Gütersloh (fhb). Bald haben es die ersten 46 Studierenden geschafft. Die erste Kohorte des praxisintegrierten Studiums am Studienort Gütersloh wird am 6. Juni mit dem Bachelor in der Tasche entlassen. Und es tut sich weiterhin viel in den praxisintegrierten Studiengängen Wirtschaftsingenieurwesen und Mechatronik/Automatisierung. Um sich über die Entwicklungen des letzten halben Jahres zu informieren, waren viele Unternehmensvertreter der Einladung zum Unternehmeraustausch am Dienstag, 13. Mai, nach Gütersloh gefolgt. Bereits zum zehnten Mal hatten die Fachhochschule Bielefeld und der Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) dazu eingeladen. Vor allem das Bund-Länder-Projekt "Optimierung von Studienverläufen", in dem die Studierenden in ihrer Schreib- und Mathekompetenz unterstützt werden, war für die Unternehmen von großem Interesse.
Der Austausch mit den Unternehmen ist wichtig, weil die angehenden Ingenieure über die gesamte Studienzeit sowohl an der FH als auch in den Unternehmen eingesetzt werden. Im Wechsel arbeiten sie elf Wochen in ihrem Ausbildungsunternehmen und sind dann für zwölf Wochen am Studienort Gütersloh. Jetzt haben die ersten die sieben Semester erfolgreich hinter sich gebracht: 30 Absolventinnen und Absolventen in Mechatronik/Automatisierung und 16 in Wirtschaftsingenieurwesen. "Fast alle sind in der Regelstudienzeit durchgekommen und ich möchte alle Unternehmen beglückwünschen, denn Sie haben tatkräftig dazu beigetragen", sagte Dekan Professor Dr. Lothar Budde vom Fachbereich IuM, zu dem der Studienort gehört.
Mit dem Bachelor-Abschluss wird für die Studierenden und Unternehmen auch ein weiterführender Master zunehmend interessanter. "Die Zeit drängt allmählich. Wir möchten wissen, wie es weitergeht, denn wir würden es begrüßen, wenn die Studierenden weiterhin bei uns arbeiten", appellierte eine Unternehmensvertreterin. Bereits beim letzten Unternehmeraustausch hatte Dekan Budde die beiden geplanten berufsbegleitenden Masterstudiengänge "Angewandte Automationstechnik" und "Wirtschaftsingenieurwesen" angesprochen. Aktuell werde das Konzept der Masterstudiengänge mit kooperierenden Unternehmen in der Region diskutiert. Im nächsten Jahr sollen sie an den Start gehen.
Allerdings ist für die Unternehmen auch wichtig, wie es mit den nachfolgenden Studierenden-Jahrgängen weitergeht. Dazu stellte Professor Dr. Jörn Loviscach das Bund-Länder-Programm "Optimierung von Studienverläufen vor". Seit Herbst 2012 setzt die Fachhochschule Bielefeld dieses Programm um, das sich mit zwei Themen beschäftigt: die Angewandte Mathematik und die Informations- und Schreibkompetenz. Ziel ist es, die Studierenden in diesen Bereichen besser zu betreuen und mit Beratung, Workshops und Tutorien die Zahl erfolgreich bestandener Prüfungen und die Zahl der Absolvierenden in der Regelstudienzeit deutlich zu erhöhen. "Schreiben ist bei den Studierenden generell nicht sehr beliebt. Aber wir müssen weg von der Vorstellung, dass Ingenieure nur fachlich fit sein und nicht kommunizieren müssen", sagte Jan Weisberg, der sich am Fachbereich IuM um die Schreibkompetenz kümmert. Sie sollen lernen, wie man sowohl wissenschaftlich als auch verständlich schreibt.
In Sachen Angewandter Mathematik unterstützt Oleg Eckler die Studierenden. Mit Mathe-Coachings, Vortutorien oder Prüfungssimulationen sollen vor allem die Studierenden aufgefangen werden, die sich in ihrem dritten Versuch bei Matheprüfungen befinden. "Leider wird dieses Angebot nicht besonders gut angenommen, deshalb bitten wir Sie, Ihre Studierenden verstärkt darauf hinzuweisen", richtete sich Eckler an die Unternehmensvertreter. Diese nahmen den Hinweis als sehr hilfreich auf, hätten sich aber gewünscht früher über das Bund-Länder-Programm informiert zu werden. "Für uns ist es wichtig zu wissen, dass Ihre Unternehmen großes Interesse an solchen Informationen haben. Damit können wir mehr Studierende einbeziehen, die diese Unterstützung nötig haben", sagte Marcus Miksch, der an der FH Bielefeld die Firmenkontakte koordiniert und durch die Veranstaltung führte.
Zu guter Letzt bekamen die Unternehmensvertreter einen Einblick, mit welchen Themen sich die jetzigen Bachelorabsolventen auseinandersetzen. Sebastian Strughold studiert Wirtschaftsingenieurwesen und ist gleichzeitig bei der Beckhoff Automation GmbH in Verl angestellt. In seiner Bachelorarbeit hat er untersucht, wie sinnvoll der Einsatz der Microsoft-Anwendung "SharePoint" für sein Unternehmen ist. "SharePoint" ist ein Web-Portal, über das Daten, Informationen und Prozesse im Unternehmen von mehreren Personen zentral bearbeitet und ausgetauscht werden können. Strughold hat versucht, Informationen so aufzubereiten und untereinander zu verknüpfen, dass sie von jedem leicht gefunden werden können und weiterführende Informationen ebenfalls mit angezeigt werden. "Mein Ergebnis lautet, dass SharePoint grundsätzlich geeignet ist, aber wir müssen den Prototyp jetzt erst im normalen Betriebsablauf von den Kollegen testen lassen", sagt Strughold.
Im Ausblick auf den Studienbeginn 2014 werden zurzeit 78 Praxisplätze für das praxisintegrierte Studium angeboten. In den nächsten Monaten werden noch einige neue Unternehmen dazu kommen, die weitere Praxisplätze anbieten. Allerdings gibt es jetzt erstmals weniger Studieninteressierte als Praxisplätze. "Zurzeit haben wir um die 30 Bewerbungen vorliegen. Im vergangenen Jahr waren es wesentlich mehr, aber das lag auch am Doppelabi. Wir hoffen, dass wir die Praxisplätze alle besetzen können", sagte Marcus Miksch.
Das nächste Unternehmertreffen findet am 11. November um 15 Uhr am Studienort Gütersloh statt.