Welchen Beitrag leistet die Pflegewissenschaft zur Gesundheit? Welchen Nutzen hat die Wissenschaft für die Praxis? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Präsentation des Fachbereichs Pflege und Gesundheit der FH Bielefeld während der Bielefelder Hochschulwoche. Veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen sowie ein neues wissenschaftlich begründetes Verständnis professioneller Pflege und Therapie führten zu steigenden Anforderungen an die berufliche Qualifizierung der im Pflege- und Gesundheitsbereich bzw. in der pflegerischen Aus- und Weiterbildung tätigen Berufsangehörigen.
So wurden vor zehn Jahren die ersten pflegewissenschaftlichen Studiengänge gegründet. Derzeit gibt es in Deutschland rund 50 pflegewissenschaftliche Studiengänge, die jährlich 500 Absolventen entlassen. Der Fachbereich Pflege und Gesundheit bietet zwei Studiengänge an: Diplomberufspädagogik (Pflege, Ergo- und Physiotherapie) sowie den Bachelor-Studiengang Pflege und Gesundheit. "Diese Studiengänge verbinden wissenschaftliche Grundlagen in den Feldern Pflege und Gesundheit sowie Erziehungswissenschaft mit fach- und unterrichtspraktischer Erfahrung und tragen damit den gestiegenen Anforderungen an die Qualifikationen Rechnung", betonte Professorin Dr. Barbara Knigge-Demal die Bedeutung einer wissenschaftlich fundierten Ausbildung in diesem Bereich.
Aus der Definition der Berufsaufgaben des Pflegeberufs ergibt sich der Auftrag der Pflegewissenschaft. Knigge-Demal zitierte die Definition des International Council of Nurses: "Der soziale Auftrag der Pflegewissenschaft besteht darin, Menschen zu unterstützen, die aus gesundheitlichen und/oder funktionsbedingten Einschränkungen nicht dazu in der Lage sind, ihre täglichen Aktivitäten zur Erhaltung und Förderung des Lebens aus eigener Kraft oder mit Hilfe von Familie und Freunden wahrzunehmen." In der Pflegewissenschaft gehe es also darum, Erkenntnisse über Ursachen, Auswirkungen, Prävention und Therapie von Pflegebedürftigkeit zu erlangen, pflegerisches Wissen zu systematisieren und dieses Wissen bereit zu stellen, um die Pflegepraxis zu unterstützen und zu verbessern. Dies geschehe auf mehreren Ebenen. Auf der Mikroebene stehen der Patient, der Pflegende und die Interaktion zwischen beiden im Zentrum des Interesses. Untersuchungsgegenstand auf der Mesoebene sind direkte Umgebungs- und Umweltfaktoren, die auf die Entstehung bzw. Vermeidung von Pflegebedarf Einfluss nehmen. Auf der Makrebene werden gesellschaftliche Faktoren untersucht, die Pflegebedarf/ Pflegebedürftigkeit beeinflussen können, z.B. der mögliche Zusammenhang zwischen Armut und Pflegebedarf.
Anhand mehrerer Studien zur Wirksamkeit von Pflege skizzierte Knigge-Demal die Vorgehensweise der Pflegewissenschaften und die Umsetzung der Erkenntnisse in die Praxis. Die Pflege-Studiengänge leisteten dazu einen wesentlich Beitrag. Sie befähigen Pflegende zur Reflexion ihrer beruflichen Praxis, erweitern und vertiefen das pflegerische Wissen, helfen bei der Überwindung pflegerischer Rituale. Sie bilden die Grundlage für "evidence based nursing" - wissenschaftlich fundierte Pflege.
Welchen Nutzen die Wissenschaft für die Praxis hat, erläuterten Professorin Dr. Beate Klemme und Ursula Walkenhorst am Beispiel der Ergo- und Physiotherapie. Im Anschluss an die Vortrage präsentierten Studierende ihre Diplomarbeiten und Projekte.