bachelor-Studium in der FH Bielefeld und andererseits in den kommenden Bedarfen an akademisch ausgebildeten Pflegekräften in den Kliniken. Nicht nur die Führungs- und Spezialistenebene ist hier angesprochen, sondern im Besonderen die Notwendigkeit, die komplexen Versorgungssituationen der Patienten im pflegerischen Alltag bei sehr kurzen Verweildauern zu gestalten und durchzuführen."
Geschäftsführer Andreas Westerfellhaus von der ZAB Gütersloh, der ebenfalls an der Präsentation des Antrages in Hannover teilgenommen hat, bietet mit seiner Berufsfachschule besonders gute Bedingungen für eine Kooperation zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung, da hier im Herbst jeweils zwei Ausbildungskurse beginnen, von dem einer zukünftig eine akademischer Ausbildung absolvieren wird.
Über die Initiative "Bologna - Zukunft der Lehre"
Die Initiative der beiden Stiftungen stieß auf enorme Resonanz: Zum 31. Juli 2009 beteiligten sich 105 der gut 350 antragsberechtigten deutschen Hochschulen mit insgesamt 180 Antragskizzen an dem Wettbewerb. Eine Expertenkommission wählte im November 2009 aus diesen Vorschlägen 25 Vorhaben für die Präsentation in Hannover aus: 16 für die erste Förderlinie und neun für die zweite. Neun dieser Vorhaben können nun in die Tat umgesetzt werden.
Kontakt:
Professorin Dr. Barbara Knigge-Demal
Fon 0521/106-7420
Fax 0521/106-7178
Email barbara.knigge-demal@fh-bielefeld.de
Fachhochschule Bielefeld
Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit
Am Stadtholz 24
33609 Bielefeld