27.11.2013

Transparenz und Spiegelung als Doktorthema

Cora Waschke promoviert am Fachbereich Gestaltung zur modernen Architektur in der Fotografie.

Bielefeld (fhb). "Ich bin froh, dass ich durch die Lehre so viele Erfahrungen sammeln kann." Cora Waschke ist von der Universität Hamburg an die Fachhochschule Bielefeld gekommen, um hier zu promovieren. Am Fachbereich Gestaltung arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und finanziert sich so ihre Promotion. Darin beschäftigt sie sich mit der modernen Architektur der 1920er und 1930er Jahre, in denen mit viel Glas und Stahl transparente und luftige Gebäude gebaut wurden. Ihr Thema ist dabei, dass in Fotografie und Film jener Zeit die Anliegen einer durchsichtigen und spiegelnden Architektur in besonderer Weise vermittelt werden. Dass sie die Stelle an der FH Bielefeld bekam, hat sie der ehemaligen Gleichstellungsbeauftragten Hildegard Schumacher-Grub zu verdanken, die sowohl Gelder eingeworben als auch Stellen für Promovendinnen geschaffen hatte.

Eigentlich kommt Cora Waschke aus der geisteswissenschaftlichen Ecke, hat Kunstgeschichte und deutsche Sprache und Literatur an der Universität Hamburg studiert und ihren Magister gemacht. Bereits während sie für den Magister lernte, stand für sie und ihre Professorin Dr. Monika Wagner fest, dass noch eine Doktorarbeit hinterherkommen sollte. Zu dieser Zeit hatte Professorin Dr. Kirsten Wagner, die in Bielefeld Kultur- und Kommunikationswissenschaft lehrt, eine Stelle für wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachbereich Gestaltung zu besetzen. "Weil ich die erforderlichen Qualifikationen mitbrachte und mein Thema gut an den Fachbereich passte, war schnell klar, dass ich nach Bielefeld gehen würde", sagt Cora Waschke.

Ihr Thema ist nicht eins der einfachsten. "Transparenz und Reflexion. Architektur in Fotografie und Film der 1920er und 1930er Jahre", lautet der Titel. In dieser Zeit kamen zunehmend Gebäude mit großen Glasfronten und transparenten und glänzenden Materialen auf. Cora Waschke versucht nun anhand von Fotografien und Filmaufnahmen das besondere Zusammenspiel von Glasarchitektur und Medien aufzuzeigen. "Es geht um die Überwindung des Materials und darum, wie die Fotografen die Spiegelungen der Gebäude genutzt haben, um das Phänomen der Transparenz sichtbar zu machen", erklärt Waschke. Ein spiegelndes Gebäude könne einerseits transparent und durchsichtig wirken, aber sich durch die Spiegelungen auch gleichzeitig nach außen hin verschließen. "Ich untersuche die Idee, dass die Architektur im Foto eine gesteigerte Wirkungsweise erfahren", beschreibt sie ihren Ansatz. Betreut wird sie sowohl von Professorin Wagner in Bielefeld als auch von der anderen Professorin Wagner in Hamburg und pendelt für Doktorandenkolloquien, Lehrauftrag und Forschungsarbeit zwischen Hamburg, Bielefeld und Berlin hin und her.

Seit September 2012 ist sie jetzt an der Fachhochschule und schreibt nicht nur an der Promotion, sondern hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin auch einen Lehrauftrag zu erfüllen. In der Studienrichtung Fotografie und Medien gibt sie Seminare zum Thema Architektur im Film oder Architekturfotografie und fühlt sich richtig wohl. "Das Arbeitsklima am Fachbereich ist sehr gut und den Austausch mit den Studierenden finde ich äußerst produktiv", erklärt die Doktorandin, die in ihren Seminaren durchaus viel fordert. Viel Theorie und viel Eigenarbeit und Referate, aber Cora Waschke möchte, dass die Studierenden richtig in die Tiefe gehen. Sie sollen sich wirklich mit der Architektur und der Fotografie dieser Zeit auskennen. Als Belohnung winkt eine Exkursion zum Bauhaus Dessau, einem der bekanntesten Beispiele der modernen Architektur, wo die Studierenden das Gelernte praktisch in eigenen Fotografien umsetzen sollen. Gerade den Austausch zwischen Theorie und Praxis findet Cora Waschke in ihren Seminaren besonders wichtig.

Seminare zu planen, durchzuführen und Prüfungen abzunehmen seien alles neue Aufgaben für sie gewesen, die aber schon gut klappen. "Das ist viel Arbeit, aber bringt neue Erkenntnisse, von denen ich unglaublich profitieren kann", freut sie sich. Bis September 2014 hat sie die Stelle am Fachbereich und würde auch danach noch gerne am Fachbereich bleiben. "Ich finde es gut, dass ich in den Seminaren mein Thema einbringen und hier neben der Arbeit an der Dissertation bereits berufliche Erfahrung sammeln und Kontakte knüpfen kann", sagt Waschke zum Abschluss.