3. Bielefelder Investment-Forum an der FH Bielefeld mit großer Beteiligung und intensiver Diskussion.
Bielefeld (fhb). Das 3. Bielefelder Investment-Forum an der Fachhochschule (FH) Bielefeld mit rund 150 Teilnehmenden stand ganz im Zeichen aktueller Fragestellungen, die sowohl die Fachleute der Bankenbranche als auch Studierende der Wirtschaftswissenschaften zurzeit über die Maßen interessieren und teils auch beunruhigen: Wird es demnächst kein Bargeld mehr geben? Wie lege ich mein Geld an, welche Investitionen sind angesichts von Negativzinsen noch sinnvoll? Prof. Dr. Andreas Uphaus, Finanzwirtschafts-Experte der FH Bielefeld und gleichzeitig Mitveranstalter des Investmentforums: „Diese Fragen wurden anhand der Anlageklassen Aktien, Anleihen und Immobilien sowohl für das aktuelle Marktumfeld als auch modellhaft für den Fall weiter fallender Zinsen diskutiert.“ Zwar würden prinzipielle Investitionsanreize mangels attraktiver Alternativen gegeben sein, die Investoren würden jedoch auch gezwungen, den Risikoeinsatz zu erhöhen. „Dies führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Bildung von Spekulationsblasen und letztlich zu einer hohen Crashgefahr“, so Uphaus. Lediglich Investitionen in Innovationen sowie immaterielle und nachhaltige Investitionen könnten Perspektiven versprechen.
Das Investment-Forum versteht sich als Treffpunkt für Studierende, Banken, Unternehmen, Bürger und alle weiteren Interessierten. „Hier werden brandaktuelle Themen, Probleme und Entwicklungen rund um die Finanzwelt vertieft und diskutiert“, stellte Uphaus fest und ergänzte: „Insbesondere Studierende haben dabei fernab von Credits und engen Stundenplänen die Möglichkeit, sich aus erster Hand über wirtschaftlich und gesellschaftlich sehr relevante Themen zu informieren, sich eine Meinung zu bilden und aktiv in die Diskussion einzusteigen. Der Praxisbezug zur Finanzwelt wird so direkt erlebbar.“
Einen „ganz besonderen Dank“ richtete Prof. Dr. Uwe Rössler, der Dekan des Fachbereichs Wirtschaft und Gesundheit, an die Bankenvereinigung Bielefeld, „die dieses Forum als Mitveranstalter mit äußerst hochkarätigen Referenten unterstützt“. Susanne Müller, die Leiterin der Bielefelder Niederlassung des Bankhaus Lampe KG, begrüßte namens der Bankenvereinigung die Gäste. Das Investment-Forum sei ins Leben gerufen worden, um vor allem die Studierenden mit Themen aus der beruflichen Praxis vertraut zu machen. Susanne Müller: „Die jungen Menschen wollen wissen, was Sie mit ihrem Studium anfangen können. Wir geben Antworten.“
Einer der Finanzexperten ist Dr. Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe KG, der über die “Zinswende – Illusion oder Realität?“ sprach. Seine Bestandsaufnahme: In den vergangenen Jahren sei die Verschuldung von privaten Haushalten, Unternehmen und Staaten rund um den Globus auf Rekordniveau weiter, mitunter sogar beschleunigt gestiegen. Das Wirtschaftswachstum und der Inflationsanstieg werden wohl, so Krüger, „auf Sicht der nächsten Jahre nicht auskömmlich sein“. Regierungen dürften sich zudem auch künftig einer ambitionierten Haushaltskonsolidierung verweigern: „Der Schuldenberg ist daher nur dann zu beherrschen, wenn Notenbanken an ihrer extremen Nullzinspolitik festhalten. Dieses Vorgehen kreiert aber schädliche Nebenwirkungen, die das Beherrschbarkeitsziel wiederum gefährden.“
Beim Thema Bargeld sprach sich Dr. Jörn Quitzau, der Leiter Wirtschaftstrends der Privatbank Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG, deutlich gegen dessen Abschaffung aus: „Noch ist das Bargeld kein Auslaufmodell.“ Zwar sei aus technischer Sicht „physisches Geld nicht mehr nötig“. Es gebe ausreichend bargeldlose Bezahlsysteme, wie Kreditkarten, Girocard, Internet-Bezahldienste wie Paypal und Handy, mit denen Einkäufe aller Art abgewickelt werden können. Dr. Quitzau: „Allerdings werden in Deutschland noch 79 Prozent aller Einkäufe mit Bargeld bezahlt. Offensichtlich ist in Deutschland die Sehnsucht nach dem Ende des Bargelds noch nicht sonderlich ausgeprägt. Dementsprechend wären heftige politische Widerstände zu erwarten.“
Für die Abschaffung des Bargeldes würden diverse Argumente ins Feld geführt, „aktuell geht es insbesondere um die Wirksamkeit der Geldpolitik“. Dr. Quitzau: „Könnten die privaten Sparer auf negative Einlagezinsen nicht mit dem Abheben von Bargeld reagieren, würden die Ersparnisse auf dem Konto abschmelzen und somit der Anreiz steigen, das Geld auszugeben.“ Auf diese Weise ließe sich die Konjunktur ankurbeln und die Deflationsgefahr überwinden. Dr. Quitzau: „Doch die aktuellen makroökonomischen Probleme, etwa die Nachfrageschwäche und die Deflationsgefahr, haben eher strukturelle als konjunkturelle Ursachen. Die Geldpolitik ist aber nicht in der Lage, Strukturprobleme zu lösen. Insofern wäre die Abschaffung des Bargeldes nicht sachgerecht, sie führt an den eigentlichen Problemen vorbei.“
Volkswirt Prof. Dr. Bodo von Rüden, der an der FH Bielefeld insbesondere in den Bereichen der Geld- und Kapitalmärkte forscht, hielt in Sachen „Bargeld“ die Gegenrede: „Eine Abschaffung ist vielleicht keine so verrückte Idee.“ Aktuell würde nur etwa gut 10 Prozent des deutschen Bargeldes im Inland für die Abwicklung von Zahlungen genutzt. Dr. von Rüden: „Wozu dient der große Rest? Die Aussage eines US-Kriminologen, wonach Bargeld als ‚die Muttermilch des Verbrechens‘ anzusehen sei, hat mehr als ein Körnchen Wahrheit in sich. Eine Welt ohne Banküberfälle und mit weniger Gewaltkriminalität, Korruption, Drogenhandel und Schattenwirtschaft scheint verheißungsvoll.“
Aber auch rein ökonomisch seien die gewohnten Bezahlvorgänge mit Bargeld im Vergleich zu bargeldlosen Transaktionen „recht teuer geworden“. „Legt man alle Kosten, die das Bargeld verursacht, auf die Bevölkerung um, so entstehen jedem von uns jährlich Kosten von 150 Euro durch die Bargeldnutzung.“ Neue Techniken wie das berührungslose Bezahlen mit Karte oder Handy könnten hier deutliche Einsparungen bringen.