Die Verzahnung von Theorie und Praxis zeichnet die Studiengänge der Fachhochschulen aus. Ganz neu für Studierende an der Fachochschule (FH) Bielefeld ist, dass ihre frühe Tuchfühlung mit einem Unternehmen zum festen Bestandteil des Studiums wird. Im Rahmen eines Pilotprojekts zwischen Professor Dr. Ralf Hörstmeier vom Fachbereich Maschinenbau und der Hettich-Unternehmensgruppe in Kirchlengern beschäftigten sich rund 30 Studierende im Lehrgebiet Materialfluss, Qualitätswesen und Schlüsselqualifikationen mit der Lösung praxisnaher Kleinprojekte. Die Studierenden präsentierten ihre Ergebnisse am Firmensitz in Kirchlengern vor einer Expertenrunde, die sich aus Vertretern der FH Bielefeld sowie der Hettich Unternehmensgruppe zusammensetzte. Diese abschließende Bewertung durch die Experten gilt als Studienleistung.
In Kleingruppen beschäftigten sich die Studierenden des 6. Semesters mit Problemen innerhalb von Produktionsprozessen, Systemen des Materialflusses und der Entwicklung. Als Vorbereitung für den Praxiseinsatz vermittelten die von Professor Hörstmeier angebotenen Vorlesungen und Übungen einen guten Einstieg, um die Projektarbeit strukturiert und zielorientiert abzuschließen. Im Unternehmen betreuten erfahrene Fachspezialisten die einzelnen Gruppen bei ihrer über mehrere Wochen dauernden Projektarbeit. Innerhalb des gegebenen Zeitrahmens von fünf Wochen wurde den Studentinnen und Studenten viel Eigenständigkeit abgefordert, da die Projektarbeit neben den Vorlesungen und Seminaren zu bewältigen war. Umso bemerkenswerter sind die Lösungen, die strukturiertes Vorgehen und Einfallsreichtum demonstrieren.
Die Studentinnen und Studenten kommentierten das Pilotprojekt in der abschließenden Feedbackrunde als erfolgversprechendes Modell. "Die Tuchfühlung mit dem Unternehmen war äußerst fruchtbar und hilft mir im Studium", resümierte Katja Schröder. "Für das projektorientierte Arbeiten im Studium habe ich viel gelernt. Ich wünsche mir sehr, dass das Projekt fortgeführt wird", so das abschließende Statement von Katja Schröder. Die Mentoren Jürgen Stork, Leiter Werksstrukturplanung, bei Paul Hettich und seine Mitarbeiterin Sonja Siekmeier bewerten das Pilotprojekt als Erfolg. Für die Zukunft wünschen sie sich, die Methodik bei der Durchführung der Projekte noch stärker zu fokussieren.
"Ein Modell, das Schule machen könnte", betonte Professor Hörstmeier im Rahmen der Abschlussveranstaltung am Hettich-Firmensitz. Mit dieser Kooperation greifen Hochschule und Unternehmen die wichtige Verknüpfung von Theorie und Praxis auf. Die Besonderheit liegt nicht nur in der Benotung von praktischen Leistungen, sondern auch in der Chance für Studierende, sich schon während des Studiums wichtige Schlüsselqualifikationen wie die Arbeit in Projekten, fachübergreifendes Denken sowie Präsentationsfähigkeit anzueignen und in einem Unternehmen auszuprobieren. "Wir erwarten von frischgebackenen Absolventinnen und Absolventen, dass sie neben fundiertem Fachwissen über Schlüsselqualifikationen verfügen, welche die fachübergreifende Zusammenarbeit begünstigen", stellt Jörg Hesse, Personalchef der weltweit tätigen Hettich-Gruppe, heraus. Dennoch erwartet Hesse nicht, dass Hochschulen diesen Auftrag allein erfüllen. Unternehmen und Bildungsinstitutionen, da sind sich beide Kooperationspartner einig, müssen viel stärker Hand in Hand arbeiten, um die Studentinnen und Studenten auf ihre zukünftige Berufsfähigkeit noch besser vorzubereiten.
Das Fazit nach Abschluss des Pilotprojekts: Die Kooperation wird auch in Zukunft weitergeführt. Schon jetzt ergeben sich für einige Studierende vertiefende Praktika, Diplomarbeiten und Auslandsaufenthalte, die sie zusammen mit Hettich durchführen werden.
Veröffentlichung des Textes mit Genehmigung des Unternehmens Hettich.