15.09.2005

Informationsveranstaltung der FH Bielefeld und des VDMA

Bachelor und Master sind neues Vokabular für Unternehmen.

Bielefeld. Die neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master lösen bis 2010 die bisherigen Diplome ab - auch im Ingenieurbereich. Am Fachbereich Maschinenbau, der bereits Ende 2003 als erster in Ostwestfalen-Lippe eine Akkreditierung für ein international anerkanntes, konsekutives Studienangebot im ingenieurwissenschaftlich-technischen Bereich erhalten hatte, wurden bereits die ersten Absolventinnen und Absolventen mit den neuen Abschlüssen verabschiedet. Über die Schwerpunkte der Hochschulen in den neuen, kürzeren Studiengängen, die Fähigkeiten der Bachelor- und Master-Ingenieure und die Anforderungen der Praxis informierten sich am Dienstag (13. September 2005) in der Fachhochschule Bielefeld rund 70 Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Wirtschaft.

"Ingenieure zur Standortsicherung - Was leisten die Bachelor-/Master-Abschlüsse?", zu dieser Thematik hatte die Fachhochschule Bielefeld gemeinsam mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) an ihren Standort Wilhelm-Bertelsmann-Straße 10 eingeladen. Zehn Referenten aus der Hochschule, von Verbänden und Unternehmen beleuchteten verschiedene Aspekte - wie die Umstrukturierung und Qualitätssicherung im Ingenieursstudium, die Anforderungen an Maschinenbau-Ingenieure aus Sicht des Maschinen- und Anlagenbaus, die Einstiegsmöglichkeiten und Entwicklungswege für Bachelor- und Master-Absolventen oder die Sicht der Studierenden.

Bachelor und Master sind ein Teil der Europäisierung der Studiensysteme, zu denen sich die europäischen Bildungsminister verpflichtet haben. Der Fachbereich Maschinenbau der Fachhochschule Bielefeld war mit der Akkreditierung der beiden aufeinander aufbauenden (konsekutiven) Studiengänge Bachelor Maschinenbau Computer Aided Engineering (MB-CAE) und Master in Computer Aided Mechanical Engineering (CAME) bereits Ende 2003 erfolgreich. Die Bielefelder Hochschule war seinerzeit die erste in Ostwestfalen-Lippe, an der Studierende aus dem In- und Ausland einen Abschluss als Bachelor of Engineering (BEng) und / oder einen Abschluss als Master of Science (MSc) absolvieren konnten.

"Studium Fundament für lebenslanges Lernen"

Der sechssemestrige Bachelor-Studiengang Maschinenbau - Computer Aided Engineering (MB-CAE) - am Fachbereich Maschinenbau bietet ein modern ausgerichtetes Studium, das auf die Anforderungen der Praxis ausgerichtet ist. "Unser Anliegen ist ein vielseitiges interdisziplinäres Ingenieursstudium, das sowohl die Sozialkompetenz der Studentinnen und Studenten weiter entwickelt als auch ein Fundament für lebenslanges Lernen bildet", betonte Dekan Professor Dr. Ralf Hörstmeier. Die Studierenden erwerben neben technischen Kenntnissen verstärkt planungs- und managementorientiertes Fachwissen sowie Fremdsprachen.

Ziel des Master-Studiengangs ist die Vermittlung von umfassenden theoretischen und praktischen Kenntnissen aus der Ingenieurwissenschaft und dem Bereich der Informationstechnologie, die zur effektiven Nutzung von CAE-Systemen benötigt werden. Das in den Vorlesungen erworbene Wissen wird in umfangreichen Praktika direkt angewandt. Die Einbindung in aktuelle Forschungsprojekte oder Industriethemen sichert auch hier den Praxisbezug. "Unsere Master-Absolventinnen und -Absolventen sind speziell für die Forschungs- und Entwicklungsbereiche in Unternehmen befähigt", erklärte Dr. Hörstmeier weiter, "wir berücksichtigen die Anforderungen der Industrie und der Verbände."

