29.07.2013

Schwarztee und regelmäßige Körperpflege

Studierende des dualen Studiengangs „Gesundheit und Krankenpflege“ helfen mit praxisnahen Forschungsprojekten Patienten und Pflegepersonal an Mindener Klinik.

Minden (fhb). "Diese Projekte kommen den Patientinnen und Patienten zugute", sagt Professorin Dr. Irene Müller bei der Posterpräsentation. Während ihres Praxiseinsatzes am Johannes Wesling Klinikum (JWK) in Minden haben 18 Studierende des dualen Studiengangs "Gesundheits- und Krankenpflege" vom Campus Minden mit unterschiedlichen Projekten Themen aufgegriffen, die sowohl Patienten als auch der Pflegepraxis auf den einzelnen Stationen helfen. Ob Schwarztee-Auflagen gegen extremen Juckreiz bei Patienten mit Nierenversagen, auf Patienten abgestimmte Aufenthaltsräume oder Broschüren mit wichtigen Tipps zum Umgang mit bestimmten Krankheiten und Therapien - die Projekte haben großen Erfolg. Sowohl das Krankenhaus als auch die Professorinnen und Professoren sind mit der Zusammenarbeit und den Ergebnissen hoch zufrieden. Ihre Projekte haben die Studierenden jetzt in einer Posterpräsentation im JWK ausgestellt.

Das duale Studium besteht aus einer engen Vernetzung zwischen Hochschule und Kooperationspartnern, bei denen die Studierenden ihren praktischen Ausbildungsanteil des Studiums erhalten. In Minden arbeitet die FH Bielefeld mit den Mühlenkreiskliniken zusammen. Während sie im Praxiseinsatz auf den Krankenstationen des JWK waren, haben die 18 Studierenden in enger Abstimmung mit den dortigen Stationsleitungen und den Lehrenden des dualen Studiengangs Ideen entwickelt, zu denen sie ein Projekt angehen konnten. Es sollte vor allem "klientenzentriert" sein, was bedeutet, dass sowohl Patienten als auch das Pflegepersonal von den Ergebnissen profitieren sollten. "Wir haben Themen ausgesucht, die direkt aus der Pflegepraxis kommen, damit das neue Wissen auch wieder in die Praxis zurückfließt", erklärt Professorin Müller die Herangehensweise.

So hat sich Studentin Sabine Penner (21) auf der onkologischen Station des JWK, auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse, mit der richtigen Hautpflege für Strahlenpatienten beschäftigt. Bei Patienten, die sich wegen eines Krebsleidens einer Strahlentherapie unterziehen müssen, können mitunter Hautreaktionen bis zu hochgradigen Verbrennungen auftreten. "Bisher gab es auf der Station keine einheitlichen Infos für die Patienten und deshalb waren sie auch dementsprechend verunsichert, wie sie ihre Haut schützen sollten", erzählt Sabine Penner. Waschen oder nicht waschen, mit Seife oder ohne - die Anweisungen der Pflegekräfte seien sehr unterschiedlich ausgefallen. Früher habe es für Strahlenpatienten sogar ein Waschverbot gegeben. "Mit meiner Literaturforschung konnte ich diese These aber widerlegen, und es hat sich herausgestellt, dass es auf jeden Fall einen positiven Effekt hat, wenn die Haut gewaschen wird", erklärt die Studentin. Solange alkoholfreie Produkte verwendet werden, ist das für die Haut sehr gut.
Ihre Ergebnisse hat Sabine Penner in einer Broschüre zusammengefasst, die sogar das Interesse des Qualitätsmanagement des JWK auf den Plan gerufen hat. Daraus sollen hausinterne Leitlinien für das Pflegepersonal entstehen, damit den Patienten einheitlich und nach festen Absprachen geholfen werden kann.

Geholfen hat auch Sarina Stockmann (20) den Patienten von der nephrologischen Station. Mit Schwarztee-Auflagen konnte sie den extremen Juckreiz bei Dialysepatienten nachhaltig lindern. Bei einem akuten Nierenversagen müssen Patienten an die künstliche Blutwäsche, die Dialyse, angeschlossen werden. Diese filtert Gift- und Harnstoffe aus dem Blut, um Organschäden vorzubeugen. Bei über 50 Prozent der Patienten lagern sich dennoch Harnstoffe in der Haut ab, die einen extremen Juckreiz auslösen können. "Im Gespräch mit den Patienten hat mir einer gesagt, dass 'der Juckreiz schlimmer als jeder vorstellbare Schmerz ist' und dass er deswegen schon Suizidgedanken gehabt hat", sagt Stockmann. Zu dem Leidensdruck der Patienten komme oft die Hilflosigkeit der Pflegerinnen und Pfleger, da es auch hier keine einheitlichen Absprachen zu Abhilfe gebe. Zusammen mit Professor Dr. Matthias Mertin von der FH Bielefeld, hat sie sich dann für die Anwendung mit Schwarztee-Auflagen entschieden. Bei nur sechs Anwendungstagen und einer Anwendungsdauer von lediglich fünf bis zehn Minuten pro Tag konnte sie bei  allen vier Testpersonen den Juckreiz wesentlich lindern.

Vor Behandlungsbeginn gaben die Patienten den Juckreiz auf einer Skala mit dem höchsten Wert an, während der Behandlung reduzierte sich dieser bei allen um mindestens zwei Punkte. An den folgenden Behandlungstagen lagen die Anfangswerte direkt unter Zehn und haben immer weiter abgenommen. "Bei einer Patientin habe ich sogar nur eine Anwendung gemacht und selbst fünf Tage danach war der Juckreiz immer noch nicht wiedergekehrt", freut sich Stockmann über ihren Erfolg.
Auch ihre Ergebnisse hat sie in einer Broschüre zusammengefasst. Ihrer Meinung nach sind die Schwarztee-Auflagen ein günstiges und wirksames Mittel, um Dialysepatienten schnell Abhilfe zu verschaffen. "Teeküchen, Wasser und schwarzen Tee gibt es auf jeder Station. Deshalb kann das wirklich jede Pflegekraft anwenden und die Patienten können die Auflagen auch ganz einfach zu Hause machen", sagt Stockmann.

Beide Studentinnen möchten sich mit ihren Projekten noch weiter beschäftigten und diese vielleicht sogar für ihre Bachelorarbeit aufgreifen.