Nach 24 Jahren verlässt Physikprofessor Dr. Michael Karger den Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik.
Bielefeld (fhb). Bei ihm sind alle Maschinenbaustudierenden des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik durch die nicht leichte Schule der Physik gegangen. Nach 24 Jahren verabschiedet sich Dr. rer. nat. Michael Karger, Professor für Experimentalphysik und Maschinenakustik, vom Fachbereich, der Fachhochschule und von Bielefeld, denn er kehrt in seine bayerische Heimat zurück. Aber auch im Ruhestand will der Professor seiner Hochschule verbunden bleiben. Präsidentin Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff bedankte sich am Dienstag bei dem 65-jährigen für sein Engagement, unter anderem als Wahlvorstand, und entließ ihn in mit den besten Wünschen für die Zukunft.
Seit 1989 war Michael Karger für die Physiklehre am Fachbereich zuständig und hat sich damit einen Traum erfüllt. "Mein Berufsziel war immer Physik zu lehren und es hat mir bis zum letzten Tag Spaß gemacht", beschreibt Michael Karger. Als einzigem Professor für das Grundlagenfach Experimentalphysik mussten alle Maschinenbaustudierenden seine Vorlesungen besuchen, so dass er teilweise bis zu 200 Klausuren auf einmal durchschauen musste. Von den Studierenden habe er aber stets positives Feedback bekommen - nicht selbstverständlich bei diesem Fach. "Ich habe versucht, den physikalischen Erkenntnisgewinn mit den geschichtlichen Hintergründen zu verknüpfen, das ist immer auf großes Interesse gestoßen", sagt er. Drei Studierende hat er sogar dazu gebracht, das Maschinenbaustudium abzubrechen und sich für ein reines Physikstudium an einer Universität zu entscheiden.
Trotz der vielen Arbeit, blieb auch Zeit für angenehme Dinge, wie das feierliche Zubereiten der Feuerzangenbowle. Jedes Jahr zelebriert der Fachbereich diese nostalgische Kultaufführung mit dem gleichnamigen Film von Heinz Rühmann und dem besagten Heißgetränk. Neun Jahre hatte Karger das Amt des Zeremonienmeisters inne, der die Feuerzangenbowle zusammenbraut und unter den Studierenden versteigert. "Das war jedes Mal ein großes Theater mit Feuer und Flammen und im letzten Jahr war sogar der WDR zu Besuch", erzählt Karger.
Nach 24 Jahren in Bielefeld geht es für ihn trotzdem zurück in die bayerische Heimat, ins Allgäu. Dort begann sein beruflicher Werdegang mit einem Physikstudium an der TU München. Zuerst beschäftigte er sich mit der Kernphysik, wurde darüber aber zum erklärten Atomkraftgegner und spezialisierte sich schließlich auf Akustik im Bereich des Lärmschutzes. Da sein Ziel die Hochschullehre war, durchlief er nach seiner Promotion die für eine Professur geforderten fünf Jahre Erfahrung in Wirtschaft und Industrie und kam schließlich an die FH Bielefeld. Über die Jahre hat er viele Veränderungen in der Hochschulpolitik miterlebt. Er kritisiert, dass die Lehrinhalte im Fach Physik extrem zusammengestrichen worden sind. "Heute lehren wir weniger als ein Drittel von dem, was vor 20 Jahren gelehrt worden ist. Wenn die Einschränkungen bei den Grundlagenfächern so weiter gehen, wird sich das auf die Ausbildungsqualität im Bereich Maschinenbau auswirken", verdeutlicht Professor Karger.
Ende Juli ist seine Zeit an der FH Bielefeld vorbei. Den neuen Lebensabschnitt wird er mit seiner Frau in Bayern und in seinem Haus in den schottischen Highlands verbringen, worauf er sich schon sehr freut. "Wenn ich dann mal wieder in Bielefeld bin, werde ich bestimmt an der FH vorbeischauen, und sagen Sie mir Bescheid, wenn die Hochschule endlich in den Neubau zieht", verabschiedete sich Michael Karger bei der Übergabe der Urkunde durch Präsidentin Rennen-Allhoff.