Absolventinnen und Absolventen des Fachbereichs Gestaltung zeigen ihre Abschlussarbeiten bei Werkschau und Modenschau. Zwei Studierende und eine Absolventin sind mit dem 8. Bielefelder Modepreis ausgezeichnet worden.
Bielefeld (fhb). „Dieses Jahr bekommen Sie ein umfassendes Bild der gelebten schöpferischen Arbeit am Fachbereich Gestaltung“, verspricht Dekan Prof. Roman Bezjak bei der Vernissage der Werkschau, der Ausstellung aller Abschlussarbeiten des aktuellen Semesters des Studiengangs Gestaltung der Fachhochschule (FH) Bielefeld. Denn erstmals ist auch die Modenschau, bei der einmal im Jahr Abschlusskollektionen, aber auch Seminararbeiten ausschließlich der Studienrichtung Mode gezeigt werden, in die Werkschau vom 8. bis 10. Juli integriert.
Bereits zum 8. Mal wird während der Modenschau der Bielefelder Modepreis verliehen. Absolventin Katharina Münch überzeugt die Jury mit ihrer Bachelor-Kollektion „Tragfläche“. Maike Baier für ihre Arbeiten im Seminar „Beauty comes from strange places“ von Prof. Meiken Rau und Andreas Stang für seine Werke aus dem Seminar „50‘s in Fashion“ von Prof. Willemina Hoenderken werden ebenfalls ausgezeichnet. Das Preisgeld beläuft sich auf 1.500 Euro und wurde von der Fördergesellschaft der FH Bielefeld gestiftet. Die Jury besteht aus Anna Smit, Modedesignerin bei COS in London, Saskia Schijen, Modedesignerin bei Stella McCartney in London, Philipp Schueller, Modedesigner bei Schueller de Waal in Amsterdam, und Heidi Hagen-Pekdemir, Journalistin der Neuen Westfälischen Zeitung in Bielefeld.
Neben den 14 Bachelorkollektionen und einer Masterkollektion werden auch Arbeiten aus fünf Studienseminaren gezeigt. Alle Kreationen aus dem Seminar „The Mix“ von Johannes Assig tragen Models mit einer Art Mundschutz mit aufgedrucktem Mund und Kinn des jeweils anderen Geschlechts. Denn die Werke, teils rücken- und schulterfrei oder auch auf den ersten Blick nur schwer zwischen Hose und Rock zu unterscheiden, sind für beide Geschlechter konzipiert. Die Arbeiten aus „NonKonform“ von Prof. Kai Dünhölter sind ausschließlich für Männer bestimmt, während die Kreationen aus dem Kurs „Kleiderordnung“ von Christina Schamerloh durch dunkle Farben und einzelne bunte Aspekte wie Bänder oder Applikationen bestechen.
Besonders auffällig sind aber die Arbeiten aus dem Seminar „50’s in Fashion“. „Die Studierenden sollten in die Geschichte eintauchen und sich mit der Zeit auseinandersetzen“, sagt Dozentin Prof. Willemina Hoenderken. So haben auch einige Studierende ihre Großeltern über die 1950er Jahre interviewt. Das Ergebnis: Aufwendige Brokatkleider, ein Kleid als Mauer oder ein Petticoat kombiniert mit einer Zwangsjacke. Alle Kreationen werden ab November in der Ausstellung „THE FIFTIES – Rauch und Neuanfang“ im Bielefelder Museum Huelsmann gezeigt.
Nicht alle der entstandenen 1950er-Werke werden dabei auf dem Catwalk präsentiert. Modeabsolventin Justine Loddenkemper schuf statt Kleidung Kopfbedeckungen, die in einem Raum der Werkschau zu sehen sind. Die fünf imposanten Masken repräsentieren jeweils einen Aspekt der 1950er Jahre in Deutschland. „Die grüne Maske steht für die Nachkriegsgesellschaft, die blaue für Politik und Zeitgeschehen, rosa behandelt die Frauenfrage, gelb steht für die Kriegstraumata und die mit den Schallplatten soll die Jugendkultur widerspiegeln“, erklärt Loddenkemper.
Gleich nebenan stellt Fotografieabsolventin Ann-Christin Hollmann ihre Bilder aus. Sie fotografierte Gegenstände, die Flüchtlinge mit nach Deutschland gebracht haben. „Dabei habe ich mein Augenmerk besonders auf jene Dinge geworfen, die etwas über die Person, die Kultur und die Herkunft der Personen aussagen. Ich wollte herausfinden, was das Wichtigste ist, wenn man seine Heimat auf unbestimmte Zeit verlässt“, so Hollmann. Mit ihrer Arbeit wolle sie Empathie und Neugier wecken, gerade weil das Thema bereits so übersättigt sei. Auch deshalb habe sie zu den Bildern ein kleines Begleitheft mit den Geschichten zu den gezeigten Gegenständen erstellt.
Mit einem anderen wichtigen gesellschaftlichen Thema hat sich Sarah Lüker auseinandergesetzt. Die Grafik-Absolventin erstellte eine Aufklärungsinitiative mit zwölf Lehrplakaten mit Info-Grafiken zum Thema Müll und Recycling. „Ich will darstellen, was mit dem Müll in den Entsorgungszentren passiert, um so für eine bessere Aufklärung über die Mülltrennung zu sorgen“, sagt Lüker. Denn erschreckend sei, dass die Menschheit theoretisch 2,5 Erdplaneten bräuchte, um den bisher produzierten Müll zu kompensieren.
Insgesamt stellten auf der Werkschau 62 Absolventinnen und Absolventen der drei Studienrichtungen Mode, Grafik und Kommunikationsdesign sowie Fotografie und Medien ihre Abschlussarbeiten aus. Hinzu kamen die sechs Modenschauen, bei denen jeweils 170 Zuschauerinnen und Zuschauer die Arbeiten aus fünf Seminaren sowie die Abschluss-Kollektionen von 15 Bachelorabsolventinnen und einem Masterabsolventen präsentiert wurden.