Geflüchteten Menschen helfen und dabei Erlerntes aus dem Studium erproben. Das klingt nach einer guten Idee, fanden sieben angehende Wirtschaftspsychologinnen und Wirtschaftspsychologen der FH Bielefeld. Und so starteten sie ihr Forschungsprojekt und untersuchten die Bereitschaft ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen, Flüchtlingen ganz konkret helfen zu wollen. Die Befragung von insgesamt 272 Studierenden unterschiedlichster Fachrichtungen zeigte, dass die allgemeine Hilfsbereitschaft mit knapp 70 Prozent sehr hoch einzuschätzen ist. Über die Hälfte der Studierenden sei zudem bereit, sich mindestens einmal im Monat aktiv in der Flüchtlingshilfe zu engagieren, hält die Projektbetreuerin Liv Zühlke fest.
Die studentische Forschergruppe interessierte auch, welche Aktivitäten in diesem Zusammenhang für die Befragten attraktiv wären, wobei sich deutliche Geschlechterunterschiede zeigten. So stehen bei weiblichen Studierenden gemeinsame kulinarische Events sowie Gesellschaftsspiele oder Ausflüge in die Natur zusammen mit den Geflüchteten am höchsten im Kurs. Die männlichen Befragten bevorzugen eindeutig sportliche Aktivitäten und fachliche Veranstaltungen, etwa gemeinsame Experimente oder Besuche von Vorträgen. Sowohl Frauen als auch Männer wünschen sich Rahmenbedingungen, die einen Mix aus organisierten und selbstorganisierten Aktivitäten erlauben, idealerweise betreut durch einen Hauptverantwortlichen der FH, wobei hier durchaus eine studentische Leitung denkbar sei, so Zühlke.
Was den Transfer von Studieninhalten anbelangt, so stand hier für die Forschenden die Entdeckung und Förderung von so genannten Soft Skills bei den Geflüchteten, insbesondere Selbst- und Sozialkompetenz, im Vordergrund. Diese Kompetenzbündel, zu dem unter anderem Zuverlässigkeit, Kritikfähigkeit und auch Teamorientierung gehören, werden berufsübergreifend nachgefragt und können somit die Integration in den Arbeitsmarkt entscheidend unterstützen. Liv Zühlke: „Wert gelegt wird hier auf eine spielerische Vermittlung im Rahmen der oben genannten Aktivitäten durch engagierte Studierende, die als Paten fungieren sollen.“
Auf Basis der erhobenen Daten entwickelte die studentische Forschergruppe ein erstes Grobkonzept für ein Patenschaftsprojekt zwischen Studierenden und Geflüchteten. Mit diesen Ideen im Gepäck sollen nun geeignete Kooperationspartner angesprochen werden.