Der OWL-Innovationspreis in der Kategorie "start-up" wurde jetzt Professor Dr. Christoph Jaroschek, Fachbereich Maschinenbau, verliehen für die erfolgreiche Kooperation der Fachhochschule (FH) Bielefeld mit dem jungen Unternehmen Injection Moulding Innovations Ltd. aus Versmold. Prämiert wurde ein neuartiges Tandemwerkzeug mit Bajonett-Verschluss, das die Leistung vorhandener Kunststoff-Spritzgießmaschinen nachhaltig verbessert. Gegenüber herkömmlichen Verfahren lassen sich die Herstellkosten beim Spritzgießen um bis zu 40 Prozent reduzieren und gleichzeitig die Produktionsmenge verdoppeln.
Der Kostendruck bei der Herstellung von Kunststoffprodukten steigt stetig. Dies ist besonders für Zulieferbetriebe ohne eigene Produktpalette problematisch. Eine Möglichkeit zu Kostenreduktion besteht darin, die Leistungsfähigkeit der Verarbeitungsmaschinen zu steigern. An der FH Bielefeld hat Professor Dr. Jaroschek einen Weg gefunden, die bislang ungenutzten Kühlzeiten ebenfalls für die Produktion zu nutzen.
Der neue, von Dr. Jaroschek entwickelte Werkzeugtyp wurde von Werkzeugbau-Meister Udo Werner, Formenbau Lehmann, Bad Salzuflen, in einem Kooperationsprojekt erstmalig gebaut. Dieses Werkzeug besitzt zwei hintereinander angeordnete Ebenen, deren eine während der Kühlphase der anderen befüllt wird. Dazu werden die Ebenen mit einem Bajonett-Verriegelungssystem wechselweise geschlossen gehalten. Die wesentlichen Merkmale des TandemMould genannten Werkzeugs: Das Verriegelungssystem bezieht sich allein auf das Werkzeug. Somit ist das Werkzeug völlig unabhängig von der Spritzgießmaschine und für jeden Spritzgießbetrieb ohne Zusatzkosten sofort einsetzbar. Für die Steuerung des Verriegelungssystems ist eine Sonder-Software notwendig. Dieses Programm wird bereits heute von allen deutschen Spritzgießmaschinenherstellern als "Tandem-Programm" angeboten und kann problemlos nachgerüstet werden.
Analysen zeigen, dass mindesten 20 Prozent aller weltweit hergestellten Spritzgussteile mit TandemMould preiswerter hergestellt werden können. Die Kosten für das System verteuern zwar die Werkzeuge geringfügig, dafür spart der Verarbeiter aber jeweils eine Spritzgießmaschine. Jährlich werden weltweit mehr als 3 Millionen Spritzgießwerkzeuge herstellt. Um diesem Markt Bajonett-Verriegelungen zu liefern, wurde das Unternehmen Injection Moulding Innovations Ltd. in Versmold gegründet als deutsche Niederlassung der britischen Injection Moulding, Herfordshire. Diese Zusammenarbeit garantiert Präsenz auf allen wichtigen Auslandsmärkten.
Innerhalb eines Jahres habe sich, so Dr. Jaroschek, in OWL ein Netzwerk für TandemMould gebildet. Schon heute laufen 25 Werkzeuge in Serie, weitere 25 Werkzeuge sind im Bau und bis Jahresende werden weitere 50 Werkzeuge in Planung sein. "Selbstverständlich wird nicht alles in OWL realisiert werden, die Kernkompetenz wird aber an der FH Bielefeld bleiben", skizziert Jaroschek die weitere Entwicklung. "Dabei ist neben der Verbreitung von Technik die praxisnahe Ausbildung junger Ingenieure unser Ziel".
Der von der OWL Marketing GmbH zum fünften Mal ausgeschriebene Innovationspreis "Marktvisionen" richtet sich an Unternehmen mit Betriebssitz in Ostwestfalen-Lippe, die in den letzten zwei Jahren neue Produkte und Prozesse in den Markt eingeführt haben. Die Neuerungen müssen zudem in der Region entwickelt worden sein. Unterstützt wird der Preis von den Energieversorgern E.ON Westfalen Weser AG und Stadtwerke Bielefeld GmbH.