10.10.2013

„Mode ist Faszination, Kult, Schutz und Schmuck“

Professorin Willemina Hoenderken feiert 25-jähriges Dienstjubiläum.

Bielefeld (fhb). Im Jahre 1988 hat sie ihre Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Bielefeld aufgenommen. Ihr Fachbereich Gestaltung, damals Design genannt, sei Ende der 80er-Jahre "stark im künstlerischen Bereich" aufgestellt gewesen. Das hatte sie allerdings nicht abgeschreckt, sondern eher motiviert, hier ihre ganze Schaffenskraft einzubringen. "Ich habe meinen Traumjob gefunden", blickt  Professorin Willemina Hoenderken gern zurück, als sie von FH-Präsidentin Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff am 8. Oktober ihre Urkunde zum 25-jährigen Dienstjubiläum samt kleinem Blumenstrauß überreicht bekommt. Mode-Design und Mode-Grafik sind ihre Spezialdisziplinen, rund 1.000 Studierende hat sie in einem Vierteljahrhundert bis zum Examen betreut. 1992 übernahm sie eine von damals drei Mode-Professuren. Sie hat unter anderem ganz wesentlich dazu beigetragen, die "FH-Modenschau" an ihrem Fachbereich zum alljährlich wiederkehrenden Fest und damit Markenzeichen im überregionalen Kulturkalender zu machen.

Das Kreative und das Künstlerische waren der 1957 im niederländischen Zuidlaren geborenen Individualistin ("Schon zur Grundschulzeit bin ich lieber alleine über den Schulhof gegangen") wohl in die Wiege gelegt. Der Großvater sei ein "begnadeter Schauspieler und Musiker" gewesen, weshalb ihr Kindheitstraum auch der war, die Schauspielschule zu besuchen. Wirklichkeit wurden indes die Ausbildung zur Schneidermeisterin und ein Modedesign-Studium an der Kunstakademie in Arnheim mit dem Schwerpunkt Illustration und Entwurf. 1983 schloss sie damit ab, arbeitete anschließend für internationale Theatergruppen in Amsterdam, kuratierte mehrere Ausstellungen und ging ein Jahr später als Designerin in eine mittelständische Konfektionsfirma. Von 1986 bis zu ihrem Wechsel an die FH Bielefeld war sie als Stylistin im Bereich Firmenberatung, Entwicklung von Trendkollektionen, Fotostyling und Filmkleidung unterwegs und hat für verschiedene Werbeagenturen gezeichnet.

Ihr großes Thema war und ist, ob und inwieweit Mode und Kunst zusammengehen. "Es gibt keine strikte Trennung, Mode ist wohl eine besondere Kunstform", so die Expertin. Mit ihrem in diesem Jahr herausgegebenen, vielbeachteten Handbuch "Mode-Illustrationen" tritt sie den Beweis an, wie sich Mode durch Illustration perfekt inszenieren lässt. Annette Görtz und Anna Zika hat sie als Autorinnen gewinnen können. Rund 400 Zeichnungen, die am Fachbereich entstanden sind, veranschaulichen Technik, Materialien und Grundlagen der Gestaltung. Hoenderken: "Die Mode-Illustration hat einen großen Mehrwert. Sie zeugt von Individualität, vermittelt Zeitgeist und Atmosphäre." Kurzum: "Mode ist Faszination, Kult, Schutz und Schmuck."

Ihr anderes großes Thema heißt Lehre und Studium. Sie hat bemerkt, dass mit dem Bachelor-Master-Einzug das Studium "verschulter" sei, die jungen Leute "viel länger jung bleiben" und die sechs Bachelor-Semester nicht ausreichen, "um künstlerisch zu reifen". Eigentlich, so ihr Fazit, seien die Studierenden "erst mit dem Masterabschluss richtig fertig". Auf einen Satz legt sie in diesem Zusammenhang aber auch wert: "Früher war nicht alles besser."   

Besser, das heißt: etwas komfortabler, geht man allerdings im Nachbarland mit den Dienstjubiläen im öffentlichen Dienst um. Was hier mit einer Urkunde und einem kleinen Blumenstrauß symbolträchtig endet, wird in den Niederlanden mit einem zusätzlichen Monatsgehalt und Geld für ein Essen für vier Personen honoriert. Willemina Hoenderken: "Die Arbeit an der Fachhochschule ist mein großer Luxus. Da kann das Dienstjubiläum ruhig bescheiden ausfallen."