Fachbereich Gestaltung mit Fotografie-Projekt in Rzeszów und Bielefeld.
Im Berliner Martin-Gropius-Bau, dem Tempel großer kunst- und kulturgeschichtlicher Themen, dokumentierte bis Anfang des Jahres eine monumentale Ausstellung mit rund achthundert historischen und zeitgenössischen Exponaten die deutsch-polnischen Beziehungen der letzten zehn Jahrhunderte: Tür an Tür. Polen - Deutschland. 1000 Jahre Kunst und Geschichte.
Ganz so lange währt die deutsch-polnische Städtepartnerschaft zwischen Bielefeld und Rzeszów noch nicht - umso herzlicher ist der Kontakt zwischen jeweils zehn Studierenden des Bielefelder Fachbereichs Gestaltung - Studienrichtung Fotografie - und der Kunstfakultät der Universität Rzeszów - Fachrichtung Grafik und Kunsterziehung, die sich im Rahmen eines großen bi-nationalen Fotografie-Projekts kennen gelernt haben. Anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens der genannten Städtepartnerschaft hatten die Bielefelder Teilnehmer unter Leitung von Prof. Roman Bezjak (Dokumentarfotografie) und begleitet von Dorit Hekel (Akademisches Auslandsamt der FH Bielefeld, Koordinatorin des gesamten Projekts) sowie Prof. Dr. Anna Zika (Theorie der Gestaltung) schon im Oktober 2011 eine Reise in die Hauptstadt der fernen Region Podkarpackie (vormals Galizien) angetreten.
Diese Fahrt und der anschließende zehntägige Fotografie-Workshop in Rzeszów bildeten den Auftakt zu dem aus vier Teilen bestehenden Projekt "Nachbarn in Europa - verbunden und verschieden". Ziel des Projekts ist es, mithilfe des Mediums Fotografie Gemeinsamkeiten und Unterschiede des alltäglichen Lebens in den Partnerstädten, die auch durch mehrere Kooperationen zwischen der Fachhochschule Bielefeld und Rzeszówer Hochschulen verbunden sind, zu erkunden und zu dokumentieren. Welchen Träumen hängen zum Beispiel Gleichaltrige nach? Wie richten sie sich ein und wie sehen ihre Lieblingsplätze aus? Welche städtebaulichen Besonderheiten prägen das Erscheinungsbild der Region? Inwiefern ragt die Territorialgeschichte - als Hauptstadt "Galiziens" gehörte Rzeszów früher zu Österreich - in die Gegenwart hinein? Welche Spuren hinterlassen Migrationsbewegungen in der Bevölkerung? Wie äußern sich soziale Probleme an den Rändern der Gesellschaft? Das einfühlsame fotografische und filmische Porträt, das der Teilnehmer Markus Hirschmeier etwa von der bedürftigen Irena S. schuf, wird auf einer eigenen Homepage mit Spendenaufruf (www.4irena.de) präsentiert.
Die deutsche Arbeitsgruppe wurde in Rzeszów von Lehrenden der Kunstfakultät der Universität Rzeszów, Prof. Jadwiga Sawicka und Mag. Krzysztof Pisarek, in Empfang genommen. Die intensive fotografische Arbeit der Studierenden in Rzeszów erhielt zusätzliche Impulse durch das vielfältige Begleitprogramm der Exkursion. Eine Stadtführung und ein Polnisch-Crashkurs mit der Lektorin Marta Pisarek standen ebenso auf dem dicht gefüllten Zeitplan wie Einblicke in die Arbeitsergebnisse der polnischen Studierenden an deren Hochschulstandort, ein Besuch des Konzerts der Rzeszówer Philharmonie unter Leitung des Bielefelder Dirigenten Alexander Kalajdzic oder ein Empfang beim Stadtpräsidenten, der einen sehr persönlichen Rückblick auf die deutsch-polnische Freundschaft und die gute Verbindung beider Städte in den vergangenen beiden Jahrzehnten hielt. Ein großes Lagerfeuer im Garten des Gastgeberehepaares Pisarek gehörte zweifellos zu den zwischenmenschlichen Höhepunkten dieser überaus herzlichen internationalen Begegnung.
Der Workshop in Rzeszów war so angelegt, dass sich jeder der deutschen Studierenden mit einem polnischen Partner zusammentat - eine große Hilfe, um die Gegebenheiten vor Ort besser kennen zu lernen, und vor allem eine große Hilfe bei der Überwindung eventueller Sprachbarrieren.
Beim Gegenbesuch jetzt im April, der gerade eifrig vorbereitet wird, wird es dann umgekehrt sein. Teile der Ergebnisse beider studentischer Gruppen werden direkt im Anschluss an den Workshop in Bielefeld in dem so genannten "Schaufenster" der Kunsthalle Bielefeld vom 2. bis 13. Mai ausgestellt. Die Kunsthalle ist neben der Stadt Bielefeld und der Bielefelder Deutsch-Polnischen Gesellschaft ein weiterer Projektpartner. Der größere Teil der Arbeiten wird zeitgleich in der Galerie des Fachbereichs Gestaltung in der Lampingstraße ausgestellt sein, da das "Schaufenster" nicht Platz für alle Arbeiten bietet. Eine weitere gemeinsame Ausstellung ist bereits für September und Oktober 2012 in der Galerie des Kunstgymnasiums Rzeszów geplant.
Unterstützt wird das Projekt vom NRW Kultursekretariat, vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (finanziert aus Mitteln des Auswärtigen Amtes), vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk und von der Stadt Bielefeld.
Nun erwarten die Bielefelder Teilnehmer mit Spannung die Ankunft ihrer polnischen Partner am 17. April. Es sieht ganz so aus, als entstünden im Rahmen dieses Projekts deutsch-polnische Freundschaften, die auch die nächsten zwanzig Jahre überdauern werden.