20.01.2016

In Deutschland studieren, das ist ihr Ziel

Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak informieren sich an der FH Bielefeld.

Bielefeld. Zwei Studierende aus Syrien und einer aus dem Irak sowie ein Arabisch-Lehrer besuchten am 18. Januar die Fachhochschule Bielefeld. Die Gäste kamen auf Initiative von Prof. Dr. Franz Feyerabend, Lehrender des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM), der sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert und als Pate eine 28-köpfige Flüchtlingsgruppe in Büren betreut.

Ismail, Jalal und Heba leben seit Oktober vergangenen Jahres in Deutschland und haben zuvor bereits in ihrer Heimat studiert. Der Iraker Ismail hat ein abgeschlossenes Studium im Bereich Elektrotechnik, das er in englischer Sprache absolviert hat. In Deutschland möchte er sich gerne weiterbilden und versuchen, seinen Abschluss anerkennen zu lassen, damit er ein Masterstudium anschließen kann.

Jalal kommt ursprünglich aus Damaskus und hatte dort ein wirtschaftswissenschaftliches Studium begonnen, dieses aber wegen des Krieges nicht abschließen können. Aus diesem Grund möchte er jetzt in Deutschland neu anfangen und hofft, eines Tages bei einem Flugzeugbauer zu arbeiten.

Heba stammt aus Aleppo und hat dort Geschichte studiert. Sie möchte nach ihrem Deutschkurs nach Aachen ziehen, da ein Teil ihrer Familie dort lebt. Die junge Studentin freut sich sehr, jetzt in Deutschland sein zu können.

"Erklärtes Ziel des Besuches an der FH Bielefeld ist es, den ersten Kontakt zu einer deutschen Hochschule herzustellen und damit die notwendigen Schritte zur Wiederaufnahme des Studiums zu erleichtern", hält Professor Feyerabend fest.

Begrüßt wurden die Gäste von Prof. Dr. Lothar Budde, dem Dekan des Fachbereichs IuM, bevor sie sich zunächst auf den Weg zu einer Marketing-Vorlesung von Prof. Dr. Hildegard Manz-Schumacher machten. Anschließend gab Feyerabend einen Kurzvortrag über die Studienmöglichkeiten an der FH Bielefeld. Hussein Manzour, Student aus dem Fachbereich IuM, übersetzte den Vortrag ins Arabische. Er war selbst aus dem Libanon geflüchtet und auch aus diesem Grund gerne bereit, einen Einblick in seine Erfahrungen zu geben.

Nach dem Besuch in einigen Laboren und im Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit ging es zum Mittagessen in die Mensa. Im Anschluss gab Prof. Dr. Marc-Oliver Schierenberg Einblicke in seine Physikvorlesung für Erstsemester.

Die vier Gäste kennen sich aus dem Intensivdeutschkurs, den sie seit Oktober acht Stunden täglich besuchen. Zwar wissen sie bisher nicht, wohin der Weg sie führt, da es in der Regel bis zu zwölf Monate dauern kann, bis der endgültige Wohnort eines jeden Flüchtlings festgelegt wird. Aber mit dem Besuch einiger Vorlesungen und dem Austausch mit Studierenden aus Bielefeld wurden Unsicherheiten in Bezug auf die Zukunft abgebaut. "Es gibt einem das Gefühl, dem Ziel des Weiterstudierens ein Stückchen näher zu kommen", so Ismail, der mittlerweile schon ein wenig Deutsch gelernt hat. Am liebsten wäre ihm aber ein Studium auf Englisch, denn in dieser Sprache fühle er sich fast zu Hause. Feyerabend wies darauf hin, dass sich die Studierwilligen am besten an das Akademische Auslandsamt der Hochschule wenden, um Details über Studienvoraussetzungen, zum Beispiel die verlangten Deutschkenntnisse, zu erfahren.  

Dekan Budde zeigte sich nach Rücksprache mit den Studierenden überzeugt: "Das Anliegen des Kollegen Feyerabend, den Vieren ein realistisches Bild des Hochschulalltags zu zeichnen, ist gelungen. Mit Sicherheit fällt es durch Besuche wie den heutigen an der FH Bielefeld ein wenig leichter, die Motivation zum Start in eine ungewisse Zukunft, trotz aller Widrigkeiten, aufzubringen."

Text: Tanja Hage