18.08.2016

Jede Chance nutzen

Boubacar Sow floh aus seiner Heimat Guinea. Derzeit absolviert er ein Praktikum an der FH Bielefeld.

Bielefeld (fhb). Seit Dezember ist Boubacar Sow in Bielefeld. Ursprünglich kommt er aus Siguiri in Guinea. Seine Flucht nach Europa dauerte rund fünf Wochen. Unter anderem ist er mit einem Boot vom türkischen Izmir zur griechischen Insel Samos übergesetzt. Kaum in Deutschland angekommen, wurde er von Unterkunft zu Unterkunft geschickt. In Bielefeld durfte er schließlich bleiben. Untergekommen war er im Flüchtlingsheim im ehemaligen FH-Standort an der Wilhelm-Bertelsmann-Straße. Seit drei Monaten lebt Sow in einer Wohngruppe im selben Gebäude.

Derzeit absolviert Sow für sechs Wochen ein Praktikum in der mechanischen Werkstatt des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik der Fachhochschule (FH) Bielefeld, fährt also täglich vom alten FH-Standort zum neuen Hauptgebäude. Boubacar Sow hat bereits einen Bachelor in Business Administration im Bereich Human Resources abgeschlossen. In der mechanischen Werkstatt lernt er nun nicht nur das Feilen, Sägen, Drehen und Fräsen, sondern auch die Programmierung und Fertigung an CNC-Fräs- und Drehmaschinen. "Ich freue mich über das Interesse von Herrn Sow für unsere Hochschule, insbesondere auch deshalb, weil er durch seine Unterkunft im ehemaligen FH-Gebäude bereits eine Nähe zum Fachbereich hat. Und vielleicht studiert er ja auch ab dem nächsten Jahr bei uns“, sagt Dekan Prof. Dr.-Ing. Lothar Budde.

Ob er nun ein Ingenieurstudium anpeilt oder in Richtung Wirtschaft weiterstudieren will, weiß Boubacar Sow noch nicht: „Ich würde auch erst einmal eine Ausbildung machen. Ich nutze jede Chance, die ich bekomme“. Derzeit liegt sein Fokus erst einmal darauf, Deutsch zu lernen: „Ich will mich integrieren und da ist es das Wichtigste, die Sprache zu können“. Dabei klappe das Lesen und Schreiben schon sehr gut, aber „das Sprechen muss ich üben“, sagt der 26-Jährige. Auch dabei helfe ihm das Praktikum: „Ich lerne hier nicht nur die Technik, sondern auch neue Wörter, die ich noch nicht kannte. Das motiviert mich.“

Und das kann man wirklich sehen: „Er versteht alles sehr schnell und bewältigt die anfallenden Arbeiten mit Begeisterung. Da kann sich manch ein Auszubildender ein Beispiel dran nehmen“, meint Dominique Siebert. Sie unterstützt Werkstattleiter Roland Foth bei der Betreuung der Auszubildenden zum Zerspanungsmechaniker in der mechanischen Werkstatt und von „Bouba“, wie ihn hier alle nennen. Und wer weiß, vielleicht kehrt er ja nächstes Jahr als Student zurück an die FH Bielefeld.