28.11.2006

Gender-Mainstreaming – Entwicklungsaufgabe in der beruflichen Bildung und an Hochschulen

3. Bielefelder Fachtagung "Frauen und Männer in Gesundheitsberufen" im Fachbereich Pflege und Gesundheit der Fachhochschule (FH) Bielefeld.

Zur Eröffnung der 3. Bielefelder Fachtagung "Frauen und Männer in Gesundheitsberufen" im Fachbereich Pflege und Gesundheit betonte Professor Dr. Karl-Ulrich Kettner, Prorektor für Forschung und Entwicklung der Fachhochschule (FH) Bielefeld, den besonderen - und nach aktuellen Informationen des zuständigen Innovationsministerium des Landes NRW noch wachsenden - Stellwert des Gender-Mainstreamings, d. h. einer geschlechterdifferenzierten Betrachtung und Bearbeitung von Fragestellungen in speziellen Forschungsvorhaben, aber auch deren grundsätzliche Berücksichtigung in Forschungsprojekten. Hierfür werden an der FH Bielefeld bereits seit 2004 zentrale Forschungsmittel hochschulintern ausgeschrieben, wobei sich die Antragstellerinnen und Antragsteller im Sinne eine Qualitätssicherung 2006 erstmalig einer externen Begutachtung zu unterziehen hatten. Auch durch diese Forschungsförderung soll deutlich werden, dass das Gender-Mainstreaming als Aufgabe der Hochschulentwicklung ernst genommen wird.

In ihrem Grußwort bedankte sich Hildegard Schumacher-Grub als Gleichstellungsbeauftragte der FH Bielefeld für die sehr konstruktive Zusammenarbeit mit dem Rektorat, insbesondere auch in Fragen der Frauen- und Geschlechterforschung. Dabei nutzte sie die Gelegenheit, auf eine aktuelle Informationsveranstaltung des Gleichstellungsbüros hinzuweisen: "Gender & Diversity in den Ingenieurwissenschaften" am 30.11.2006. Besonders freute sie sich auf den angekündigten Vortrag der Koordinatorin des Netzwerkes Frauenforschung in NRW.

Professor Dr. Heiko Burchert, Vorsitzender der Aufbaukommission des Fachbereichs Pflege und Gesundheit, zeigte sich in seinem Grußwort vor allem interessiert an den Ergebnissen des Forschungsprojektes "Frauen- und geschlechterbezogene Analysen zur Berufsbildung und Akademisierung ausgewählter Gesundheitsberufe" einer Kollegin und eines Kollegen aus dem eigenen Fachbereich. Hier erwartete er angesichts eines sehr hohen Anteils weiblicher Studierender und Lehrender im Fachbereich Pflege und Gesundheit allerdings eine Spiegelung der in technischen Fachbereichen ansonsten stärkeren Akzentuierung der Frauenforschung.

Als Koordinatorin des Netzwerkes Frauenforschung in NRW lieferte Dr. Beate Kortendiek einen sehr informativen Überblick über Forscherinnen, die sich derzeit speziell im Gesundheitsbereich unter sehr unterschiedlichen disziplinären Perspektiven mit Fragestellungen der Geschlechterforschung beschäftigen. Als weitere Leistung des Netzwerkes Frauenforschung bot sie mit Blick auf die Lehre eine Empfehlung zur Akkreditierung bzw. zur curricularen Integration des Gender-Mainsteamings in neue Bachelor- und Master-Studiengänge an, die gerade auch für den Fachbereich Pflege und Gesundheit von hohem Interesse ist.

Thomas Altgeld, Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen e. V., präsentierte einen Vortrag zum Thema "Gesundheit - Kein Thema und kein Berufswunsch für richtige Männer", in welchem über aktuelle statistische Angaben hinaus sehr anschauliche Beispiele eines eher undifferenzierten Gesundheitsverständnisse von Männern (auch im Spiegel der Werbung) demonstriert wurden. An einzelnen Projekten bzw. "Models of good practice", die Thomas Altgeld gemeinsam mit Petra Kolip auch bereits veröffentlich hat, machte er deutlich, dass der Aspekt eine geschlechterbezogenen Gesundheitsförderung in vielen Programmen, Projekten und Maßnahmen insgesamt noch viel zu wenig berücksichtigt wird.

In die Präsentation des Forschungsprojektes "Frauen- und geschlechterbezogene Analysen zur Berufsbildung und Akademisierung ausgewählte Gesundheitsberufe" wurden von Susanne Jaeger und Dr. Mathias Bonse-Rohmann die Beiträge von drei Studierenden des Fachbereichs Pflege und Gesundheit - Patrizia Raschper, Tobias Bach und Kerstin Radojewski - integriert. Auf den einzelnen Ebenen der berufliche Bildung und der Akademisierung konnte gezeigt werden, dass Frauen und Männer in den (als typische Frauenberufe bezeichneten) Gesundheitsberufen ihre Bildungs- und Karrieremöglichkeiten sehr unterschiedlich wahrnehmen. Aus der Vielzahl der ermittelten und graphisch aufbereiteten Statistiken wurden zahlreiche neue Forschungsfragen abgeleitet, denen im Rahmen von Abschlussarbeiten und in Forschungsprojekten nachgegangen werden soll.

Abschlussarbeiten Studierender, d. h. aktuelle Diplomarbeiten, standen auch im Mittelpunkt des "Speakers Corner Posterpark", der sich als wichtiges Element der Bielefelder Fachtagungen bewährt hat. Die Arbeiten von Agnes Kaminski/Katy Stegling, Alexander Weiland, Andreas Pfläging, Andeas Fuhl und Katharina Dietze wurden in dieser 3. Fachtagung erstmals durch einen externen Beitrag, einen Stand des Berufsförderungswerkes Hamm ergänzt.

So haben denn vor allem die eingeladenen Studierenden und Kolleginnen des Fachbereichs Pflege und Gesundheit von den Beiträgen und Diskussionen zu "Frauen und Männer(n) in Gesundheitsberufen" profitiert, während diese Veranstaltung zwar von einzelnen Lehrkräften aus Berufskollegs, kaum jedoch aus Schulen des Gesundheitswesens wahrgenommen wurde. Für den Bereich der Hochschule scheint das Gender Mainstreaming dem immanent formulierten Stellenwert also bereits eher gerecht zu werden, während sich in der beruflichen Bildung noch ein hoher Entwicklungsbedarf andeutet.