13.11.2013

Nach 23 Jahren in den Ruhestand

Physik-Professor Dr. Roland Schmiedl verlässt den Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik.

Bielefeld (fhb). Seit Oktober 1990 hatte Dr. rer. nat. Roland Schmiedl eine Professur für Physik am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik der Fachhochschule Bielefeld inne. Nach ziemlich genau 23 Jahren geht er jetzt in den Ruhestand. Präsidentin Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff verabschiedete Professor Schmiedl am Donnerstagnachmittag, 31. Oktober. Neben der Lehrtätigkeit hat er über viele Jahre die Studienberatung am Fachbereich übernommen. Als Schatzmeister des Fördervereins der Ingenieurausbildung (GFFE e.V.) war er dort auch Ansprechpartner bei den früher durchgeführten "Energietagen".

"Meine Hauptmotivation in die Lehre zu gehen war immer, dass den Ingenieuren in der Industrie bei technologischen Neuentwicklungen häufig die physikalischen Grundlagen fehlten", sagt Professor Schmiedl. Diese Erfahrung habe er in knapp acht Jahren Industrietätigkeit im Bereich Technologieentwicklung optischer Sensorik zur Qualitätskontrolle gemacht. Die Professur für Physik am damaligen Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik an der FH Bielefeld kam da gerade richtig, um den Studierenden alles Wichtige mit auf den beruflichen Weg geben zu können. Am Anfang habe er das mit unglaublich viel Spaß gemacht, bis zum Umbruch vor gut fünf Jahren, als die Grundlagenvermittlung im Zuge des Bologna-Prozesses drastisch reduziert worden seien. Auch würden die Studienanfänger oft nicht mehr die für ein Ingenieurstudium notwendigen schulischen Voraussetzungen mitbringen, wie noch vor einigen Jahren. "Heute brauchen wir fast zwei Semester, nur um die Grundlagen zu vermitteln, die früher allgemeiner Standard des Hochschulzugangs waren", erklärt Schmiedl, "die ersten zwei Jahre sollten vielmehr dazu da sein, die Studierenden mit den Anforderungen und Herausforderungen des Ingenieurberufs zu konfrontieren, damit sie sich über die Berufswahl im Klaren werden".

Auch die Folgen der Umstellung vom Diplom auf den Bachelor und Master sieht Professor Schmiedl  kritisch. "Die Absolventinnen und Absolventen sind nach dem Bachelor heute noch deutlich zu jung für die Industrie, ihnen fehlt noch viel, um den Erwartungen der Industrie an einen Hochschulabgänger gerecht zu werden", sagt der Physik-Professor. Die Herausforderung etwa einen Kundenauftrag fristgerecht und technisch qualitativ genau umzusetzen, würde zu sehr unterschätzt.

Die nicht unerhebliche Lehrbelastung in den Grundlagenfächern und der fehlende wissenschaftliche Mittelbau würden an der FH wenig Freiraum für großangelegte Forschungsprojekte geben.
"Wir machen hier in der Physik keine Nobel-Preis verdächtigen Durchbrüche in der Forschung, sondern sind eher als unterstützende Problemlöser für die Industrie zu sehen", lautet Professor Schmiedls Feststellung.

Im Ruhestand wird Schmiedl der Fachhochschule aber weiterhin erhalten bleiben. "Ich freue mich, dass Sie den einen oder anderen Lehrauftrag bei uns übernehmen. Ihre Studierenden waren ja immer sehr angetan von Ihrer Lehre", bedankte sich Präsidentin Rennen-Allhoff. Zum Abschied gab es neben der Entlassungsurkunde noch einen feinen Tropfen südfranzösischen Weins, über den sich Professor Schmiedl besonders freute.