Modellstudiengänge der Pflege- und Gesundheitsfachberufe bewähren sich als erfolgreiches Studienmodell
Abschlussveranstaltung zur Präsentation der Evaluationsergebnisse zu den Modellstudiengängen der Pflege- und Gesundheitsfachberufe in NRW.
Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen hat kürzlich in die Landesvertretung NRW in Berlin zur Präsentation der Evaluationsergebnisse zu den Modellstudiengängen der Pflege- und Gesundheitsberufe eingeladen. Seit 2010 werden an sieben Hochschulstandorten in NRW insgesamt elf Modellstudiengänge erprobt, die extern wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden. Die FH Bielefeld ist mit dem dualen Bachelorstudiengang Gesundheits- und Krankenpflege an der Modellphase beteiligt.
Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, sprach sich bei der Eröffnung für die hochschulische Pflegeausbildung aus: "Die Akademisierung der Pflege- und Gesundheitsfachberufe ist für einen Umdenkprozess für ein neues, qualitätssicherndes sowie multiprofessionelles Versorgungssystem notwendig". Akademisch ausgebildete Pflegende sollen ihre Fähigkeiten "am Patientenbett" vorzeigen, aber auch Forschungsprojekte sowie Forschungsergebnisse in die Praxis einbringen und umsetzen, so Steffens.
Anschließend erklärte die Referatsleiterin Dr. Christine Riesner die Vielfalt der Modelle als politisch gewollt, die durch das externe Evaluationsteam (IPP Bremen, Kath. Stiftungsfachhochschule München) wissenschaftlich begleitet wurde.
Die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten der Modelle stellten Prof. Dr. Wolfgang M. Heffels von der Katholischen Hochschule NRW und Prof. Dr. Christian Grüneberg von der Hochschule für Gesundheit Bochum vor, die stellvertretend für die sieben Hochschulstandorte der Modellstudiengänge NRW standen. Unter dem Titel "Hochschulen gestalten Zukunft" zog Heffels das Resümee, dass es den Hochschulen trotz der restriktiven Vorgaben des Berufsrechts gelungen sei, die Ausbildung in die Hochschulbildung zu überführen und sich gegenseitig ohne Konkurrenzgedanken zu unterstützen. Jedoch formuliert Heffels klare Forderungen nach einer bundesgesetzlichen Verankerung der hochschulischen Ausbildung und einer Verbleibstudie zur Weiterentwicklung der Gesundheitsfachberufe auf Hochschulniveau.
Als zentrales Ergebnis aus der externen Evaluation des Theorie-Praxis-Transfers wurde von Prof. Dr. Ingrid Darmann-Finck vom Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen die Bedeutung der Wissenschaftsorientierung und des Praxisortes als Lernort betont. Darmann-Finck erklärte, dass die vorherrschenden Lernchancen im Praxisfeld nicht ausreichen, um eine hochschulische Ausbildung gemäß dem Europäischen Qualifikationsrahmen zu ermöglichen.
Unter dem Titel "Was bringt die hochschulische Ausbildung?" verdeutlichte Prof. Dr. Bernd Reuschenbach von der Katholische Stiftungsfachhochschule München aus der Kompetenzmessung die positiven Effekte des Studiums auf die Kompetenzen der Studierenden und die Wirksamkeit in der Praxis. Studierende sehen sich in der Selbsteinschätzung im besonderen Maße zur Anwendung wissenschaftlichen Wissens befähigt.
Unter der Fragestellung, wie die Studierenden ihre hochschulische Ausbildung erleben, repräsentierte der Student Jonas Lichtenberger von der FH Bielefeld die Gesundheits- und Krankenpflege. Lichtenberger betonte die enge Verzahnung von Theorie und Praxis als herausragendes Merkmal des Studiengangs. Jedoch erlebt Lichtenberger Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis im praktischen Handlungsfeld, sodass er sich mehr akademisch qualifizierte Praxisanleiter wünscht, die laut Lichtenberger eine Schlüsselfunktion innehaben, um die Studierenden im evidenzbasierten Handeln in der Praxis unterstützen zu können.
Aus der berufsrechtlichen Begleitforschung empfiehlt Prof. Dr. Gerhard Igl vom Instituts für Sozialrecht und Gesundheitsrecht der Universität Kiel den Hochschulen einen entsprechenden Spielraum für die erforderlichen Konkretisierungen und einen zusätzlichen Raum für eigene inhaltliche Gestaltungen zu geben. Igl betonte die gute Zusammenarbeit mit den Modellstudiengängen, insbesondere was die Beschreibung von Qualifikationszielen von Absolventinnen und Absolventen betrifft, die von den Hochschulvertreterinnen und -vertreter entwickelt wurden.
Der Abschluss der Veranstaltung wurde mit den Empfehlungen der externen Evaluation von Prof. Dr. Ingrid Darmann-Finck gestaltet. Auf der Grundlage der Evaluationsergebnisse sprach sich Darmann-Finck beispielsweise für die Überführung der Modellstudiengänge in den Regelbetrieb und der Notwendigkeit einer spezifischen gesetzlichen Regelung aus. Einen deutlichen Bedarf sieht sie in der Integration der Praxiszeiten in das Studium und in verbindliche, berufsgesetzlich verankerte Kriterien für die Praxisausbildung.
Die Empfehlungen werden als richtungsweisend für die Weiterentwicklung der Pflege- und Gesundheitsfachberufe auf hochschulischem Niveau verstanden. In Bezug auf die Überführung der Modellstudiengänge in den Regelbetrieb stimmt der Fachbeirat, dem unter anderem Vertreterinnen und Vertreter der berufsfachlichen Verbände, der Hochschulseite, der Ärztekammern und der freien Wohlfahrtspflege angehören, in seinen Empfehlungen der externen Evaluation zu.