01.04.2014

„Einblicke in ein schönes Land mit wunderbaren Menschen“

Indo-German Summer School im indischen Vadodara mit 30 Studierenden und drei Dozenten der FH Bielefeld.

Bielefeld / Vadodara (fhb). "Die Indo-German Summer School 2014 war eine großartige Erfahrung. Ich habe mich rundum wohl und willkommen gefühlt. Die herzliche Aufnahme und Betreuung der Inder haben meinen Aufenthalt unvergesslich gemacht. Ich nehme sehr viele positive Eindrücke mit, daher empfehle ich jedem, der neugierig und aufgeschlossen ist, diese Erfahrungen selbst zu erleben." Meint BWL-Studentin Marnie Fährenkämper, und sie wird von ihrem Kommilitonen Alexander Beel, er studiert im dritten Semester Maschinenbau im Masterstudiengang, ähnlich euphorisch ergänzt: "Die Teilnahme an der Indo- German Summer School war ein unvergessliches Erlebnis, und ich kann jeden nur zu der Teilnahme raten. Die Eindrücke und Einblicke von diesem schönen Land mit seinen wunderbaren und sehr hilfsbereiten Menschen kann man meiner Meinung nach nur durch solche Veranstaltungen erhalten."

Solche Veranstaltungen, nun, das sind gut vierwöchige Auslandsaufenthalte, eben "Summer Schools", die es in sich haben. Am 7. Februar ging es los. Kein Freizeitvergnügen, sondern "harte Arbeit und diszipliniertes Studieren", so Prof. Dr. Jürgen Sauser, der am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik, kurz IuM, das Prozess- und Informationsmanagement lehrt, der schon sieben Mal in Indien zu Gast war und der deshalb von sich behaupten kann, mittlerweile Land und Leute gut zu kennen. "Die indische Gastfreundschaft und Organisationsfreude sind großartig. Aber es gilt auch zu akzeptieren, dass hier kulturelle Unterschiede sichtbar werden und den Alltag prägen, die weit von den Gewohnheiten in Deutschland entfernt liegen", sagt Ingenieur Sauser. Speisen im Restaurant ohne Messer und Gabel mag für Europäer eine Herausforderung sein. In kurzer Hose mal eben durch den nahegelegenen Park joggen, ist keine Idee, die mehrheitsfähig oder gar akzeptiert wäre. BWL-Dozentin Dr. Natalie Bartholomäus hat Überraschendes notiert: "In Indien gibt es kein Nein, sondern an dieser Stelle wird das tendenziell optimistische 'Wir werden sehen' eingeworfen."           

In Vadodara verbrachte die 30-köpfige Studierendengruppe gemeinsam mit drei Lehrenden unvergessene Studientage, in einer Universitätsstadt im westlichsten indischen Bundesstaat Gujarat gelegen. 1,7 Millionen Menschen leben hier. Räumliche Enge, belebte Straßen, überfüllte Märkte prägen das Stadtbild. Die Universität jedoch hat reichlich Platzangebot und ist technisch-apparativ gut ausgestattet. Hier das Parul Institute of Management, vorübergehende Heimat der Wirtschafts-Studierenden, dort das Parul Institute of Engineering and Technology, wo sich die Ingenieur-Studierenden zuhause fühlen durften.

Wie gesagt: konzentrierte Arbeit war angesagt. Die drei Dozenten, neben Sauser und Bartholomäus gehörte Prof. Dr. Manuel Teschke dazu, er lehrt Betriebliche Steuerlehre und Unternehmensprüfung, waren in den Seminaralltag eingebunden, hielten jeden Tag Vorlesungen und wurden im akademischen Kollegenkreis herumgeführt. Wertschätzung und anstrengend zugleich. Und zum Schluss habe er, so Sauser, noch rund einhundert Teilnahmezertifikate für indische Studierende unterschrieben: "Das schlaucht ganz schön."   

Knapp 2.000 Euro musste jeder Reisende für den Studienaufenthalt, alles inklusive, bezahlen. Doch glücklicherweise wurden die Studierenden mit DAAD-Stipendien in Rahmen des Programms "A New Passage to India" bedacht. Da macht das Reisen noch mehr Spaß. Elektrotechnik-Student Cornelius Armbruster fasst für viele seiner Kommilitonen zusammen: "Die Summer School in Indien war eine der besten Erfahrungen in meinem Studium. Es war besonders spannend, das indische Ingenieursstudium kennenzulernen. Ich bin überzeugt, dass die Erlebnisse und auch die Beziehungen, die wir aufbauen konnten, unsere Zukunft nachhaltig prägen werden."

Ein wichtiger Bestandteil der Summer School seien die Unternehmensbesichtigungen gewesen. "Wir waren als Gruppe bei vielen verschiedenen Unternehmen und haben uns Produktionsanlagen zeigen lassen, haben viele Fragen gestellt und konnten uns somit ein besseres Bild der indischen Unternehmenskultur machen", so Armbruster. Unter anderem waren sie bei MAN, Amul, ABB, Shaily Engineering und KHS Mashinery.

Abgeschlossen und benotet wurde das vierwöchige Studien-Programm mit zwei schriftlichen Prüfungen, einer Ausarbeitung und einer Präsentation der Projekte. Alles in englischer Sprache, alles ohne Lampenfieber. Dr. Bartholomäus: "Die indischen Kollegen haben die Kenntnisse und Fähigkeiten unserer Studierenden ausdrücklich gelobt." Professor Teschke ergänzt: "Durch ihr Auftreten und mit ihren Leistungen haben unsere Studierenden überzeugt. Sie waren gute Botschafter für die Fachhochschule und die Stadt Bielefeld."  

Dass der kulturelle Austausch - trotz aller Studienverpflichtungen - nicht zu kurz kam, mögen die Hinweise auf die Teilnahme "an diversen kulturellen Tanzveranstaltungen" (Armbruster) belegen, "zu denen wir gelegentlich auch selbst mit Walzer und Disco-Fox unseren Beitrag leisteten". Gewachsen sind in der Ferne die Kontakte untereinander. BWL-Studentin Marlene Ende: "Wir treffen uns jetzt regelmäßig, sind über Facebook verbunden und haben schon während der Summer School einen tollen Blog im Netz unterhalten."

Die einzig betrübliche Nachricht aus dem fernen Indien ist sportlicher Natur: Ein freundschaftlicher, frühsonntäglicher Vergleich auf dem Fußballplatz ging gründlich daneben. Die als Favoriten gehandelten Europäer verließen mit einer 3:0-Schlappe das Feld. Am Schuhwerk soll's gelegen haben, nicht am technischen Können oder an der Laufbereitschaft, so Marlene Ende. Im Wiederholungsspiel in der Nähe der Bielefelder Alm könnte es im kommenden Jahr eine Revanche geben. Denn die Summer School findet ihre Fortsetzung - wenn auch in anderer personeller Besetzung.