11.09.2014

Führungskräfte auf den Ruhestand vorbereiten: Karriere-Rückbau

Maren Schrötgens wird für ihre Bachelor-Arbeit mit dem Preis der Erich-Gutenberg-Gesellschaft ausgezeichnet.

Herford (fhb). Maren Schrötgens (23), Studentin der Wirtschaftspsychologie an der Fachhochschule Bielefeld, wurde am vergangenen Dienstag mit dem Preis der Erich-Gutenberg-Gesellschaft für ihre Bachelor-Arbeit zum Thema Karriere-Rückbau ausgezeichnet. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.

Als Karriere-Rückbau wird der Übergang von einer Vollzeitstelle in den Ruhestand bezeichnet. "Dieser neue Lebensabschnitt wird oft unterschätzt und der Übergang muss dementsprechend besser gestaltet werden«, meint Schrötgens. Sie hat sich insbesondere mit dem Personal der Gebr. Brasseler GmbH in Lemgo beschäftigt. Einige Führungskräfte wechseln dort ab 2020 in den Ruhestand. "Deshalb sind die Nachfolgeplanung und die Wissenskonservierung wichtige Themen«, so Schrötgens.

Berufliche Karrieren sollten, so ihre Vorstellung, nicht kurz vor dem Ruhestand ihren Höhepunkt erreichen, sondern stattdessen in einem Karriere-Bogen verlaufen. Die Führungskräfte würden gegen Ende ihres Berufslebens wieder ein paar Sprossen der Karriereleiter hinabsteigen, um jüngeren den Einstieg rechtzeitig zu ermöglichen. »Hierfür muss aber ein Umdenken in der Gesellschaft und in den Unternehmen stattfinden. Denn heute wird dies noch vom beruflichen und privaten Umfeld als Statusverlust, Degradierung oder Niederlage angesehen«, sagt Schrötgens.

Weitere Ansatzpunkte, Fachwissen und Führungskompetenz der älteren Arbeitnehmer gewinnbringend für das Unternehmen einzusetzen, sieht sie in einem Mentoren-Programm, um den Austausch zwischen jungen und älteren Mitarbeitern zu fördern. Auch das sogenannte Job-Sharing, bei dem sich zwei Angestellte eine Arbeitsstelle teilen, könnte zu einem solchen Maßnahmenkatalog gehören. Interessant sei zudem ein projektbezogener Einsatz pensionierter Mitarbeiter im Unternehmen.

Prof. Dr. Bernd Helbich, der die Bachelor-Arbeit betreute, lobt Schrötgens umfassenden theoretischen und praktischen Ansatz: »Das Thema besitzt eine große soziale Verantwortung, dessen unternehmerische sowie gesellschaftliche Relevanz gut dargelegt wurden.« Die für Brasseler gewonnen Erkenntnisse seien durchaus auf andere Unternehmen übertragbar. »Der Karriere-Rückbau wird wegen des demographischen Wandels nicht nur für die Unternehmen, sondern auch in der Wissenschaft immer mehr Raum einnehmen«, prognostiziert Helbich, dessen Spezialgebiete das Personalmanagement und die Personalführung sind.

Die Bedeutung des Themas hat auch die Erich-Gutenberg-Gesellschaft erkannt: »Unser derzeitiges Jahresmotto ist die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts. Zu diesem Thema fördern wir junge Talente der Wirtschaftswissenschaften aus der Region mit der Auszeichnung hervorragender Abschlussarbeiten der Fachhochschule Bielefeld, der Universität Bielefeld und der Fachhochschule des Mittelstandes. Die Arbeit von Maren Schrötgens beschäftigt sich mit einem wichtigen Bereich dieser zukünftig immer flexibleren Berufswelt«, so Michael Heidkamp, Vorsitzender der Erich-Gutenberg-Gesellschaft. Neben Maren Schrötgens wurde Laura Vollmer von der Universität Bielefeld für ihre Masterarbeit zum Thema »Verbesserung der Flexibilität bei Umsatzschwankungen« ausgezeichnet. Veranstaltungsort der Preisverleihungen war die Sparkasse Herford.