Bielefeld (fhb). Der Vorgang ist mittlerweile alltäglich: Im Internet bestellt der Kunde sein neues Navigationsgerät und gleich noch ein Handy dazu. Auftrag abgeschickt, zwei Tage später kommt die Ware zu Hause an. Gut verpackt im Karton, mit Luftkissen und gehäckseltem Papier oder Styropor stabilisiert. Aber eigentlich zu viel Kartonage für wenig Inhalt. Das muss nicht sein. "Lean packaging" heißt das Zauberwort, zu gut Deutsch etwa "schlankes Verpacken", und es verspricht Hilfe. Dennis Reinking (34) hat sich mit dem richtigen Verpacken befasst und darüber jetzt seine Doktorarbeit erfolgreich abgeschlossen. Betreuer und Gutachter der Arbeit waren Prof. Dr. Hans Brandt-Pook vom Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit der Fachhochschule Bielefeld und Prof. Dr. Hans-Jörg Kreowski, der an der Universität Bremen am Fachbereich Mathematik und Informatik lehrt.
Die Dissertation trägt den Titel "Modellierung von Verpackungssystemen unter der Berücksichtigung des Wandels von der Serien- zur Einzelverpackung". Sie befasst sich mit dem Verpacken von versandfertigen Produkten. Reinking: "Verpackende Unternehmen sind zunehmend an passgenauen Verpackungen in geringer Stückzahl interessiert, denn das Produktsortiment differenziert sich zunehmend und die produzierten Losgrößen sinken." Auf der anderen Seite stehen die Verpackungs-Hersteller. Sie möchten in möglichst großer Stückzahl Standardverpackungen herstellen, um effizient zu arbeiten.
Reinking geht in seiner Arbeit auf drei Aspekte ein. Das Kernstück ist die Entwicklung eines Modells zur Abbildung des gesamten Prozesses des Verpackens in Unternehmen mit all seinen Facetten. Reinking nennt es "das Modell des Verpackungssystems". Ziel des Modells ist die einheitliche, systematische beschreibende Erfassung und Dokumentation des Verpackungsvorgangs. Analog zu dem Verpackungssystem werden als zweites Ergebnis der Arbeit Kennzahlen entworfen und zu einem Kennzahlensystem zusammengefasst. Reinking: "Damit wird es möglich, Verpackungssysteme quantitativ zu vergleichen." Drittens schließlich werden Ansätze zur Optimierung von Verpackungssystemen entwickelt. Prof. Brandt-Pook: "Im Dreiklang der Ergebnisse liegt erstmals ein generisches Werkzeug zur qualitativen und quantitativen Analyse des Verpackungsvorgangs sowie zu dessen Optimierung vor." Und auch das ist ein Ergebnis der Arbeit: "Die ideale Lösung gibt es nicht, aber doch Erkenntnisse, wie die Produkte dank zweckmäßiger Verpackung kostengünstig, ressourcenschonend und gut geschützt beim Kunden ankommen", so das Fazit von Reinking.
Seine Dissertation entstand im Kontext des Projekts "lean packaging", das im Jahre 2008 unter der Beteiligung von sieben Unternehmen zunächst an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe startete. Mit dem Wechsel von Prof. Brandt-Pook an die FH Bielefeld fand es nun hier seinen Abschluss.