Gut ausgebildete Ingenieure überlebenswichtig

Für die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus sind gut ausgebildete Ingenieure nach Aussage von Klaus Stöckmann vom VDMA Landesverband NRW "überlebenswichtig" - daher beobachteten sie die derzeitigen Veränderungen "sehr aufmerksam". Auch für die Wirtschaft brächten die neuen Abschlüsse die Notwendigkeit, sich umzustellen: Um die Bachelor- und Master-Absolventinnen und -Absolventen beurteilen und ihrem Profil entsprechend einstellen zu können, müssten sich die Personalabteilungen vorbereiten. Die Veranstaltung an der Fachhochschule Bielefeld biete dabei Unterstützung.

"Wir möchten den Unternehmen einen Überblick über die Studienreform geben, ihnen die wesentlichen Veränderungen aufzeigen und gleichzeitig Hilfestellung geben, um die neuen Instrumente der Leistungsbeurteilung auch handhaben zu können", so der Vertreter des Branchenverbandes weiter. "Mit den neuen Studiengängen wird auch ein neues Vokabular eingeführt", ergänzte Professor Hörstmeier, "Kreditpunkte beschreiben künftig den ,Work load', also den Arbeitsaufwand der Studierenden, so genannte Diploma Supplements geben ausführlich Auskunft über die Art eines Studiengangs, zum Beispiel über die Arbeits- und Lehrformen, die fachlichen Schwerpunkte und die Besonderheiten der Hochschule."

Martin Strecker, Personalleiter der Paderborner Benteler AG, schätzte, dass der Aufwand in der Personalauswahl für die Personalabteilungen zunächst höher werden wird: "Da gibt es künftig viel mehr zu lesen und zu vergleichen, wenn man sich ein Bild von einem Bewerber machen will. Die neuen Instrumente erlauben aber auch einen tieferen Einblick in die Studiengänge, Unterschiede werden transparenter." Doch auch künftig würden jene Unternehmen, die intensive Kontakte zu Hochschulen pflegen, den besten Einblick haben und so frühzeitig die besten Studierenden auf sich aufmerksam machen können.

Wettbewerbsvorteil durch sicheres Urteil

Aktuelle Studien belegen, dass die Bachelor- und Master-Absolventinnen und -Absolventen, die jetzt die Hochschule verlassen, besonders motiviert und leistungsstark sind. Die Ergebnisse der IMPULS-Ingenieurstudie 2005 und die Anforderungen des Maschinen- und Anlagebaus an die neuen Jungingenieurinnen und -ingenieure - gute fachliche Grundausbildung, technische Vielfältigkeit und die Fähigkeit zur Erfassung komplexer Vorgänge - stellte die bildungspolitische Referentin des VDMA, Carola Feller, vor. Sie bescheinigte dem Fachbereich Maschinenbau der Fachhochschule Bielefeld "ein sehr gelungenes Modell" zur Umstellung auf Bachelor und Master.

"Das kürzere Bachelor-Studium ist für den Maschinenbau sinnvoll, da die technischen Anforderungen in der Praxis breiter geworden und die neuen Absolventen für eine Reihe von Tätigkeiten und schneller einsetzbar sind, so hat sich beispielsweise der Service-Bereich stark ausgeweitet", urteilte Dr.-Ing. Hans-Jürgen Wessel, Geschäftsführer der Krause-Biagosch GmbH in Bielefeld, "wer den aktuellen Absolventenmarkt kennt und die Abschlüsse sicher beurteilen kann, wird einen echten Wettbewerbsvorteil haben." Er nutzte am Dienstag wie die rund 70 weiteren Teilnehmer die Gelegenheit, sich gründlich zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und die Angebote der Fachhochschule Bielefeld persönlich in Augenschein zu nehmen.