08.10.2014

Raum 21 wechselt vom Digitalen ins Analoge

Werke von FH-Studierenden werden in der Alten Stadtbibliothek neben der »Bielefelder Schule« gezeigt.

Bielefeld (fhb). Es wird gehämmert, umgehängt und arrangiert  - einen Tag vor der nächsten Vernissage ist eine Menge los im Raum 21, im ersten Stock der Alten Stadtbibliothek in Bielefeld. Benannt nach dem Zimmer im Prüfungsamt für die Studierenden des Fachbereichs Gestaltung der FH Bielefeld, veröffentlichte der Raum 21 bisher die Abschlussarbeiten der Bachelor- und Masterstudierenden im Schwerpunkt Fotografie im Internet. Nun wechselte er vom Digitalen ins Analoge: In Kooperation mit der Ausstellung »Die Bielefelder Schule - Fotokunst im Kontext« werden im ersten Stock in zwei separaten Räumen Werke von aktuellen und ehemaligen Fotografiestudenten der FH Bielefeld präsentiert. Um mehr Künstler zu zeigen, gibt es vier unterschiedliche Ausstellungen - jede zu einem anderen Thema. Morgen, am Donnerstag 09. Oktober um 19 Uhr, geht der Raum 21 mit einer Vernissage in die zweite Runde, diesmal zum Thema Oberfläche. 

Auf seiner Internetseite hatte der Raum 21 zur Teilnahme aufgerufen und 60 Fotografen hatten sich für die Ausstellung beworben. »Um uns von den Absolventen der FH Bielefeld, die im Rahmen der Bielefelder Schule ausgestellt werden, abzugrenzen, durften nur ehemalige Studierende bis ein Jahr nach ihrem Abschluss teilnehmen«, berichtet Kuratorin Carolin Bollig. »Die Auswahl war sehr schwer«, ergänzt ihr Kollege Giorgio Morra. Deshalb verschlagworteten die fünf Kuratoren, selbst Studierende des Studiengangs Gestaltung mit Schwerpunkt Fotografie, die eingereichten Fotos  und bildeten thematische Gruppen. »Uns war es wichtig, breit gefächerte Begriffe wie die Oberfläche zu verwenden, so dass auch unterschiedliche Formate, wie zum Beispiel eine Dokumentation und eine künstlerische Arbeit, zusammen gezeigt werden können«, erklärt Carolin Bollig. 

Die Unterschiedlichkeit der Werke wird schon bei zwei Künstlern deutlich: Michael Kohls hat Jugendliche in einem Friseursalon, der als Jugendtreff dient, porträtiert: »Ich zeige die Jugendlichen in ihrem Mikrokosmos, in dem sie sich ungezwungen verhalten. Es geht um Jugendkultur, Männlichkeitsbilder, aber auch Körperlichkeit oder Styling«. Die Bilder der jungen Männer werden mit einem Beamer in scharz-weiß und Überlebensgröße an die Wand geworfen. An der gegenüberliegenden Seite sind dagegen ganz andere Werke erkennbar: In bunten, kleineren Bildern zeigen sie eine Art Paradies. Jewgeni Roppel lichtete ein Kibbuz in der israelischen Negev-Wüste ab. »Die Einwohner dort haben sich das sozial-wirtschaftliche System der Ursprungsidee der Kibbuze erhalten«, berichtet Jewgeni Roppel. Zweimal ist er für jeweils drei Wochen dort gewesen. »Die Mauern des Kibbuzes schützen die Bewohner vor der Außenwelt, schotten sie aber auch davon ab. Denn die Bewohner wollen sich auch von der politischen Situation in Israel distanzieren. Sie haben sich dort ihre eigene Utopie geschaffen, in der sie leben«, sagt Jewgeni Roppel.

Außerdem werden bis zum 26. Oktober Amelie Befeldt, Franziskus Dornhege und Robert Lüdtke ihre Werke zum Thema Oberfläche präsentieren. Ab 30. Oktober dreht sich dann alles um die vier Dimensionen der Wahrnehmung.

Der digitale Raum 21 ist zu finden unter www.raum-21.org

Alles über die vier Austellungen kann hier nachgelesen werden.