Interesse aus Fernost am dualen Studiengang 'Gesundheits- und Krankenpflege'
Japanische Wissenschaftler auf Informationsbesuch am Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit.
Bielefeld. Eine Vertretung japanischer Professorinnen und Professoren besuchte in der letzten Woche den Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit, um sich im Rahmen einer Reise durch Deutschland über die Pflegeausbildung und insbesondere den Dualen Bachelor-Studiengang 'Gesundheits- und Krankenpflege' in Bielefeld zu informieren.
Der Besuchergruppe, bestehend aus Prof. Dr. KANAI Hitomi (Director, Professor, Department of Nursing Tokyo Ariake University of Medical and Health Sciences), CHIBA Takuya, Associate Professor Tokyo Ariake University of Medical and Health Sciences, KAWAKAMI Yoshiaki, Associate Professor, Tokyo Ariake University of Medical and Health Sciences und KIDO Yutaka, Ehemaliger Dozent an der Aoyama Universität für Pädagogik, wurde zunächst die Fachhochschule durch den Dekan Prof. Dr. Uwe Rössler und die Entwicklung des Bereichs Pflege und Gesundheit durch Prof. Dr. Annette Nauerth vorgestellt. Im Anschluss erläuterte Studiengangsleiterin Prof. Dr. Änne Dörthe Jahncke-Latteck das Studienkonzept des dualen Bachelors Gesundheits- und Krankenpflege.
Neben ganz praktischen Fragen der Besucher zum Aufnahmeverfahren oder der Credit-Vergabe ging es um die unterschiedlichen Qualifizierungskonzepte der beiden Länder. Dabei standen insbesondere der Umfang der Praxisphasen, das Aufgabenfeld der Absolventen und auch die Studienfinanzierung im Fokus. Darüber hinaus wurden auch politische Entwicklungen thematisiert. Inge Bergmann-Tyacke erläuterte die aktuellen politischen Diskussionen zur Akademisierung und zur generalistischen Ausbildung in der Kranken- und Gesundheitspflege.
In Japan besteht - im Gegensatz zu Deutschland - eine generalistische Ausbildung, die sowohl an Hochschulen als auch an Berufsfachschulen angeboten wird. An insgesamt 210 Hochschulen und 800 Berufsfachschulen können Japanerinnen und Japaner sich für die Pflege ausbilden lassen. Vor einigen Jahren wurde in Japan neben der generalistischen Pflege ein neuer Beruf eingeführt: die Altenpflege, und zwar nach deutschem Vorbild mit stark sozialpädagogischem Fokus. Nun wird diskutiert, ob diese Berufsausbildung den sich weiter entwickelnden Ansprüchen genügt - ein zusätzliches Thema für den Deutschlandbesuch der japanischen Kolleginnen und Kollegen.
Ebenfalls interessierte die Besucher der Einfluss des Bologna-Prozesses auf die Pflegestudiengänge in Deutschland. Neben der Umstellung von Diplom auf Bachelor- und Masterstudiengänge erläuterte hier Prof. Dr. Annette Nauerth, dass durch diese Umstellung besonders die relativ jungen deutschen Pflege-Studiengänge sich erneut etablieren mussten. Der Bereich Pflege und Gesundheit musste hier ebenfalls den erst 1996 gegründeten Diplomstudiengang bereits 2002 konzeptionell anpassen und in eine konsekutive Bachelor-Master-Abfolge umwandeln. Für die Studierenden bedeutet dies eine um ein Jahr längere Qualifizierungsphase auf nun insgesamt acht Jahren.