30.03.2011

Mindener Architekturstudierende bei Internationalem Workshop in Amsterdam

"Streets of Amsterdam 2011" lautete der Titel des 2. Internationalen Workshops an der niederländischen Hogeschool, der Anfang März in Amsterdam stattfand. Zehn Studierende des Campus Minden nahmen in Begleitung ihrer Dozenten teil.

Ermöglicht wurde die Exkursion durch das Intensivprogramm der EU-Bildungsinitiative ERASMUS. Die dreijährige Projektarbeit zwischen der türkischen Mimar Sinan Fine Arts University, der Hogeschool van Amsterdam und der Fachhochschule Bielefeld sieht jährlich einen Workshop vor. Im vergangenen Jahr fand der erste Workshop in Istanbul statt, 2012 steht der Gegenbesuch in Deutschland an. Das Programm soll bei Studierenden und Dozenten das Interesse für einen längeren Auslandsaufenthalt an einer der beteiligten Partnerhochschulen erhöhen. Thematisch steht in dem Projekt die Straße als Charakteristikum städtischen Lebens im Mittelpunkt. (The street as the characteristic of urban life.)

Das Projekt

Das Amsterdamer Innenstadtquartier Kattenburg wurde als Fallbeispiel einer modernen Stadt zur Bearbeitung ausgewählt. Die insgesamt beteiligten 40 Studierenden arbeiteten in acht Arbeitsgruppen zwei Wochen lang an Analyse, Entwurf und Präsentation. Das Zentrum der Stadt mit einer hohen Einwohnerdichte zählt heute 750.000 dessen Großraum weitere 2,5 Millionen Einwohner. Der Workshop forderte die Studierenden zur Erarbeitung von beispielhaften Entwicklungsoptionen für eine 40-jährige Zeilenbau-Siedlung im Innenstadtbereich Amsterdams auf. Die studentischen Analysen der ersten Bearbeitungswoche förderten die Kernschwächen Kattenburgs deutlich zutage: Die Bevölkerung ist überaltert, der Stadtteil mit den angrenzenden Stadtteilen nicht ausreichend vernetzt, öffentliche Räume werden nicht angenommen, es bestehen Nutzungsbarrieren in den Basisgeschossen, umgebende Binnengewässerflächen sind nicht zugänglich und die Bauten sind energetisch rückständig. Die Lösungsansätze der acht Bearbeitungsgruppen waren ganz unterschiedlicher Natur, von behutsamer Neugliederung bis hin zu dem Quartier radikal implantierten baulichen Großformen. Gemeinsam aber war allen Entwürfen der Versuch, durch Verdichtung der baulichen Ausnutzung der aufgeschütteten Halbinsel zu urbaneren Wohn- und Lebensformen, und zugleich der Straße als klar definiertem, öffentlichem Raum zu neuer Bedeutung zu verhelfen.

Rahmenprogramm

Das Begleitprogramm des Workshops sah morgendliche Vorlesungen von Professoren der drei beteiligten Hochschulen sowie weiteren Fachleuten sowie Stadtexkursionen oder Seminargruppenarbeit vor. Am Nachmittag arbeiteten die Studententeams an ihren Analysen und Entwürfen. Aufgrund der kooperierenden Nationalitäten fanden die Gespräche in englischer Sprache statt.

 

Geschichte

Zur Analyse gehört für die Studierenden immer auch ein Blick in die Historie der Stadt: Amsterdam. "Eine Stadt vieler Zeiten und eine Stadt in der Zeit. Eine Stadt, die es zweimal gibt, sichtbar und unsichtbar, aus Stein, und Holz und Wasser und Glas und außerdem noch aus etwas, das sich mit Worten nicht benennen läßt", so beschreibt der Schriftsteller Cees Nootebom seinen Heimatort an der Flussmündung der Amstel zur Zuiderzee, dem heutige IJsselmeer. Es war um das Jahr 1270, als Fischer und Schiffer gegen das Flutwasser der Nordsee einen beschleusten Damm quer zur Amstel zogen und den Namen Amstelledamme begründeten.

Mit Gewährung der Zollfreiheit und bald darauf, zu Anfang des 14. Jahrhunderts, der Verleihung der Stadtrechte wurde der Grundstein für die rasante Entwicklung Amsterdams als Handelsknotenpunkt gelegt. Ihr Gouden Eeuw (goldenes Zeitalter) erlebte die Stadt im 17. Jahrhundert, in dessen erster Hälfte sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelte. Schlechtere Zeiten folgten, selbst die Ernennung zur Hauptstadt zu Anfang des 19. Jahrhunderts konnte nicht verhindern, dass Amsterdam auch in den folgenden Dekaden zusehends degenerierte und zu einer verarmten Stadt abzusinken drohte. Erst mit der Realisierung des Noordzeekanaals 1876, der die Verbindung zur Nordsee und damit zum Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten eröffnete, wurde Amsterdam erneut Zentrum des wissenschaftlich-kulturellen und wirtschaftlichen Lebens, um nach dem Zweiten Weltkrieg ökonomisch allmählich von Rotterdam überflügelt zu werden.

 

Teilnehmende

An dem Workshop teilgenommen haben Professor Andreas Uffelmann, Professor Bernd Niebuhr, Professorin Gesche Grabenhorst, Professor Claus Pruin, die wissenschaftlichen Mitarbeiter Lars Becker und Elmar Kuhlmann sowie die Architekturstudentinnen und -studenten Tina Volquardsen, Lea Erdmann, Carla Copei, Isabell Brand, Tim Soletzki, Filiz Cicek, Aljoscha Hölscher, Seda Teker, Tim Tiemann und Oliver Borschert.