07.07.2003

Woche der Wissenschaft: Von der Idee zum Produkt - Ingenieurinnen berichten über ihr Studium und die Berufspraxis

Gut gerüstet für die Industrie durch Projekt- und Gruppenarbeit von Studienbeginn an.

Der Studiengang Produktentwicklung wurde 1996 an der FH Bielefeld eingerichtet. "Mit diesem in seinem Aufbau neuartigen Studiengang wollten wir zum einen berechtigte Forderungen der Industrie umsetzen und zum anderen ein auch für Frauen interessantes ingenieurwissenschaftliches Studium anbieten", skizzierte Professor Dr. Axel Rosemann, Dekan des Fachbereichs Mathematik und Technik, die Motive, die seinerzeit zur Einrichtung des Studiengangs führten. Unter dem Titel "Von der Idee zum Produkt - Ingenieurinnen berichten über ihr Studium und die Berufspraxis" stellten sich jetzt im Rahmen der Bielefelder Hochschulwoche die ersten Absolventinnen des Studiengangs den Fragen des Publikums.

Christine Cramer war zu Beginn die einzige Studentin in diesem Studiengang. Viele werden sie kennen; sie war in der Anfangszeit begehrtes Fotomodell für die Broschüren zum neuen Studiengang. Inzwischen liegt der Anteil der Frauen bei beachtlichen 12 Prozent. Die einzige Studentin zu sein, sei nie ein Problem gewesen. Kommilitonen und Professoren seien ihr mit großer Offenheit begegnet. Nach einer schulischen Ausbildung zur Produktdesignerin habe sie sich für diesen Studiengang entschieden, "weil ich wissen wollte, wie die Dinge, deren Äußeres ich gestalte, im Inneren funktionieren". Die Kombination naturwissenschaftlicher, technischer, gestalterischer und kaufmännischer Elemente sowie die fachübergreifenden Studieninhalte seien für Frauen sicher reizvoller als ein klassisches Maschinenbaustudium. Als Diplomarbeit entwickelte Christine Cramer für die Solartechniksparte von Schüco eine Speicheranlage, die inzwischen erfolgreich am Markt eingeführt ist. Das Unternehmen war vom Ergebnis dieser Arbeit so überzeugt, dass Christine Cramer inzwischen als Diplom-Ingenieurin in der Entwicklung im Bereich Solartechnik bei Schüco arbeitet.

Für Katrin Wibbeke und Kathrin Middendorf waren die Arbeit an Projekten vom ersten Semester an sowie die Gruppenarbeit "absolute Pluspunkte" des Studiums der Produktentwicklung an der FH Bielefeld. "Mit diesem Mix ist man für die Arbeit in der Industrie gut gerüstet", so Kathrin Middendorf. Aus Gesprächen mit Freunden, die an anderen Hochschulen oder Fachhochschulen studierten, wisse sie, dass diese Arbeitsweise keineswegs überall selbstverständlich sei. Wer nur die Theorie im Studium kennenlerne ohne ausreichend Praktika in Laboren und in der Industrie, für den sei schon die Diplomarbeit eine ziemliche Hürde.

Beide haben vor dem Studium eine Ausbildung abgeschlossen. Katrin Wibbeke ist Augenoptikerin und Kathrin Middendorf Kfz-Mechanikerin. "Ich wollte nur an einer Fachhochschule studieren, weil ich praxisbezogen arbeiten will", begründete Katrin Wibbeke ihre Entscheidung für die FH Bielefeld. Ihre Diplomarbeit erarbeiteten sie gemeinsam. Sie untersuchten für die Hella Leuchtensysteme GmbH in Paderborn die "Auswirkung peripherer Leuchtdichtefelder auf die Kontrastempfindlichkeit". Katrin Wibbeke arbeitet heute für Hella, Kathrin Middendorf ist noch in Verhandlungen mit mehreren Unternehmen. Beide bezeichneten das integrierte Praxissemester als "Supervorteil". Abweichend von der Studienempfehlung haben beide das Praxissemester im 7. und nicht wie empfohlen im 5. Semester absolviert. Für sie sei dies die richtige Entscheidung gewesen, da man aus ihrer Sicht über mehr Kenntnisse als nach dem Grundstudium verfüge, die man im Unternehmen dann auch anwenden könne. Die drei Ingenieurinnen waren sich abschließend einig: "Wir haben uns hier wohl gefühlt, alle sind gut miteinander ausgekommen. Vieles, was wir hier gelernt haben, können wir direkt anwenden. Es ist durchaus empfehlenswert, als Frau hier zu studieren."