26.03.2015

Sprache sichtbar machen

Ausstellung der Bielefelder Bibel in der Stadtbibliothek / Auswahlbibel wird 2016 veröffentlicht.

Bielefeld (fhb). Von keinem anderen Buch gibt es so viele verschiedene Versionen und Übersetzungen wie von der Bibel. Eine weitere und ganz besondere Version wird bis zum 2. Mai in der Bielefelder Stadtbibliothek ausgestellt: die sogenannte Bielefelder Bibel. Sie ist ein Gemeinschaftprojekt der Fachhochschule (FH) Bielefeld mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Am Freitag, 20. März, wurde die Ausstellung feierlich eröffnet.

Ansatzpunkt des Teams um Prof. Dirk Fütterer vom Fachbereich Gestaltung der FH Bielefeld war die Typographie der Bibel: "Bisher sahen die modernen Layouts alle gleich aus: Zweispaltiger Aufbau mit dünnem Papier." Diese leseunfreundliche Gestaltung sollte aufgebrochen und stattdessen Leselust geweckt werden.  "Wir wollten die Sprache sichtbar machen", sagte Fütterer.  Denn die Bibel bestehe aus vielen verschiedenen Büchern und Textsorten, erklärte Dr. Melanie Peetz, Dozentin an der PTH Sankt Georgen. Darunter seien unter anderem Lieder, Briefe oder auch Gesetze. Ziel des Projekts ist eine Gestaltung, die dem Leser gleich verrät, welche Art von Text vorliegt. Briefe werden also mit Anrede und Schuss versehen und Gesetztestexte klein und eng im zweispaltigen Layout gestaltet - während die Schöpfung in größerer Schrift pro Tag eine Seite braucht: "Denn wenn an einem Tag bereits das Licht geschaffen wurde, kann man die Seite danach auch mal enden lassen", findet Fütterer.

In der fünfjährigen Laufzeit des Projekts mit bisher mehr als 60 teilnehmenden Studierenden und Absolventen der FH Bielefeld,  habe man viele Ideen gehabt und auch einige wieder verworfen.  "Wir haben sogar mal überlegt, die 73 Bücher in einzelnen Bänden zu gestalten", verriet Arne Vogt von der FH Bielefeld. Doch da ein paar der Bücher nur aus einer Seite bestanden hätten, konnte die Idee nicht umgesetzt werden. Stattdessen wurden die 73 Teile der Bibel mit Hilfe der Exegeten der PTH Sankt Georgen in zehn Kategorien unterteilt und anschließend wiederum in fünf Bänden zusammengefasst: Tora, Geschichte, Weisheit, Propheten und Neues Testament.

Der gestaltete Text wurde vom Verlag Herder aus Freiburg zur Verfügung gestellt und ist die sogenannte Herder-Übersetzung der Bibel. "Wir lieferten den Text, Bielefeld die Gestaltung und Frankfurt die Exegese", fasste Dr. Bruno Steimer vom Verlag Herder zusammen. Und er hatte auch eine Überraschung mit zur Ausstellungeröffnung gebracht: Die Bielefelder Bibel wird, wenn auch erst einmal als Auswahlbibel, veröffentlicht. "Die vollständigen fünf Bände in einer Leinenkassette, wie von Prof. Dirk Fütterer gewünscht, würden eventuell den Kostenrahmen der Käufer sprengen", so Steimer. Geplant ist die Veröffentlichung des 200seitigen Bandes im Frühjahr 2016.

Innerhalb der Ausstellung in der Stadtbibliothek Bielefeld wird nicht nur ein Exemplar der Bielefelder Bibel gezeigt. Auch historische oder besondere Exemplare, wie eine Taschenbibel, sind ausgestellt. Harald Pilzer, Direktor der Stadtbibliothek, nannte die Ausstellung "die Rückkehr des einen Buches zu den Büchern."