Bielefeld (fhb). Die Fachhochschule Bielefeld steht für praxisorientierte Lehre und Wissensvermittlung. Und das wird auch gelebt. Ein Beispiel: Die Lehrveranstaltungen der Fachgruppe Personal und Organisation am Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit. Mit ihrem 'Praktiker-Talk' haben sie ein spezielles Vermittlungsformat gefunden, um aktuelle Themen, Probleme und Erkenntnisse aus der Personalwirtschaft den Studierenden sozusagen hautnah zu präsentieren.
Dafür sorgen Personalverantwortliche aus großen Unternehmen, die sich als Referenten zur Verfügung stellen. Prof. Dr. Volker Herzig: "Theorie und Praxis gehören nun einmal zusammen. Die Expertengespräche sorgen dafür, dass die Studierenden das Innenleben eines Unternehmens, seine Strukturen und Erwartungshaltungen an die Mitarbeiter erfahren." Kollege Prof. Dr. Bernd Helbich ergänzt: "Unser 'Praktiker-Talk' ist ein konkreter Beitrag zum Berufseinstieg für unsere Studierenden."
Gestern war Stefan-Oliver Strate zu Gast. Er ist Leiter Personalbetreuung bei der Schüco International KG mit Sitz in Bielefeld. Sein Thema: 'Anforderungen an die zukünftige Personalarbeit am Beispiel des HR Business Partner Modells'. Professor Herzig hatte ihn eingeladen, im Rahmen der Lehrveranstaltung Personalwirtschaft 1 im Bachelor-Studiengang BWL vorzutragen.
HR steht für 'Human Ressources' und das Business Partner Modell steht für "eine klare und prozessorientierte Aufteilung der bisherigen Personalarbeit in beratende, betreuende und serviceorientierte Prozesse", so Strate. Das Modell sehe eine "Dreiteilung in Service, Facharbeit und strategischer Beratung" vor. Strate: "Alle administrativ geprägten Arbeiten sollen in entsprechenden Service Center-Einheiten gebündelt werden. Durch eine dortige Standardisierung sollen Effizienzgewinne erreicht werden, zugleich sollen die Personaleinheiten am Kunden von administrativen Arbeiten weitgehend entlastet werden."
Was hier arg theoretisch klingt (und im Kern auch umfassender Begründung bedarf), wird den Studierenden im weiteren Verlauf auf die praktische Unternehmensebene heruntergebrochen. Was bedeutet das im Umgang miteinander? Welche Leistungen erwartet der Arbeitgeber? Fragen sind ausdrücklich erlaubt. Die Antworten kommen stets anschaulich zurück. 'Praktiker-Talk' auch als Dialog. Strate fasst zusammen: "Zielsetzung des gesamten Modells ist es, die Personalarbeit der Zukunft zu professionalisieren und den HR-Bereich als zukünftigen wertschöpfenden und strategischen Partner gegenüber dem Fachbereich zu positionieren." Das muss erst einmal sacken, aber mitschreiben und nacharbeiten gehört ja auch zum Studium.
Ideengeber auf einem weiteren 'Praktiker-Talk' war vor kurzem der Wirtschaftspsychologe Michael Schilling, Personalreferent des Vlothoer Unternehmens Kannegiesser. Das Unternehmen ist Weltmarktführer im Bereich der Wäschereitechnik, sein Inhaber Martin Kannegiesser ist Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. In der OWL-Hochschullandschaft hat sich das Unternehmen mit den eigenen 'Hochschultagen' einen Namen gemacht, zu denen Kannegiesser rund 20 Studierende unterschiedlicher Disziplinen einlädt.
Die Studierenden lernen an zwei Tagen das Unternehmen kennen und bearbeiten im Team eine kleine Fallstudie. Und sie stimmen mit den Personalverantwortlichen und Führungskräften Einstiegsmöglichkeiten in den Beruf ab. Professor Helbich: "Zahlreiche Berufseinstiege konnten so für Hochschulabsolventen realisiert werden." Weitere Kontakte zwischen Studierenden und dem Unternehmen werden zu Praxissemestern und Abschlussarbeiten ausgebaut, so Helbich, der die Lehrgebiete Personalmanagement und Personalführung vertritt.
Den 'Praktiker-Talk' mit Schilling hatte er für seine Veranstaltung 'Personalwirtschaft' organisiert. Personalmarketing, -beschaffung und -einarbeitung seien so in Frage-und-Antwort-Runden "hautnah erlebbar" gewesen. Letzter Rat vom Personalreferenten Schilling an die Studierenden zum Schluss einer interessanten Veranstaltung: "Gehen Sie beim Berufseinstieg, wenn es um die Verhandlung des Anfangsgehaltes geht, realistisch und selbstbewusst ins Gespräch!"