09.11.2011

„Vielfalt und Buntheit soll etwas Normales werden“

Lebhaft diskutiert wurde bei der Ringvorlesung „Bielefeld wird bunter“ am Fachbereich Sozialwesen zum Integrationskonzept der Stadt Bielefeld.

Bielefeld (fhb). Lebhaft diskutiert wurde am Dienstag, 8. November, bei der Ringvorlesung „Bielefeld wird bunter“ am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule (FH) Bielefeld. 50 Studierende und Interessierte waren erschienen. Auf dem Plan stand das Integrationskonzept der Stadt Bielefeld. Karl-Heinz Voßhans und Emir Ali Sag vom Amt für Integration und kulturelle Angelegenheiten waren eingeladen, um das Konzept ausführlich vorzustellen. Doch dazu kamen die beiden nur in Ansätzen, denn schon  nach kurzer Zeit gaben Kritik und Anregungen seitens der Studierenden Grund für rege Diskussionen.

Integration gehört laut Voßhans in Bielefeld zu einem der wichtigsten Themen. Denn rund 100.000 der hier lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund. Das ist ein Drittel der Stadtbevölkerung. Und in Zukunft werde der Anteil noch wachsen. So habe schon jetzt jedes zweite Kind unter drei Jahren einen Migrationshintergrund. Im Vergleich mit anderen nordrhein-westfälischen Städten belege Bielefeld mit diesen Zahlen einen Spitzenplatz.

Die unterschiedliche Herkunft, die verschiedenen Kulturen und Religionen schaffen in Bielefeld eine Vielfalt. Laut Voßhans für die Stadt sowohl Chance als auch Herausforderung: „Wir müssen es schaffen, trotz der Unterschiede ein Zusammenleben vor Ort zu fördern.“ Wege und Mittel zur Umsetzung dieses Vorhabens sind im so genannten „Integrationskonzept“ aufgeführt, das 2010 in Kraft getreten ist.

Besonderes Augenmerk legt die Stadt auf die Sprachförderung. 1,4 Millionen Euro von den insgesamt zur Verfügung stehenden 2,6 Millionen Euro werden laut Voßhans hierfür aufgewendet – für einige Studierende im Publikum ein fragwürdiges Verhältnis. Denn obwohl sich alle einig sind, dass Bildung eine wichtige Rolle für die Integration spielt, rückt diese ungleichmäßige Verteilung der Mittel andere Projekte in den Hintergrund. „Nur die Sprache zu lernen, reicht nicht aus. Die Leute müssen sich hier wohlfühlen. Dann sind sie auch bereit, sich einzusetzen“, sagte ein Student. Akuter Handlungsbedarf bestehe beispielsweise bei der Wohnsituation: „Oft wohnt die komplette Großfamilie zusammengepfercht in einer kleinen Wohnung. Das muss sich ändern.“

Die Sprachförderung betont zudem Defizite und nicht Ressourcen. Ein Problem, das den beiden städtischen Mitarbeitern bewusst ist. „Es ist ein Prozess, dass die Vielfalt und Buntheit in unserer Stadt zu etwas Normalem werden. Wir müssen aus unseren Erfahrungen lernen“, sagte Voßhans.

Diskutiert wurden auch die Begriffe „Migration“ und „Integration“: „Die fördern das Wir-Ihr-Denken, ganz nach dem Motto: Was müsst ihr für ein besseres Miteinander tun. Einheimische fühlen sich von diesen Begriffen oft nicht angesprochen“, gab eine Studentin zu Bedenken und schlug vor, die Wörter abzuschaffen. Ansprechender sei die Bezeichnung „Amt für sozial gerechtes Zusammenleben“. Auch das Konzept könne dementsprechend betitelt werden.

Die Kritik und die Anregungen nahmen Voßhans und Sag dankbar entgegen. Voßhans betonte, dass er das Integrationskonzept nicht als abgeschlossene Arbeit sondern als Diskussionsstand betrachte. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Konzeptes sei wichtig.